Die Viper

Italien, 1976

  • Originaltitel: Roma a mano armata
  • Alternativtitel:

    Brigade spéciale (F)

    Roma a mano armada (ES)

    Tough Ones (engl. Titel EU)

    Brutal Justice (USA)

    Assault with a Deadly Weapon (USA)

    Rome Armed to the Teeth (Int.)

  • Regisseur: Umberto Lenzi
  • Kamera: Federico Zanni
  • Musik: Franco Micalizzi
  • Drehbuch: Umberto Lenzi, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Nachdem Kommissar Ferro (Maurizio Merli) bisher nur Mißerfolge bei der Jagd nach dem eiskalten Gangsterboss Farenda vorweisen kann, erhält er plötzlich von einem Kleinganoven aus der römischen Unterwelt völlig unerwartet einen vielversprechenden Tipp: Die Marseiller Connection eröffnet an diesem Abend in Rom eine neue Spielhalle und der schwer gesuchte Farenda soll dort mit einem seiner äußerst raren Gastauftritten glänzen.

     

    "Zentrale melden, hier ist Ferro. Gebt Poliani (Aldo Barberito) bescheid, er soll sofort zwei Überfallkommandos in Via Marco Vineo 16b schicken.
    Ich wiederhole: Via Marco Vineo 16b"

     

    Nach Stürmung der Spielhalle durch einen Trupp römischer Polizisten stellt sich aber sehr schnell heraus, dass es Farender schon wieder einmal geschafft hat, sich dem polizeilichen Zugriff zu entziehen.

     

    Aber zum Glück läuft dem wutentbrannten Ferro der gleichfalls zur Fahndung ausgeschriebene Savelli (Biagio Pelligra) über den Weg und fackelt dabei nicht lange: Er nimmt diesen als eine Art Trostpflaster auf seine unnachahmliche und nicht die gerade zimperliche Art in polizeilichen Gewahrsam.

     

    Doch während des Verhörs auf dem Revier scheitert unsere Ein-Mann-Armee mit übersteigerten Gerechtigkeitssinn an den unerbittlichen §§ der Gesetzesbücher, da diese Savelli frei sprechen und sich letztendlich aufgrund der unsanften Behandlungsformen Ferros sogar gegen ihn selbst wenden. ("Das interessiert mich soviel wie ein Nonnenfurz").

     

    Dies lässt dann auch seine sowieso bereits auf Höchstleitung pumpenden Halsschlagadern um ein Weiteres anschwellen.

     

    Zwischenzeitlich fordert er vehement von seinem Chef, dem stellvertretenden Polizeipräsidenten Ruini (Arthur Kennedy) eine neue Einheit, "die mit der Bewilligung und Unterstützung der Justizbehörde die Unterwelt von Rom gnadenlos bekämpfen kann". Dieser lehnt den Vorschlag jedoch aufgrund des hohen Drucks der Öffentlichkeit und der zu erwartenden Schlagzeilen in der Presse eiskalt ab.

     

    Gleich nach Verlassen des Reviers setzt Kommissar Gnadenlos dann zunächst einmal zwei 15 jährige Handtaschendiebe fest, die aber schon kurz darauf aufgrund einer psychologischen Stellungnahme der Jugendgerichtshilfe umgehend wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

     

    Und wäre dies nicht schon (ein weiteres) Ärgernis genug, so handelt es sich bei der für das Gutachten verantwortlichen Psychologin um seine Lebensgefährtin Anna (Maria Rosaria Omaggio), der Ferro Gefühlsduselei als Grund für ihre in seinen Augen fahrlässige Entscheidung vorwirft. Und schon einige Momente später wird er wiederum zum Tatort eines schweren Verkehrsunfalls bestellt, bei dem 2 Jugendliche über den Jordan gingen. Dabei handelt es sich natürlich um die beiden Handtaschendiebe, die nach ihrer Freilassung durch das fürsprechende Gutachten von Anna gleich den nächsten Handtaschenraub begangen und bei ihrer Flucht tödlich mit einem LKW kollidierten.

     

    Die pulsierenden Halsschlagadern von Ferro stehen mittlerweile schon kurz vor dem Durchbruch.

     

    Als nächste Amtshandlung möchte unser rastloser Kommissar den buckligen Ganoven Vincenzo Moretto (Tomas Milian) festsetzen und schiebt diesem daher gemeinsam mit seinem Kollegen Caputo (Giampiero Albertini) einen Beutel Koks als Rechtfertigungsgrund für eine Verhaftung unter. Nach einem recht schmerzhaften Verhör, schneidet sich Moretto aber während eines unbegleiteten Toilettengangs völlig unerwartet seine Pulsadern auf und wird daraufhin zu erst einmal "freien Fußes" in das nächstgelegene Krankenhaus verlegt.

     

    Aus Wut über die barbarischen Verhörmethoden seines Kommissars und aus Angst vor einem Skandal für die hemmungslose Presse, versetzt Polizeipräsident Ruini den wutenbrannten Ferro in den Innendienst und verdonnert diesen zu unspektakulärer Schreibtischarbeit.

     

    Doch einen zähnefletschenden Kommissar Ferro kann man nicht durch Schreibtischarbeit bändigen, denn sobald er das Revier verlässt, geht das plantschen im kriminellen Pool Roms munter weiter.

     

    Diese Tatsache stimmt die Gaunerschaft Roms alles andere als glücklich und als Antwort spendiert die Unterwelt der holden Anna mit ihrem PKW einen unvergesslichen Ausflug in eine nahegelegene Schrottpresse.

     

    Spätestens jetzt brechen bei dem Kommissar alle Dämme und das Ultraweiß seiner gefletschten Zähne kann ab hier durchgehend bis zum Ende des Films ungehindert bewundert werden.

     

    Ferro dreht ab jetzt erst richtig auf und setzt die Fahndung nach Farenda, Savelli und Morretto in seiner unnachahmlichen Art ungehindert fort. Dabei kommt es im weiteren Verlauf u.a. zu einem brutalen Banküberfall mit 30 Geißeln, Herr Ferro liefert sich mit dem kaltblütigen H-Dealer Parenzo (Ivan Rassimov) eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über die Dächer Roms, stellt bzw. beseitigt einen jugendlichen Vergewaltiger und rutscht auch noch zufällig in den Entführungsfall des stadtbekannten Juweliers Marcusu.

     

    Alles in allem zeigt sich das schwer kriminelle Rom als die optimale Spielwiese für unseren nimmersatten und chronisch-wütenden Kommissar der Herzen.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Unser allseits beliebter Kommissar Eisen (in der it. Fassung: Commissario Leonardo Tanzi) darf bei diesem Exemplar des it. Polizeifilms sogar noch um einiges exzessiver auf den Putz hauen, als er es sonst schon tut und zieht dabei dann auch so richtig vom Leder. Der politische Unkorrektheitsgrad darf bei dieser Sause der guten Laune ungeahnte Höhen erklimmen und Merli in seiner Rolle als gnadenloser Kommissar im Auftrag der Selbjustiz seinen verwerflichen Vorgehensweisen freien Lauf lassen. Der letztendlich hinterlassene Trümmerhaufen ist dann auch gleichzeitig die Ausgangssituation der Geschichte zum eigentlichen Nachfolger "Die Gewalt bin ich" (hier darf Merli dann auch in der dt. Fassung den eigentlichen Namen "Leonardo Tanzi" tragen). Sehr amüsant wirkt auch die total überzogene Darstellung der leidenschaftlichen Beziehung zwischen Ferro und seiner geliebten Anna, wobei Merli  mal wieder ein machohaftes Sprüchegewitter der Sonderklasse ablassen darf.

     

    Umberto Lenzis actionreicher Polizeireisser wurde dazu noch recht episodenhaft inszeniert und verleiht dem Ganzen somit eine gewisse Kurzweil. Hinzu kommt eine gewohnt professionelle Kamerarbeit und toll abfotografierte Bilder.

     

    Darstellertechnisch wird hier auch so einiges aufgeboten, da sich neben den großen Namen auch zahlreiche bekannte und markante Nebendarsteller auf der Besetzungsliste tummeln.

     

    Der schreckliche Ivan (Rassimov) darf hier einen schonungslosen Dealer mimen, der seiner suchtabhängigen Sklavin sogar persönlich den golden Schuss versetzt. Tomas Milian hingegen ist in der Rolle des buckligen Gauners Vincenzo Moretto zu bestaunen, in der er Kommissar Merli zur Weißglut treibt.

     

    Die dt. Video-Synchro ist aber grundsätzlich mal wieder ein Oberknaller der fröhlichen Unterhaltung und ist recht gut geworden. Zu guterletzt wird das Ganze dann noch durch einen vorzüglichen Ohrenschmaus von Franco Micalizzi um ein Weiteres aufgewertet.

     

    Fazit: Ein außerordentliches Filmspektakel des it. Polizeifilms mit einem hohen Grad an politischer Unkorrektheit!

  • Autor: Richie Pistilli
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