Suchen

Vier Fäuste schlagen wieder zu

Italien, 1974

  • Originaltitel: Carambola
  • Alternativtitel:

    Nos llaman Carambola (ESP)

    Mon nom est Trinita (FRA)

  • Deutsche Erstaufführung: 21. Februar 1974
  • Regisseur: Ferdinando Baldi
  • Kamera: Aiace Parolin
  • Musik: Franco Bixio, Vince Tempera
  • Drehbuch: Ferdinando Baldi, Nico Ducci, Mino Roli
  • Inhalt:

    Der ehemalige Südstaaten-Soldat Toby (Antonio Cantafora alias „Michael Coby“) lässt sich von seinem ehemaligen Captain Johnson (Luciano Catenacci) für eine Geheimdienstmission anheuern. Er soll herausfinden, wer die mexikanischen Regierungstruppen heimlich mit kopierten US-Waffen beliefert. Toby verlangt einen Helfer für seinen Auftrag – seinen Freund Butch (Paul L. Smith).

     

    Der ist allerdings alles andere als erfreut, Toby wiederzusehen, hat wohl so seine Erfahrungen mit dessen Tricks. Und so läuft es auch diesmal. Toby weiht seinen Freund nicht ein, vielmehr dichtet man ihm den Mord an einem Gefängnis-Wachmann (Pietro Torrisi) an. Auf der Flucht lotst Toby ihn geschickt in seine Machenschaften, und Butch wird zu seinem ahnungslosen Helfer.

     

    Interesse an einem neuen, bisher unbekannten Modell eines Revolvers meldet der Saloonbesitzer und Gangster Clydeson (Horst Frank) an, der die Verbindung zu dem Waffenkopisten und – Händler, dem „Professor“ (Franco Fantasia), darstellt. Und während Toby versucht, die Gangster zu stoppen und deren Identität an seinen ehemaligen Captain weiterzugeben, entwickelt Butch eher Sympathie für die mexikanischen Revolutionäre.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde.“
    „Nett von Dir, verschluck‘ Dich bloß nicht an Deinem Sauerkohl.“

     

    Regisseur Ferdinando Baldi hatte in seiner Karriere durchaus mit Rückschlägen zu kämpfen. Er wusste sich aber zu helfen. Da sollte er mal einen Django-Film machen, bekam aber den versprochen Franco Nero nicht. Dafür entdeckte er Terence Hill als Western-Held für „Django und die Bande der Gehenkten.“ Dann verspricht man ihm die Regie für einen Bud Spencer/Terence Hill-Film, aber auch daraus wird nichts. Also kommt es zu „Butch und Toby“, einem vermeintlichen Hill/Spencer-Doppelgänger-Duo, dargestellt von Paul L. Smith und Antonio Cantafora (Michael Coby).

     

    Lange ist es her als mir einer dieser Filme zum ersten Mal auf VHS begegnete, das müsste „Vier Fäusten und ein heißer Ofen“ gewesen sein, und Gott, ist das Ding schnell wieder aus meinem Rekorder geflogen. Inzwischen sind ein paar Filmjahrzehnte vergangen, ich habe zwischenzeitlich ein paar wirklich schlimme, unaussprechliche Dinge gesehen, also dachte ich mir gestern, Du schaffst das - und wurde erst mal überrascht.

     

    „Vier Fäuste schlagen wieder zu“ ist eine Westernkomödie, mit der man ganz gut leben kann. Paul L. Smith kopiert Bud Spencer, und das macht er ziemlich gut, mit einem Unterschied: wenn Bud Spencer wütend wird, weiß man, jetzt wird es gleich richtig lustig. Wenn Paul L. Smith wütend wird, kann er dagegen ganz schön bedrohlich wirken. Aber gerade in seinen freundlichen Szenen, wirkt Smith wirklich liebenswert, das ist glaube ich einer dieser finster dreinblickenden Hünen, denen spätestens dann das Herz schmilzt, wenn sie Kinder auf dem Arm haben. In der deutschen Synchronfassung wurde Smith mit der Stimme von Wolfgang Hess versehen.

     

    Antonio Cantafora hingegen bekam die Synchronstimme von „Robert de Niro“ Christian Brückner. Cantafora versucht (von einer für den Zuschauer sehr schwer erträglichen Ausnahme abgesehen) gar nicht erst, Terence Hill zu kopieren, das kann er gar nicht, zu eingeschränkt sind seine darstellerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Dafür hat er fülligere Haare.

     

    Mit routinierter Regie und ein paar Stargästen wie etwa Horst Frank, Luciano Catenacci oder Ignazio Spalla gelingt es Ferdinando Baldi in jedem Falle, eine schlimmere filmische Katastrophe zu verhindern, und das Ganze wirkt auch gar nicht mal so billig. Ob das allerdings mit Fortschreiten der Butch und Toby-Filme so bleibt, da habe ich so meine Zweifel, vor allem wenn später Giuliano Carnimeo auf den Regiestuhl kommt. Abwarten, man wird sehen.

     

    In musikalischer Hinsicht haben Franco Bixio und Vince Tempera sich beim Titelthema ebenfalls aufs Kopieren verlegt und einen sehr an Guido & Maurizio de Angelis angelegten Song komponiert. Im weiteren Verlauf gibt es viel Einsatz eines leicht quätschig klingenden Synthesizers. Und achtet man auf die erste Prügelszene mit Paul Smith, die wird untermalt von einem Track, der zwei Jahre später in Fulcis „Verdammt zu leben, verdammt zu sterben“ eine eher unpassende Wiederverwendung während der Erzählersequenz zu Anfang fand.

     

    Die deutsche Fassung von „Vier Fäuste schlagen wieder zu“ scheint ein paar Sekunden zu vermissen, war aber bestimmt nur ein Versehen, so was haben unsere heimischen Verleiher doch nicht mit Absicht gemacht...

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.