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Wild Beasts

Italien, 1984

  • Originaltitel: Wild beasts - Belve feroci
  • Alternativtitel:

    El Zoológico del Terror (ARG)

    Les bêtes féroces attaquent (FRA)

    The Wild Beasts Will Get You!

    The Wild Beasts

    Savage Beasts

  • Regisseur: Franco E. Prosperi
  • Kamera: Guglielmo Mancori
  • Musik: Daniele Patucchi
  • Drehbuch: Antonio Accolla, Franco E. Prosperi
  • Inhalt:

    Während eines Treffens mit einem Veterinär des Frankfurter Zoos Rupert Berner (John Aldrich) wird die Journalistin Laura Schwarz (Lorraine De Selle) in das Geschehen um PCP-verseuchtes Trinkwasser verstrickt, was schließlich zum Ausbruch der Zoo-Tiere führt. Auch ihre sich vernachlässigt fühlende Tochter Suzy bleibt nicht verschont. Während Rupert, Laura und Inspektor Braun (Ugo Bologna) versuchen, das Geheimnis um die aggressiv gewordenen Tiere zu lüften und der Tiere wieder habhaft zu werden, muss Suzys Tanzklasse sich vor einem Eisbären verstecken. Während ganz Frankfurt wegen der ausgebrochenen Tiere in Aufruhr gerät, haben sich die Kinder in einem Raum verschanzt - doch auch sie haben von dem PCP-verseuchten Wasser getrunken...

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Wild Beasts“ ist ein durchaus ungewöhnlicher Film für Italien. Tier-Horror ist gar nicht so typisch für den italienischen Genre-Film, es sei denn in Form der zahlreichen Rip-Offs von erfolgreichen Hollywood-Produktionen, Haie und Piranhas wohin man nur sieht, losgelassen von Halbtalenten wie Bruno Mattei oder Joe D’Amato.

     

    „Belve Feroci“ dagegen ist kein Rip-Off. Tatsächlich ist die Grundidee und die Art der Ausführung eher einmalig, denn ich kann mich kaum erinnern, je in einem anderen Film Tierattacken in diesem Ausmaß und mit so vielen unterschiedlichen Tierarten gesehen zu haben. Selbst William Girdlers „Panik in der Sierra Nova“ (Day of the Animals, 1977) geht es da eher ruhig an.

     

    Grund dafür ist sicher, dass „Wild Beasts“ der einzige eigenständig gedrehte Spielfilm des Dokumentarfilmers, Naturwissenschaftlers und Buchautors Franco E. Prosperi ist. Prosperi ist uns Italo-Fans natürlich durch seine Beteiligung an „Mondo Cane“ (1962) und anderen Zusammenarbeiten mit Gualtiero Jacopetti und Paolo Cavara bekannt. Doch schon vor seinem Zusammentreffen mit den Beiden war Prosperi als Dokumentarfilmer tätig und nach seinem Bruch mit Jacopetti setzte er seine Arbeit mit Antonio Climati und Mario Morra fort, woraus unter anderem „Der letzte Schrei des Dschungels“ (Ultime grida dalla savanna/Savage Man, Savage Beast, 1974) resultierte. Die Mondo-Filme verhalfen Prosperi sicher zu einer gewissen Berühmtheit, ob sie dagegen gut für seinen Ruf als Naturwissenschaftler waren oder diesem eher schadeten, vermag ich kaum zu beurteilen.

     

    Was wir in „Wild Beasts“ u. a. zu sehen bekommen, sind Ratten, die ein junges Paar beim Sex im Auto überraschen und natürlich ist Sex appetitanregend, das wissen wir alle. Desweiteren einige Angriffe von Löwen und Tigern auf Zoomitarbeiter, Elefanten auf dem Flughafen, wilde Stiere, die durch die Stadt und in Geschäfte preschen, einen Tiger in der U-Bahn und natürlich das bekannte Wettrennen zwischen einem Gepard und einem VW-Käfer. Letztere Szene ist eine der schönsten des Films, der Gepard wirkt sehr neugierig und hochinteressiert als er zu Beginn durch die Innenstadt trabt und die Auslagen der Geschäfte begutachtet.

     

    Nähere Infos zu der Arbeit und Herkunft einzelner Tiere findet sich auf der Camera Obscura-DVD im Bonusmaterial in einem 28-minütigen Interview mit Franco Prosperi. Dort erfährt man auch, dass der Anteil der tatsächlich in Frankfurt gedrehten Szenen nicht sehr hoch sein dürfte. Die Dreharbeiten begannen in Rhodesien, dann musste man wegen Kampfhandlungen von dort nach Südafrika ausweichen, wo dem kleinen Filmteam Tierschützer auf den Leib rückten und wich schließlich dann doch nach Italien aus.

     

    Thema Tierschutz. Der „Tier-Snuff“ hält sich sehr in Grenzen, nur auf die (wenigen) Aufnahmen von brennenden Ratten hätte ich verzichten können. Ich mag Ratten, sehr soziale und kluge Tiere. Offenbar leider nicht klug genug, sich vor Prosperi zu verstecken. Ansonsten wird eine Katze von den Ratten angeknabbert und gegen Ende lässt man ein paar Raubtiere in einem Schlachthof auf Rinder und Schweine los, aber ähnliches bekommt man auch in Dokumentationen zu sehen. Tiere fressen nun mal andere Tiere, das ist normal.

     

    Die teils recht blutigen Special Effects sind von sehr unterschiedlichem qualitativem Erfolg gekrönt. Die Tiere halten sich selbstredend nicht immer ans Drehbuch, und wenn ein paar Löwen ein paar Brocken Fleisch in Zoowärter-Uniform zerreißen sollen, spielt ein anderer Löwe eben lieber mit einem der Stiefel. Als wirklich misslungen kann man aber nur den Crash eines Miniatur-Flugzeugs bezeichnen, hier hätte beispielweise Antonio Margheriti helfen können, der weiß, wie sowas geht.

     

    Produziert wurde „Wild Beasts“ von Frederico Prosperi („The Bite“, 1989), dem Neffen von Franco Prosperi, sowie einer Firma in Rhodesien. Die Kamera führte Guglielmo Mancori, der u. a. im gleichen Drehjahr für den anderen Franco Prosperi für „Thron des Feuers“, 1983, tätig war. Die Musik von Daniele Patucchi haut mich nicht so ganz vom Hocker, es sind aber schon hörenswerte Stücke dabei. Was die Darsteller betrifft, sind abgesehen von Lorraine De Selle und Ugo Bologna zahlreiche „Eintagsfliegen“ dabei, die man weder vorher noch nachher in einem anderen Spielfilm gesehen hat. Das gilt auch für den männlichen Hauptdarsteller John Aldrich.

     

    Wie auch immer, „Wild Beasts“ ist ein beachtlicher Genre-Film, besonders wenn man bedenkt, dass er 1984 entstand, wo der italienische Kinofilm schon nicht mehr so ganz auf der Höhe war. Und selbstverständlich hat der Film auch eine Botschaft: manchmal ist Coca Cola für Kinder gesünder als Trinkwasser.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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