Vampire gegen Herakles

Italien, 1961

  • Originaltitel: Ercole al centro della Terra
  • Alternativtitel:

    Hércules en el centro de la Tierra (ESP)

    Hercule contre les vampires (FRA)

    Hércules contra o Vampiro (POR)

    Hercules in the Haunted World (USA)

    Hercules in the Center of the Earth

    Hercules vs. the Vampires

    With Hercules to the Center of the Earth

  • Deutsche Erstaufführung: 27. April 1962
  • Regisseur: Mario Bava, Franco Prosperi
  • Kamera: Mario Bava
  • Musik: Armando Trovajoli
  • Drehbuch: Mario Bava, Sandro Continenza, Franco Prosperi, Duccio Tessari
  • Inhalt:

    Herkules (Reg Park) kehrt gerade von seinem letzten Abenteuer in Atlantis zurück und kann es kaum erwarten, seine geliebte Deianira (Leonora Ruffo) nach so langer Zeit der Abwesenheit in den Armen zu halten. Stattdessen empfängt ihn der vormalige Berater des Königs von Ecalia namens Lycos (Christopher Lee) und teilt ihm mit, dass Deianira geistig umnachtet sei und die Thronfolge ihres verstorbenen Vaters nicht einnehmen könne. Lycos war jedoch so freundlich, zwischenzeitlich diese Aufgabe wahrzunehmen.

     

    Als Herkules auf Deinarira trifft, säuselt diese tatsächlich nur unverständlichen Rhabarber und schaut verklärt zum Mond. Herkules befragt die orakelhafte Medea (Gaia Germani), wie er seiner Geliebten helfen könne. Medea erklärt ihm, dass nur der Stein des Vergessens Deinarira aus ihrer Umnachtung erwecken könne (Häh?), dieser befinde sich jedoch tief im Reich Plutos, dem Hades, zu dem nur die Toten Zutritt haben. Die einzige Möglichkeit, den Hades als Lebender zu betreten und auch lebend wieder verlassen zu können, ist der Besitz des Goldenen Apfels, welcher sich auf der Insel der Hesperiden befindet.

     

    Gemeinsam mit Freund Theseus (George Ardisson) und Sidekick Telemachus (Franco Giacobini) tritt Herkules die beschwerliche Reise zu den Hesperiden an, um dort den Goldenen Apfel an sich zu bringen. Hierfür muss er jedoch einen gewaltigen Baum besteigen, zudem wird die Insel der Hesperiden von einem steinernen Monster beherrscht. Herkules wäre aber nicht Herkules, wenn er dieser Aufgabe nicht gewachsen wäre, und da die Hesperiden dankbar für die Befreiung von dem steinernen Unhold sind, gewähren sie ihm und seinen Begleitern den Zutritt zum Hades.

     

    Theseus fällt in einen Sumpf aus kochendem Schlamm, wird aber von einer unbekannten Schönen gerettet, in die er sich verliebt, und er verspricht ihr, sie nach Erfüllung seiner Aufgabe mit in die Welt der Lebenden zu nehmen. Er weiß nicht, dass die Unbekannte Plutos Lieblingstochter Persephone (Ida Galli) ist, der mit Theseus Vorhaben so gar nicht einverstanden ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Ich lasse diesmal den Quatsch mit der Kontinuität, denn hier ist einiges im Argen. Oder nein, doch nicht. Herkules kehrt gerade aus Vittorio Cottafavis „Herkules erobert Atlantis“ zurück, wo er mit seinem Sohn war, und seine Frau erwartet ihn in daheim in Ecalia. Zwischenzeitlich ist Deianiras Vater verstorben, doch sie kann die Thronfolge nicht antreten wegen geistiger Umnachtung durch den bösen Einfluss von...doch es ist ein Haken dabei. Denn es gibt keinen Sohn, in der OF sind Herkules und Deianira noch nicht verheiratet und ihr Vater segnete bereits in „Die Liebesnächte des Herkules“ das Zeitliche. Hier gibt es in verschiedenen Tonfassungen allerdings inhaltliche Unterschiede.

     

    Das ist mir aber so egal, denn „Vampire gegen Herakles“ ist ein absolut wundervoller Film, genau das, was man von einem guten Herkules-Film erwartet und sogar noch besser. Mario Bava hat einen dunkel-bunten Mix aus Peplum und Gothic Horror abgeliefert, was durch die Musik von Armando Trovajoli (der hier verdächtig nach Carlo Rustichelli klingt) unheimlich unterstrichen wird. Fast der ganze Film ist in farbige Beleuchtung getaucht und kann mit zahlreichen beeindruckenden Momenten aufwarten: die Szenen mit Medea, das Erklimmen des Riesenbaums auf der Insel der Hesperiden, vampirartige Untote und und und... Lediglich auf den Moment, wo das steinerne Monster plötzlich spricht hätte ich gerne verzichtet, da ist der Spieltrieb Bavas etwas zu sehr mit ihm durchgegangen. Natürlich ist letztendlich das Meiste Pappmaché, aber bekanntlich fotografiert und beleuchtet niemand Pappmaché so meisterhaft wie Bava.

     

    Neben Reg Park und Leonora Ruffo konnte man zudem Christopher Lee in einer vampirähnlichen Rolle (diesbezüglich weichen die Dialoge in den unterschiedlichen Sprachfassungen voneinander ab) verpflichten, dazu George Ardisson als Co-Held und immerhin Giallo- und Italowestern-Ikone Ida Galli. Rosalba Neri wird in den Credits genannt und hatte auch einen Vertrag, allerdings keine Zeit, so dass sie kurzerhand ihre Schwester Monica schickte. Einen vermutlich kleineren Beitrag zum finalen Film leisteten Franco Prosperi (der Action-Prosperi, nicht der Mondo-Prosperi) als Co-Regisseur und Joe D’Amato als Assistierender Kameramann Bavas. Für die Schiffsreise und den Sturm verwendete Bava Einstellungen (schlingerndes Schiff von Weitem) und Kulissen (Deckaufbauten und Schiffsinneres), welche er bereits für „Herkules erobert Atlantis“ anfertigen ließ. Was mir bei der Kamera-Arbeit und der Inszenierung der Motive hier stark aufgefallen ist, ist ein starker Sinn für Symmetrie, deutlich erkennbar z. B. in den Aufnahmen von Medea oder beim ersten Auftritt der Hesperiden – Medea in der Mitte, rechts und links je eine Feuerschale, die Helden ohnmächtig im Reich der Hesperiden, je drei von diesen nähern sich vom rechten und linken Bildrand, deren Königin erscheint wiederum in der Mitte. Auch Spiegelungen spielen eine große Rolle, Medea etwa spiegelt sich im Boden vor ihr, Lykos Gesicht in einer Blutlache, etc.

     

    Noch ein Wort zu Reg Park: wirkte er in „Herkules erobert Atlantis“ aufgrund der Art, wie Cottafavi die Figur des Herkules angelegt hatte (dekadent, unwillig, bis faul) sehr unbeweglich, bringt Mario Bava ihn buchstäblich ins Schwitzen. Es gibt zahlreiche Actionszenen, und aufgrund der Tatsache, dass man keinen Stuntman mit Parks Statur auftreiben konnte, musste er alle Stunts selbst ausführen. Fassungsunterschiede scheint es kaum zu geben, ausgenommen unterschiedlicher Credit und Pre-Credit Sequenzen.

     

    Reine Spekulation dagegen: aufgrund einiger Poster und VHS-Cover zu „Vampire gegen Herakles“, die Herkules im Kampf mit Proteus („Herkules erobert Atlantis“) zeigen, frage ich mich, ob es womöglich auch mal eine entsprechende Pre-Credit Sequenz mit einer solchen Rückblende gegeben hat. Aber wie auch immer, „Vampire gegen Herakles“ ist ein Muss, Bava hat hier für die Herkules-Reihe Großartiges vollbracht – das leider niemand übertreffen konnte. Und an dieser Stelle, an der auch Produzent Achille Piazzi aus der Reihe ausstieg, beende ich meine Herkules-Besprechungen. Es sei denn, ich überlege es mir anders.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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