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Waves of Lust

Italien, 1975

  • Originaltitel: Una ondata di piacere
  • Alternativtitel:

    Loves of a Nympho (AUS)

    Oleada de placer (ESP)

    A Wave of Pleasure

  • Regisseur: Ruggero Deodato
  • Kamera: Mario Capriotti
  • Musik: Marcello Giombini
  • Drehbuch: Gianlorenzo Battaglia, Lamberto Bava, Franco Bottari, Fabio Pittorru
  • Inhalt:

    Eine luxuriöse Yacht sticht in See. An Bord der tyrannische, schwerreiche Industrielle Giorgio, seine leidgeprüfte Gespielin Silvia und ein undurchsichtiges Pärchen, das am Abend zuvor die Bekanntschaft mit dem skrupellosen Geschäftsmann gesucht hat. Die Gründe für die Seefahrt scheinen Sex und Partnertausch zu sein; doch man wird das Gefühl nicht los, dass gewisse Personen an Bord weitaus dunklere Pläne schmieden...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Das Meer ist azurblau. Die Sonne scheint aufs Deck. Und John Steiner schlürft seine J&B a go-go; mitunter aus Silvia Dionisios Bauchnabel. Willkommen an Bord, Freunde! Ruggero Deodato lässt die Leinen zu einem heißen Segeltörn los.

     

    Zwischen seinen extrem kontroversen Ausflügen in den Kannibalen-Dschungel inszenierte der berüchtigte Regisseur von MONDO CANNIBALE 2 und NACKT UND ZERFLEISCHT mit WAVES OF LUST eines jener italienischen Hochsee-Dramen, die seinerzeit im Fahrwasser von Polanskis DAS MESSER IM WASSER aufgetaucht sind. Ebenso wie die Geschwister im Geiste (die da DAS GESCHLECHT DER ENGEL, INTERRABANG und SKLAVEN IHRER TRIEBE heißen) setzen auch die WAVES OF LUST auf leichten Thrill und eine ganz starke Erotik-Würze. Zusätzlich hat Deodato dem Ganzen noch einen Schuss Gesellschaftskritik spendiert. Untertöne, die sich gegen kapitalistische Ausbeutung richten, rauschen in diesen heißen wie konspirativen Wellen der Lust deutlich mit.

     

    Die wesentlichen Handlungsteile spielen sich in der isolierten, klaustrophobisch engen Grenze einer Motoryacht ab. Dabei bezieht der Film seine Spannung vor allem aus den langen unklaren Motiven des geheimnisvollen Pärchens und der Tatsache, dass sich die Dinge an Bord in einer Atmosphäre aus Geilheit, Misstrauen, Verachtung und Mitleid langsam, aber sicher gefährlich zuspitzen. Schon früh wird klar, dass eventuell nicht jeder an Bord das Festland jemals wiedersehen wird. Auch wenn der Film jederzeit moderat spannend bleibt, gibt die Geschichte aus der gemeinsamen Feder von Lamberto Bava (ja, dem uns gut bekannten Regisseur!) und Gianlorenzo Battaglia (ja, dem uns ebenfalls gut bekannten Kameramann!) freilich keinen echten Hitchcock her. Doch sind es auch nicht zwingend die Thriller-Elemente, die WAVES OF LUST zu einer sehenswerten Angelegenheit machen. Denn weit mehr als die Spannung knistert hier die Erotik.

     

    Die wahren Stärken dieses maritimen Psychokriegs liegen vor allem in seiner schwülen Stimmung. An Bord herrscht nämlich stets und ständig Sleaze-Alarmstufe Rot. Zumeist halb- oder gleich ganz nackt bewegen sich die beiden Damen des Schiffes Silvia (HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS) Dionisio und Elizabeth (VOM SATAN GEZEUGT) Turner über die Planken und lassen mit unglaublicher Laszivität das Meer ringsum kochen. Capriottis Kamera ist immer hart an der Frau, um bloß keine der vielen delikaten Nahaufnahmen von Nippeln oder Scham zu verpassen; wenn erstere plötzlich aus dem Neoprenanzug hervorblitzen oder die zweite sich offenbart, wenn Männer- oder Frauenfinger Bikiniunterteile zur Seite schieben.

     

    Das Ménage à quarte wird komplettiert von zwei weiteren hochdekorierten Akteuren des Italo-Cinemas vergangener Tage. John Steiner ist einmal mehr Paradefiesling und brilliert als reiches, egomanisches, saufendes und dauergeiles Ekelpaket Giorgio. Als seinen Gegenspieler sehen wir den unter anderem aus Fulcis WOODOO und diversen BLACK EMANUELLE-Flicks bekannte und nicht eben als Schauspielgott gehandelte Al Cliver mimisch ein bisschen über sich hinauswachsen.

     

    Zum Leidwesen einer Moräne verzichtet Deodato leider auch in diesem Film nicht auf reale Tiertötungen. Hat er diese Unart in seinen Kannibalenfilmen noch exzessiv betrieben, so beschränkt er sich hier auf eine einzelne Szene. Was die Sache nicht entschuldbarer macht, sondern fast noch ärgerlicher. Deodato frönt der Unsitte des italienischen Exploitationkinos in ONDATO DI PIACERE nämlich ohne Not und schiebt den Film zwar nur kurz, aber dafür völlig unnötig in eine grenzwertige Richtung.

     

    Doch wie gesagt: Der einen hässlichen Minute stehen lohnende in Legionsstärke gegenüber. An Bord fließt der J&B ungedrosselt in Strömen; an Deck arbeitet die knackige Silvia Dionisio immer noch an einer nahtlosen Bräune und wir dürfen weiterhin gespannt sein, welche zwei der vier rolligen Yachturlauber ihr nasses Seemannsgrab finden werden. Genau deshalb sollten Freunde des erotischen italienischen Hochsee-Thrillers sowie Eurokult-Conaisseure keinen Moment zögern und anheuern. Einen Paukenschlag zum Schluss serviert uns Deodato mit dem eher unspektakulär inszenierten Finale nicht mehr; die Mission hat er trotzdem erfolgreich abgeschlossen.Er hat seine damalige Gemahlin - die Dionisio- derart knackig-effektiv in Szene gesetzt, dass sie uns selbst heute noch in unseren geheimsten Träumen besuchen kommt und ein paar eiskalte J&Bs on the rocks in loungiger, schwüler Luxusyachtatmosphäre sind eh Totschlagargumente.

     

    In diesem Sinne: Ahoi!

  • Autor: Christian Ade
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