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Women's Camp 119

Italien, 1977

  • Originaltitel: KZ9 - Lager di sterminio
  • Alternativtitel:

    SS-9 Campo de exterminio y violencia (ESP)

    KZ9 - Camp d'extermination (FRA)

    S.S. Extermination Love Camp (USA)

    SS campo extermination

    SS campo de sexo y violencia

    SS Extermination Camp

    KZ 09

  • Regisseur: Bruno Mattei
  • Kamera: Luigi Ciccarese
  • Musik: Alessandro Alessandroni
  • Drehbuch: Giacinto Bonacquisti, Aureliano Luppi, Bruno Mattei
  • Inhalt:

    Obwohl das Kriegsende unmittelbar bevorsteht, werden die sogenannten Forschungsarbeiten unter Kommandant Wieker (Ivano Staccioli) im Frauen-"KZ 09" beibehalten und die Testreihen sollen um jeden Preis zum Abschluss gebracht werden. Junge Mädchen und Frauen dienen dabei einer breiten Palette von medizinischen Versuchen, die hilfreich für den Soldaten an der Front und tödlich für den Feind sein sollen. Die durchgehend grausamen Experimente sind jedoch viel schlimmer als die täglichen Demütigungen und Übergriffe der Verantwortlichen und wenn die Opfer ausgedient haben, enden sie schließlich in den Gaskammern des großen Gebäudekomplexes. Eine kleine Gruppe versucht dieser Hölle zu entfliehen, doch Wieckers Bluthunde sind ihnen bereits auf den Fersen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Es dauert nur einen Vorspann lang, bis ein LKW-Konvoi, vollgestopft mit gepeinigten und erniedrigten Frauen, von Ravensbrück bis Rosenhausen gelangt, wo Bruno Mattei sein zweifelhaftes Spektakel in Gang bringen kann. Komischerweise merkt man gleich zu Beginn, dass die Gangart wohl eine deftigere sein wird, ohne eine Ahnung davon zu haben, welche Geschütze eigentlich aufgefahren werden. Liegt es an den widerlichen Parolen des Offiziers, der die Frauen wie Sklavinnen behandelt oder an den verheißungsvollen, aber absolut passenden Klängen von Alessandro Alessandroni? Die Lösung kommt wenige Augenblicke später, als man abgetrennte Extremitäten in einem Labor betrachten muss, über denen die Verantwortlichen über ihre »exzellente Arbeit« schwadronieren. In den meisten dieser Flicks aus dem einschlägig bekannten Naziploitation-Genre waren es genau solche Eigenschaften wie Kaltblütigkeit, Brutalität, Menschenverachtung und überhebliche Selbstverliebtheit, die den Stoff darstellen, aus dem die spekulativen Albträume sind. Bestien in Uniformen prägen den Verlauf also auch hier und es wird schnell klar, wohin die strapaziöse Reise gehen wird. Die Szenerie ist mit Folter, Vernichtung und Tod aufgeheizt und es stellt sich lediglich die Frage, wie hart die Exposition ausfallen wird. "KZ 09" schlägt in diesem Zusammenhang jedenfalls keinen sparsamen Weg ein, sodass schon bald Angst- und Todesschreie zu vernehmen sein werden, sowie zahlreiche bestialische Experimente am lebenden Objekt, während die Obrigkeit in den komfortableren Räumen dekandenterweise frisst, säuft und im Off womöglich auch hurt. Des weiteren wird eine Art Führung durch die wichtigen Räume des KZ gemacht und einige Charaktere stellen sich bei dieser Gelegenheit selbst vor, kategorisieren sich in Abschaum oder Bodensatz und nur zwei Protagonisten fallen durch eine menschliche Ader auf.

     

    Überraschenderweise kann der Zuschauer eine Storyline wahrnehmen, was durchaus erwähnenswert ist, haben doch zahlreiche dieser Vertreter einen dramaturgischen Handlungsbogen, oder zumindest eine Andeutung davon vermissen lassen, sogar eher als überflüssigen Ballast angesehen. Auch das Thema sexuelle Ausschweifungen oder Orgien wird nicht bis zum Exzess ausgereizt, eher kann man hier von einer Randerscheinung sprechen. Nackte Körper sind dennoch an der Tagesordnung, dienen allerdings eher zu Zwecken der Veranschaulichung. Menschenversuche sind an der Tagesordnung, bestialische Experimente schildern den Verfall und abartige Gesinnungen. Die erste Stunde des Films ist somit beinahe ausschließlich damit beschäftigt, das Hauptaugenmerk auf die Arbeit der sogenannten Ärzte zu legen, die auf der Suche nach immer neuen Erkenntnissen sind, wie Soldaten an der Front länger durchhalten können und widerstandsfähiger werden, außerdem wie man Trojanische Pferde beim Feind einschleusen kann. Das Gezeigte nimmt daher so gut wie alle 5 Minuten gerne abstoßende Züge und überspitzte Tendenzen an, wobei der Vorteil eindeutig darin liegt, dass diese Inhalte meistens nicht verzerrt, beziehungsweise nicht im Bereich des Möglichen gelegen haben könnten. Die breit angelegten Experimente erinnern zeitweise an jene aus "Ilsa, She Wolf of the SS", der drei Jahre zuvor mit Dyanne Thorne in der Titelrolle entstand, allerdings ging Bruno Mattei bei der Veranschaulichung hier einen merklichen Schritt weiter. Vergasungen sind an der Tagesordnung, wenn die Objekte ihren Dienst getan haben. Ein Experiment schildert beispielsweise, wie ein total unterkühlter Mann wieder zum Leben erweckt werden kann, und zwar über Erregungszustände. Wo zwei niederländische Gefangene scheitern, ist es die fingerfertige französische Prostituierte, die ihn wieder zurückholt.

     

    Ein anderer Versuch will untersuchen, ob zwei Homosexuelle durch drei willige Damen einfach umzustricken sind, dann wird auch noch ausgiebig operiert und es werden verstümmelte Extremitäten und verblutende Körper auf einem Silbertablett serviert. Die Szenerie fällt stets durch Hoffnungslosigkeit auf, die auch mithilfe der wenigen Sympathieträger nicht aufgehoben werden kann. Die Räume sind Grau in Grau, heruntergekommen und erinnern an Tod. Die Operationsstätten deuten eine Gewisse Ausstattung an und verfügen über Sicherheitsfenster, hinter denen die Verantwortlichen unbeschadet zuschauen und sich an ihren Gräueltaten ergötzen können. Verwirrend und besonders abstoßend sind die permanenten medizinischen Rechtfertigungen für die unmenschlichen Vorgehensweisen und Mattei gibt seinem braunen Treiben schockierende, wenn nicht sogar glaubhafte Gesichter. Im Bereich der Darsteller findet man wenige Offenbarungen, denn man sieht meistens Laien-Niveau, was die Eindrücke nur noch extremer werden lässt, da dem Empfinden nach wenig Schauspiel zu entdecken ist. Im Gedächtnis bleiben die Auftritte von Ivano Staccioli, der als brutaler Kommandant des Lagers naturwissenschaftliche Aspekte als Absolution missbraucht. Ria De Simone überzeugt als sadistische Helferin mit lesbischem Appetit und Gabriele Carrara stellt seine fetischistischen Neigungen zur Schau. Eins haben alle jedenfalls gemeinsam, denn es macht sie offensichtlich unendlich an, die Untergebenen zu quälen und bei jeder Gelegenheit zu erniedrigen. Im letzten Drittel der Produktion wird eine aussichtslose Flucht gezeigt, doch man ahnt nichts Gutes weil alle Wege wohl wieder zurück in diesen Vorhof zur Hölle führen werden. "KZ 9 - Lager di sterminio" ist unterm Strich ein abscheulicher Vertreter dieses Genres geworden, der - man traut es sich kaum zu sagen - gar nicht mal so schlecht geworden ist, wie angenommen. Fans kommen daher auf ihre Kosten.

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Spätestens seit 1976 ist Schluss mit Lustig!

    „KZ 09” entstammt der Blütezeit (zwischen 1976 und 1978) der knallharten, italienischen Nazi(s)ploiter. Eine Phase, in der die Regisseure aus dem Stiefelland nur noch selten „Gefangene machten“ und einen menschenverachtenden, wie teilweise perversen Extremterror in den Lichtspielhäusern entfachten. Von kommerziellen Erfolgen waren diese Produkte (auch in ihrem Entstehungsland) weit entfernt und kamen über den Einsatz im terza visione nicht hinaus. Canevaris „Gestapo's Last Orgy“ ist aus meiner Sicht das Heftigste was die Naziausbeuter dieser Zeit zu bieten haben. Ein weiterer konsequent-rabiater und durchweg düsterer Genredrecksack ist „KZ 09“.

    „Our dogs are corporals!“

    So die klare Ansage von Oberleutnant Otto von Lehndorf, der (die Neuankömmlinge) in strenger, wie auch präzisier Weise auf die geltenden Regeln im Konzentrationslager Rosenhausen (abgeleitet von Groß-Rosen?) hinweist. Otto duldet keine Widerworte. Zudem erwartet er, dass die Inhaftierten vor den Hunden salutieren. Diese Ansprache hält er am Bahnhof von Ravensbruck, eine Ortsbezeichnung die (das sollte nicht schwierig zu erraten sein) auf das Konzentrationslager Ravensbrück hinweist.

    Gabriele Carrara verkörpert als Otto von Lehndorf jegliche Klischees eines überzeichneten „Filmfaschos“. Sein treuer Begleiter ist übrigens kein Dobermann oder Schäferhund, sondern Karl. Ein stets notgeiler Schwachkopf, den Otto mit Vorliebe auf die weiblichen Häftlinge loslässt. Diese Momente sind äußerst widerwärtig und können bei sensiblen Zuschauern nachdrückliche Spuren hinterlassen. Der Film strapaziert (fast fortlaufend) durch seine ausgeprägte Unappetitlichkeit. Ein weiterer Initiator diverser Abscheulichkeiten ist der Lagerkommandant, Wieker, gespielt von Ivano Staccioli. Diese (aus diversen IW und Peplum-Vehikeln bekannte) Charakterfresse ist einfach perfekt für eine solche Rolle, denn genauso stelle ich mir einen fiesen Nazioffizier vor.

    Bei Brunos „KZ 09“ steht die Menschenverachtung ganz hoch im Kurs und rangiert weit vor seiner klitzekleinen Story. Diese spielt sich überwiegend in den dreckigen Räumlichkeiten eines Konzentrationslagers ab. Der, sich dort stapelnde Schmutz verfügt über einen derart epidemischen Charakter, dass man nach abgeschlossener Filmsichtung, (nicht nur) den Fernseher mit Desinfektionsmitteln überschütten will. Sleaze gehört zum exploitativen Italo-Cinema wie der Zopf zur Mandschu-Dynastie, aber Matteis Schmutzpräsentation im „KZ 09“ lässt selbst D´Amatos Schmuddelexzesse zu einem Aufenthalt im Grand Hotel werden. Des Weiteren erzeugt „KZ 09“ eine durchweg depressive und bedrohliche Atmosphäre. Aus meiner Sicht ist diese aussichtslose Grundstimmung die ganz große Stärke des Films.

    Um dem Film mehr Realitätsnähe zu verleihen, fügte Mattei einige Originalaufnahmen vom nationalsozialistischen Völkermord ein. Ferner bringt der Abspann (anhand von Texttafeln) vier bekannte Namen aus der NS-Zeit (Karl Silberbauer, Franz Murer, Walter Rauff, Joseph Mengele) ins Spiel. Diese sind allerdings nicht innerhalb der Handlung präsent.

    Fazit: Bruno geht mal wieder in die Vollen. Geschmacklos und bösartig. Es gibt, in Bezug auf den Goregehalt, zwar heftigere Genrevertreter, aber die Inszenierungen von Vergasungen sowie die finalen Exekutionen hinterlassen einen üblen Nachgeschmack. Demnach solltet ihr euch der gesundheitlichen Risiken unbedingt vor der Sichtung von „KZ 09“ bewusst sein.

    In diesem Sinne:

    “Stay away from cracy Karl.”

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Der Film ist mittlerweile als niederländische DVD erhältlich. Zu der Qualität kann ich nichts sagen, da mir „nur“ die holländische VHS (englische Sprache, niederländische Untertitel) vorliegt. Diese bietet ein (so eben noch) akzeptables Bild.

     

    In Deutschland sollte „KZ 09“ (angeblich) von der Firma „Phoenix Home Video“ auf VHS veröffentlicht werden. Das entsprechende Cover ist im Dirty Picture Forum („KZ 09“ Thema) zu finden. Die Coverrückseite bietet einen deutschen Klappentext, der zu der Annahme führt, dass eine deutsche Synchronisation erstellt wurde oder zumindest in Planung war. Über diese ominöse Vertonung konnte ich, auch nach Anfrage bei einem Experten für deutsche Filmsynchronisationen, leider nichts in Erfahrung bringen.

     

    Fakt ist, dass dieser Film (wenn er denn die deutschen Videotheken erreicht hätte) nicht lang auf dem Markt gewesen wäre. Dazu ist das Gebotene eine deutliche Spur zu menschenverachtend. Diese Einschätzung, sowie eine entsprechende Rechtsberatung werden wohl die nahe liegenden Gründe sein, warum die Firma „Phoenix Home Video“ das Projekt „KZ 09“ vorzeitig „eingestampft“ hat, denn dieser Film wäre im Handumdrehen zum 131er geworden…

     

    …und diesen Status hätte er definitiv auf ewig behalten.

  • Autor: Frank Faltin
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