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Willkommen in der Hölle

Italien | Spanien, 1970

  • Originaltitel: Mátalo
  • Alternativtitel:

    Kill him! (US)

  • Deutsche Erstaufführung: 26. März 1971
  • Regisseur: Cesare Canevari
  • Kamera: Julio Ortas
  • Musik: Mario Migliardi
  • Drehbuch: Nico Ducci, Eduardo Manzanos Brochero, Mino Roli
  • Inhalt:

    Mexikanische Banditen schießen Burt (Corrado Pani) vom Galgen los. Als Dank legt er seine Befreier um und trifft sich mit seinen Kumpels (Luis Dávila, Antonio Salines, Claudia Gravy) in einer verlassenen Wüstenstadt. Von dort aus überfallen sie einen Goldtransport bei dem Burt ums Leben kommt. Phil versteckt das Gold vor seinen Kumpanen, und als eine Witwe (Mirella Pamphili) und ein fast verdursteter Australier (Lou Castel) in den Ort kommen bricht die Hölle los …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Wow, wie abgefahren ist denn dieser Film? Kein 08/15-Reiten-Schießen-Tot umfallen-Western, sondern eine Genre-Erweiterung der drogengeschwängerten Extraklasse. Eine vollkommen entfesselte Kamera, die sich auch mal während eines langen Shoot-Outs gefühlt minutenlang um sich selber dreht, oder die Flugbahn von geworfenen Bumerangs mitfliegt. Die als Hauptdarsteller eingeführte Figur überlebt den ersten Überfall nicht und verlässt die Bühne. Die Charaktere sind abgrundtief böse, unmoralisch, und vor allem egoistisch bis zum Umfallen. Eine Allegorie auf unsere moderne Welt im Westerngewand, dagegen scheint LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG stellenweise geradezu fröhlich.

     

    Und dann noch dieser Soundtrack. Das leere Dorf wird mit Heulen, Seufzen, Stöhnen, düsteren Klängen und Soundcollagen gefüllt, wie sie bei einem Argento nicht ungewöhnlich wären. Ein guter Teil der Musik ist recht harter und dynamischer Psychedelic Rock, der wider Erwarten sehr gut passt, und das dritte große Thema ist eine Art klassischer Filmmusik, aber teilweise stark übersteuert, verfremdet und mit Perkussion unterlegt – Insgesamt ein Soundtrack wie zu einem harten Gruselfilm, aber nicht zu einem Western.

     

    Narrativ und inszenatorisch werden Grenzen überschritten, was bei einem Film aus dem Jahr 1970 nun eigentlich nicht so ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich ist nur, dass dies bei einem Western genauso gemacht werden kann wie bei anderen Genrebeiträgen dieser Zeit. Von daher sehe ich MATALO in einer Reihe mit einem Film wie DAS GRAUEN KOMMT NACHTS, weil hier einfach nichts mehr so ist wie es der (konservative) Genrefan gerne hätte. Und ich sehe MATALO als würdigen Nachfolger von TÖTE, DJANGO, weil er genauso wie dieser die moderne Welt darstellt und den aktuellen Stand der Zivilisation statuiert: Die einen wollen auf Biegen und Brechen den Zustand von früher wiederherstellen, die nächsten wollen das althergebrachte Zerstören und stellen ihre eigenen Bedürfnisse über alles und jeden anderen. Geld ist das einzige was zählt. Wer waffenlos ist (und sich also nicht wehrt oder wehren kann oder mag) wird ausgebeutet und untergebuttert, Frauen haben dann gute Chancen zu überleben wenn sie sich an jeden Verfügbaren hingeben, und die mit den Waffen machen zum Schluss dann alles nieder. Und mitten im Chaos der Vernichtung und des Untergangs rennt der Pfaffe (also die Kirche) wie blind umher und segnet die Verstorbenen, eine sehr zynische Szene, die mich persönlich in hohem Maße beeindruckt hat. Willkommen in der Hölle …

     

    Gigantisches Kino für aufgeschlossene Genrefans und alle die gerne über Grenzen hinwegschauen.

  • Autor: Maulwurf
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