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Verflucht, verdammt und Halleluja

Frankreich | Italien, 1972

  • Originaltitel: E poi lo chiamarono il magnifico
  • Alternativtitel:

    ...E Agora Me Chamam 'O Magnífico' (BRA)

    Y después le llamaron el magnífico (ESP)

    Et maintenant, on l'appelle El Magnifico (FRA)

    A Man from the East

    Ein Gentleman im wilden Westen

  • Deutsche Erstaufführung: 28. September 1972
  • Regisseur: Enzo Barboni
  • Kamera: Aldo Giordani
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Enzo Barboni
  • Inhalt:

    Sie waren schon vier tolle Burschen: Bull Schmidt, der Priester, Monkey und natürlich der Engländer. Als Bull hört dass der Engländer tot ist, gestorben in den Armen einer irischen Hure, reitet er sofort los, seine beiden Freunde wieder zusammen zu bringen. Aber in ihrer Hütte wartet eine Überraschung auf sie: Joe, ein junges Greenhorn, der gekleidet ist wie ein Geck, Geige spielt, Ameisen ausspioniert, Fahrrad fährt – und der Sohn vom Engländer ist. In seinem Abschiedsbrief bittet dieser seine Freunde aus dem Jüngelchen einen Mann zu machen. Aber das ist gar nicht so einfach! Denn Joe verliebt sich in die Tochter des größten und schurkischsten Landbesitzers der Gegend, was schon mal dessen gemeinen Vormann Morton Clayton auf die Szene ruft. Dann stellt sich heraus dass Joe im Gegensatz zu diesem zwar boxen kann, aber nicht prügeln. Und eine Waffe hatte er auch noch nie in der Hand. Da aber Clayton und seine Revolvermänner immer näher kommen, muss aus Joe ein echter Westmann werden, so richtig mit Kautabak spucken und Schiessen, und zwar verdammt schnell.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS, auch bekannt als das Totenglöckchen des (ernsthaften) Italo-Westerns, war 1970 ein gigantischer Erfolg. Der Nachfolger, VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA, ein Jahr später ebenfalls*. Hatte der erste der beiden noch relativ ernste Anflüge und sogar den ein oder anderen toten Bösewicht, war der zweite ein reiner Prügel- und Spaßwestern (beide machen aber auch heute noch tierisch Laune und sind wirklich erstklassig!). Nun sollte anschließend noch ein dritter Film mit dem erfolgreichen Team Terence Hill und Bud Spencer gedreht werden. Da aber wäre Bud Spencer eine Nebenrolle zugefallen, weswegen dieser absagte, und aus dem geplanten dritten Trinitá-Film wurde stattdessen VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA.

     

    Das ist die Vorgeschichte des Films, und der Regisseur Enzo Barboni, der ja auch die beiden Quasi-Vorgänger gedreht hatte, tat gut daran hier die Schraube nicht noch weiter in Richtung Klamauk anzudrehen, sondern eine ganz andere Richtung einzuschlagen und sich mehr an einer Ballade zu orientieren. Was bedeutet, dass VERFLUCHT … eine wundervolle Laid Back-Stimmung transportiert und etwa an einem heißen Sommernachmittag der perfekte Film zum Entspannen ist. Nicht der übertriebene Humor Bratpfanne Kaliber 38 regiert hier sondern eher die leisen Töne, und der Zuschauer ertappt sich dabei, wie er 125 Minuten lang lächelt. Terence Hill spielt noch bei weitem nicht so überdreht wie später etwa in den NOBODY-Filmen, sondern hält sich angenehm zurück, und auch die anderen Figuren sind erstklassig charakterisiert und inszeniert. Hinzu kommen die balladesken Töne über den Verlust der Freiheit und über die Mannwerdung eines Greenhorns, die perfekt gesetzt sind und nie die Grenze zum Kitsch überschreiten. In Summe ergibt das dann einen Film, der genau den richtigen Erzählfluss hat und die Balance zwischen Spannung-halten und Entspannung mühelos trifft.

     

    Klar, einiges an schrillen Dingen ist natürlich schon dabei. Die wundervoll choreographierte Saloonschlägerei etwa, der Running Gag mit den beiden Kopfgeldjäger die ständig eins auf die Schnauze bekommen, oder die abgedrehte Befreiung Monkeys aus dem Gefängnis.

     

    Aber die ganz groben Schenkelklopfer fehlen, und auch die Synchro fügt sich trotz der äußerst gelungenen Kalauerei angenehm in den Kontext des Films. Manfred Schott auf Terence Hill verbreitet viel Ruhe und englische Distinguiertheit. Thomas Danneberg, den ich normalerweise sehr schätze, hätte hier sicher erheblich mehr Irrwitz rausgehauen, der aber den Grundton des Films völlig verfälscht hätte. Die Liebesgeschichte zwischen Joe und Candid bekommt etwas mehr Raum als in einer Komödie üblich, und eine der hinreissendsten Szene ist, wenn Candid andeutet dass sie bereit wäre ihre Unschuld zu verlieren, woraufhin die Kamera sich diskret zurückzieht und romantische Musik ertönt. Aber nur ungefähr 5 Sekunden lang, dann ist Totenstille, die Kamera zoomt wieder auf das Liebespaar und Candid fragt Joe was bitte schön los ist dass er nicht reagiert. Ein Spiel mit den Mitteln des Films, so etwas liebe ich ja über alles!

     

    Überhaupt bietet der Film so einige kleine Momente die nicht mit der Bratkelle serviert werde: So ist etwa die Storyline rund um Puschel den Yorkshire („Ich wusste ja gleich dass das kein Hund ist“) herzzerreißend schön. Ist schon mal jemanden aufgefallen wie knuffig das Kerlchen schaut wenn es in einer Satteltasche an der Wand hängt? Oder die Kette, mit der Puschel an der Veranda angeleint ist? Irgendwann knurrt er auch einmal wie ein Großer. Oder der anerkennende Blick von Enzo Fiermonte, wenn Terence Hill gekonnt Kautabak ausspuckt. Und über allem schwebt immer diese elegische Musik der de Angelis-Brüder, die zwar extrem stark nach VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA klingt, aber wie ein gutes Gewürz die Mischung perfekt abrundet.

     

    Vielleicht kann man VERFLUCHT … als die heitere Version von George Roy Hills ZWEI BANDITEN sehen: Charmant, leicht, verspielt, und dabei trotzdem ein Western mit Pferden, Pistolen und harten Männern. Und einer schönen Frau, um die sich die harten Männer streiten. Diese Geschichte ist zwar alt, deswegen aber auch noch lange nicht schlecht. Und wenn sie erst so liebevoll dargeboten wird wie hier …

     

    * DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS war der zweiterfolgreichste Film des Jahres 1971 in Deutschland mit rund 5 Mio. Besuchern, VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA dann mit über 11 Mio. Besuchern der erfolgreichste Film des Jahres 1972! 11 Mio. Zuschauer, dass muss man sich erst einmal vorstellen. KRIEG DER STERNE hatte in Deutschland im Uraufführungsjahr 1978 4,6 Mio. Zuschauer …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Erstklassiges Bild, deutscher, englischer und italienischer Ton mit deutschen Untertiteln, ein ausgesprochen spannendes und langes Interview mit dem Spencer/Hill-Watschenmann Riccardo Pizzuti, eine Analyse von Filmhistoriker Antonio Bruschini, deutscher und englischer Trailer, eine Bildergalerie und das Originalplakat als (Wende-) Cover sind ein Rundum-Glücklich-Paket wie man es sich nur wünschen kann.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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