Suchen

Werewolf Woman

Italien, 1976

  • Originaltitel: La lupa mannara
  • Alternativtitel:

    Blutmond - Terror of the She-Wolf (Alt.)

    Daughter of a Werewolf

    Naked Werewolf Woman

    She-Wolf

    Terror of the She Wolf

    The Legend of the Wolf Woman

    Aullidos de terror (ESP)

    La louve sanguinaire (FRA)

    La mujer lobo (MEX)

    Kobieta wilkolak (POL)

  • Regisseur: Rino Di Silvestro
  • Kamera: Mario Capriotti, Dennis Kull
  • Musik: Coriolano Gori, Susan Nicoletti
  • Drehbuch: Rino Di Silvestro, Howard Ross
  • Inhalt:

    Daniela, die Tochter eines Grafen, wurde im Alter von 13 Jahren von einem Wahnsinnigen mißbraucht. Auch als junge Erwachsene leidet sie noch unter dem Verbrechen: Alpträume peinigen sie, in denen sie zu ihrer Urahnin wird, die vor 200 Jahren als Werwölfin verbrannt wurde. In ihrem Unterbewußtsein identifiziert sie sich mit der Hingerichteten, und als dann auch noch ihre Schwester mit ihrem Galan auftaucht, gerät ihre ohnehin schon angeknackste Psyche endgültig in Schieflage. Bei Vollmond: Mord...

  • Autor: Christian Keßler
  • Review:

    Rino di Silvestro galt nicht als der große Feingeist unter den italienischen Genrefilmern. Seine Arbeit führte ihn ins Frauengefängnis, zu den Nazis und an den Hof einer ungewöhnlich verferkelten Cleopatra. Als seinen Schmier-Siedepunkt darf man wohl ANGEL IN THE DARK (HANNA D., LA RAGAZZA DEL VONDEL PARK, 1984) annehmen, eine Art CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOFSKLO. WEREWOLF WOMAN hingegen war sein Beitrag zum italienischen Horrorkino, und er ist vielleicht sein rundum gelungenster Film.

     

    Gleich der Anfang stellt klar, wohin die Reise geht: Die hübsche Französin Annik Borel tanzt nackt im Mondenschein, im Kreise einiger kleiner Feuerstellen. Ihre physischen Reize werden kompetent offengelegt. Genaugenommen fährt ihr die Kamera fast in die Vulva hinein. Dann erleidet sie einen Magenkrampf und wälzt sich am Boden. Als sie wieder aufsteht, ist sie ein Werwolf. Soll heißen, sie hat schwarzes Körpermakeup, einige Puschelapplikationen, Zottelhaare, eine Hundenase, Plastikzähne und gewaltige Nippel. Da auf einmal fackelbewehrte Dörfler auftauchen, schnappt sie sich deren Rädelsführer und haut ihm seine Axt in den Schädel. Ein wunderbarer Splattereffekt, Papiermaché-Gore vom Feinsten. Rino – das merkt man gleich – wird sich im Laufe des Filmes nicht zurückhalten mit den potenziell jugendgefährdenden Leckerli.

     

    Der Titel des Filmes stellt, wenn man es eng nimmt, einen Etikettenschwindel dar. Eine richtige Werwölfin gibt es nur am Anfang des Filmes zu bestaunen, als Alptraumvision. Der Rest stellt eher so etwas wie eine Psychopathologiestudie dar, in deren Zentrum die unheilvollen Folgen männlicher Gewalt stehen. Und ja, die meisten Männer des Filmes sind ausgesprochene Schmierpinsel und verdienen das grimmige Geschick, das sie in Gestalt von Annik Borel ereilt. Der einzige richtig nette Mann ist Bodybuilder Howard Ross, dem sie in der zweiten Filmhälfte begegnet. Doch das endet auch wieder unschön, da auf einmal drei Vergewaltiger auftauchen und Schluß machen im Quadrat.

     

    Was die Schauspieler angeht, so macht vor allem Frau Borel eine gute Figur, und das nicht nur aufgrund ihrer bezaubernden Erscheinung. Sie trifft in der Darstellung den richtigen Ton, während die meisten italienischen Schauspieler rettungslos überchargieren. Dagmar Lassander taucht kurz auf, als Danielas Schwester. Sie soll eine Atomwissenschaftlerin sein (!), hat aber offensichtlich in Uppsala promoviert, denn sofort fliegen die Kleider weg. Onkel Rinos Kamera ist übrigens in den zahlreichen Sexszenen bemerkenswert indiskret und nimmt auf spärliche Schambehaarung keinerlei Rücksicht. Meine Lieblingseinstellung hat mit einer Masturbation zu tun, die sich Frau Borel angedeihen läßt. Ihren fliegenden Fingern wird die Show gestohlen von einer Fliege, die sich neckisch hinzugesellt und sich sichtlich wohlfühlt im Schambereich der Hauptdarstellerin. In einer anderen Szene habe ich übrigens kurz zurückgespult, da ich meinte, einen Tampon entdeckt zu haben. Das hätte hier auch keinen mehr gewundert. Erneut: Rino di Silvestro – kein Feingeist, sondern der Zapfmeister der Hafenkaschemme „Zur fröhlichen Seemannsbraut“. Frederick Stafford darf auch mal kurz vorbeischauen, kriegt aber nicht die fesche Annik, sondern nur Andrea Scotti, der sich zumindest nicht auszieht. Staffords Spiel geht zwar gegen Null, aber er trägt seine schicke Garderobe mit der Eleganz, die man von einem römischen Polizeioffizier schon erwarten darf.

     

    Insgesamt hievt der Film seine Schauermär höchst ansehnlich über die Runden und vermeidet dabei weitgehend größeren Leerlauf. Wenn der Graf sich mit dem Psychologen minutenlang über die Vexierungen der Protagonistin austauscht, wird auch eben mal schnell eine Nymphomanin herbeigezaubert, die dem Doktor ihre prachtvollen Brüste entgegenstreckt. Tut-tut, macht das Hafenhorn. Es handelt sich bei WEREWOLF WOMAN nicht um einen verschollenen Klassiker des Horrorkinos, aber wer seine Pasta mit viel scharfer Soße mag und von einer nackten Serviererin aufgetragen, um deren Schambereich Fliegen kreisen, der wird hier sein Halleluja finden.

  • Autor: Christian Keßler
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.