When Alice Broke the Mirror

Italien, 1988

  • Originaltitel: Quando Alice ruppe lo specchio
  • Alternativtitel:

    La sombra de Lester (ESP)

    O Espelho Partido (POR)

    Touch of Death (USA)

    When Alice Broke the Looking Glass

  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Silvano Tessicini
  • Musik: Carlo Maria Cordio
  • Drehbuch: Lucio Fulci
  • Inhalt:

    Lester Pearson (Brett Halsey) setzt gerne auf Pferde, ist aber ein geborener Verlierer. Um an Geld zu kommen, becirct er wohlhabende Witwen, die er dann auf bestialische Weise ermordet. Doch die Polizei rückt ihm immer näher, genauso wie die Buchmacher (u. a. Al Cliver), bei denen er verschuldet ist. Als Lester der Ausweglosigkeit immer näher rückt, findet er in Virginia Field (Zora Kerova) seine Meisterin, die bereit ist, hinter den Spiegel seiner charmant wirkenden Fassade zu schauen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Der Titel „When Alice broke the Mirror“ ist eine offensichtliche Anspielung auf die „Alice im Wunderland“-Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ (Through a looking-glass and what Alice found there) von Lewis G. Carroll, in der Alice hinter einem Spiegel über dem Kamin eine Parallelwelt entdeckt, die ihre eigene Realität reflektiert und in der – unter anderem – ein Drache lauert.

     

    Hier, in „Quando Alice ruppe lo specchio“ lauert hinter der Realität ebenfalls ein Drache – Lucio Fulci. Während dieser Film einerseits einen stilistischen Tiefpunkt in Fulcis Karriere einzuleiten beginnt, ist das Ergebnis ein herrlich niederträchtiges Szenario über einen Mann, der auf den ersten Blick ein stinknormaler Heiratsschwindler zu sein scheint. Er ist aber ein klassischer Frauenhasser und Serienmörder, und er sucht sich nicht irgendwelche alleinstehenden Opfer, sie haben alle einen Makel, der seinen Widerwillen anstachelt, was schließlich seine Gewaltexzesse bei der Ermordung seiner Opfer anstachelt. In Vorbereitung auf seine Gewalttaten hat er auch stets zuvor ein Nackt-Video seines Opfers gedreht, das er sich nach der Tat anschaut.

     

    Sein erstes Opfer – das es leider nicht in die Credits geschafft hat – zerlegt er mit einer Kettensäge, brät sich aus ihrer Lende ein Steak, verteilt die größeren Stücke über Müllkippen der Stadt, während die Flüssigreste an die Schweine verfüttert werden. Klingt fies, ist es auch. Während er das Lendensteak aus der Hüfte der Verblichenen verzehrt, schaut er sich das Video der Dame an, in der sie – noch zu Lebzeiten natürlich – für ihn posiert hat, das vernarbte Gesicht zu einem Kussmund verzogen.

     

    Opfer No 2 – Margie MacDonald (Sacha Darwin) - verfügt ebenfalls über einen visuellen Makel, eine starke Gesichtsbehaarung und ebenso haarige Warzen auf dem Oberkörper, und auch ihr Ende wird nicht schön sein. Das dritte Opfer Alice Shogun (Ria di Simone) hat zwar keinen optischen Makel, dafür mächtig eine Schraube locker. Zwischendurch muss noch ein Obdachloser dran glauben, der Lester bei der Beseitigung einer Leiche beobachtet hat. Am Ende trifft er – wie in der Inhaltsangabe bereits erwähnt - auf Zora Kerova, die in ihrer Rolle als Virginia Field mit der Narbe von einer Hasenscharten-Operation entstellt ist und sich als nicht ganz so leichtgläubig erweist, wie Lesters vorangegangene Opfer.

     

    Die recht krude gemachten blutigen Szenen des Films konnte man ausnahmslos später noch einmal in Fulcis „Nightmare Concert“ sehen. Was zu der Frage führt, ob es sich lohnt, sich „When Alice broke the Mirror“ anzusehen:

     

    Oh ja. Als Warnung sei allerdings bemerkt, dass das Budget des Films unbeschreiblich gewesen sein muss, optisch wirkt das Ganze billiger als so mancher Jess Franco-Hardcorestreifen aus den Achtzigern. Sehenswert dagegen ist die Bösartigkeit der Story, die Fulci zudem mit unleugbar schmerzhaftem schwarzem Humor inszeniert. Auch die Ausweglosigkeit der Situation Lesters, obendrein getränkt mit Paranoia, ist hart und spiegelt wohl ein wenig Fulcis eigene Situation als Regisseur wieder, der seinem karrieristischen Endpunkt entgegen steuert – und sich dessen bewusst ist. Brett Halsey erweist sich zudem in seiner Hauptrolle als äußerst wandlungsfähig, und ohne ihn wäre dieser Film wohl ein Desaster.

     

    Interessant wird es auch auf der Shriek Show-DVD, die als Audiokommentar deklariert ein Interview mit Lucio Fulci vorweist, in dem dieser von seiner Filmkarriere berichtet. Allerdings nur bis „A Lizard in a Womans Skin“, denn schließlich geht „When Alice broke the Mirror“ nur gute 80 Minuten, dann bricht das Interview leider mittendrin ab. Ob sich die zweite Hälfte dieses Features – das wohl 1994 entstand – auf irgendeiner anderen DVD findet, ist mir leider nicht bekannt. Wer aber schon immer wissen wollte, warum Fulci den Credit von „ I due figli di Ringo“ nicht übernehmen wollte, obwohl er den komplett gefilmt hat, und wen Lucio Fulci alles für Ar...löcher hält, sollte mal reinhören. Leider sind die englischen Untertitel zu diesem in Italienisch geführten Interview manchmal etwas missverständlich, da sehr einfach gehalten.

     

    Wer Fulci aber vor Allem wegen seiner früheren cineastischen Werke und seines Stils wegen schätzt, wird „When Alice broke the Mirror“ wohl hassen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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