Urban Warriors

Italien, 1987

  • Alternativtitel:

    Guerreros de la ciudad (ESP)

    Guerrieri Urbani

    Die Ratten der Apokalypse

  • Regisseur: Giuseppe Vari
  • Kamera: Sergio Rubini
  • Musik: Paolo Rustichelli
  • Drehbuch: Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Der hochintelligente Techniker Brad Milford (Bruno Bilotta) betreibt gerade mit 2 seiner Arbeitskollegen eine staatliche Forschungsarbeit in einem unterirdischen Hochsicherheitslabor, als plötzlich die Stromvesorgung zusammenbricht und sie daraufhin für mehrere Tage unter der Erde festsitzen. Als es ihnen nach 3 Tagen mühsamer Kriecherei durch die verwinkelten und stockdunklen Gänge des unterirdischen Gebäudekomplexes endlich gelingt wieder ans Tageslicht zu geraten, müssen die drei Techniker zu ihrem größten Schrecken feststellen, dass zwischenzeitlich scheinbar ein atomarer Supergau eingetreten ist, der zudem jegliches Leben in der sichtbaren Umgebung ausgelöscht hat. Nachdem sich die drei Überlebenden der nuklearen Katastrophe wieder etwas berappeln konnten, suchen sie zunächst in einer nahegelegenen Lagerhalle Schutz für die erste Nacht und finden dort auch rein zufällig eine Armada an postapokalyptischer Konservennahrung, einen zugestaubten Fluchtwagen, Waffen und zahlreich Munition vor.

     

    Doch als die Überlebenden am nächsten Morgen im ausgeschlafenen und gesättigten Zustand die Erkundungstour mit der neu erworbenen Schrottlaube durch die nukleare Strahlenlandschaft beginnen möchten, müssen sie zu ihrem erneuten Schrecken feststellen, dass einer der beiden Arbeitskollegen über Nacht spurlos abhanden gekommen ist, woraufhin das unerschrockene Muskelpaket Brad in Wallung gerät und sich unverzüglich auf die Suche nach diesem begibt, dabei aber nur noch dessen abgetrennten Kopf auf der Motorhaube ihres taufrischen Fluchtwagens vorfinden kann. Zudem hält die Lagerhalle auch noch eine weitere Überraschung in Form eines Kassettenrekorders parat, auf dem lebenswichtige Informationen zur aktuellen Lage enthalten sind: Nach dem Auslösen des atomaren Holocausts wurden bei den überlebenden Menschen durch die Verstrahlungen massive psychische Störungen hervorgerufen, in deren Folge sie sich binnen weniger Tage zu mordenden Bestien verwandelten, die zur Sicherstellung ihrer neuen Existenz frisches Rückenmark von gesunden Überlebenden benötigen.

     

    Und schon kurz darauf werden die beiden Überlebenden erbarmungslos von den blutrünstigen Bestien durch die zerbersteten Landschaften der schönen, neuen Welt gehetzt, wobei ihre einzige Hoffnung im Auffinden weiterer Überlebender besteht, die gleichfalls von der Verstrahlung verschont geblieben sind und somit den aussichtslosen Kampf für die Gerechtigkeit unterstützen können. Aber in der neuen Welt herrscht weder Moral, noch Erbarmen...

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    "Die Ratten der Apokalypse"

     

    Die hier vorliegende Steinbruch-Sause von Regisseur Giuseppe Vari (Joseph Warren) gehört wohl zu den kuriosesten Vertretern der sowieso schon grundsätzlich skurrilen Gattung an "80er-Italo-Endzeit-Trash-Filmen", da die Unglaublichkeit der Story, die Unterirdischkeit der schauspielerischen Leistung und die unfassbaren Dialoge der deutschen Synchronisation auf Grundschulniveau schwer zu unterbieten sind... Die schauspielerische Leistungen gestalten sich teils noch desaströser als bei der gesamten Genre-Konkurrenz und entpuppen sich aufgrund der total überdramatisierten Darstellungsweise als ein wahres Freudenfest für Trash-Fans.

     

    Hauptdarsteller Bruno Bilotta (“The Last Warrior – Kämpfer einer verlorenen Welt”, “Black Cobra”, “Söldner der Apokalypse – Zum Krepieren geboren”) legt hier einen völlig talentfreie Darbietung ab, die aber aufgrund seiner beharrlichen Mimenlosigkeit und Starrheit in Verbindung mit der unbeschreiblichen Synchronisation ein regelrechtes Unterhaltungsfeuerwerk auslöst. Für diese Rolle musste man halt nicht viel im Kopf haben, sondern lediglich dumm aus der Wäsche schauen können, mit einer ausgeprägten Körpermuskulatur ausgestattet sein und einen sehr niedrigschwelligen Mindestwortschatz beherrschen. Also genau die richtige Rolle für unser muskelbepackte Suchmaschine, die sich zur einzigen Lebensaufgabe gemacht hat, möglichst weitere von der Verstrahlung verschonte Überlebende ausfindig zu machen, um mit diesen eine neue und gerechte Weltordnung auf die Beine zu stellen. Und dieser selbstauferlegten Mission folgt er dann mit unnachgiebiger Verbissenheit, wobei er aber jedes Mal das lebensgefährliche Risiko eingeht, von den menschenjagenden Bestien bis aufs Rückenmark gequält zu werden.

     

    Darüberhinaus sorgt Bruno Bilotta gemeinsam mit seiner Schauspielkollegin Deborah Keith für eine der unerotischsten Liebesszenen, die mir in letzter Zeit unter die Augen gekommen ist und eine Dame mit dem wohlklingenden Namen “Brigitte Porsche” ist auch noch mit von der Partie.

     

    Zudem beinhaltet dieses postapokalyptische Spektakel alle notwendigen Ingredienzen, die es für einen echten Endzeit-Knaller gemäß der geltenden Genre-Konventionen benötigt: Verfallene Lagerhallen, staubige Steinbruchkulissen, Wüstenlandstriche, Freaks in dämlichen Endzeit-Kostümen, madmax-ähnliche Wagenkonstrukte (wobei sich diese hier in Grenzen halten) und zeitlich sehr ausgedehnte bzw. zeitlupengeschwängerte Actionszenen und Verfolgungsjagden, also alles so, wie es auch eigentlich sein soll.... oder?

     

    Nein, nicht ganz.... Regisseur Giuseppe Vari setzt bei dieser unsäglichen Billigproduktion sogar noch einen drauf: Insgesamt bediente er sich 3 mal bei dem bereits 1984 entstandenen Genre-Konkurrenten “Rockit – Final Executor” (Regie: Romolo Guerrieri) und stibitzte aus diesem 3 komplette Filmsequenzen mit einer Gesamtlänge von knapp 10 Minuten, die er daraufhin völlig dreist in sein Schundwerk einbaute und die dabei zu sehenden Bilder einfach anhand der angepassten Synchro mit einem anderweitigen Handlungsrahmen hinterlegte. So kommt es dann, dass einer der Arbeitskollegen plötzlich ein Motorrad mit der dazugehörigen Lederkluft aus hellbraunen Leder vorfindet und nur einige Sekunden später als schwarz gekleideter “Erasmus von Mike” (Harrison Muller Jr. in “Rockit – Final Executor”) auf einem völlig anderen Zweiradmodell das Szenario verlässt. Hierzu wurde dann einfach eine 3 minütige Filmsequenz 1:1 aus Romolo Guerrieris Werk entliehen und eingefügt.

     

    Eine weitere eingebaute Filmszene enthält zudem den vollständigen Leinwandeinsatz von Giovanni Cianfriglia als nietenlederhalsbandtragenden Wächter aus “Rockit”, samt der Erspähung des Arbeitskollegen bzw. Harrison Mullers Jr., dem kleinen Konflikt am Strassenrand und der halsbrecherischen Verfolgungsjagd zu den Lagerhallen. Außerdem wurden auch die beiden Szenen der “helikopteriellen Zustellung der Konservennahrung” und der “Massentötungsszene” vom 3 Jahre älteren Konkurrenzwerk entliehen, wobei die strahlenverseuchten Ausgestossene aus “Rockit” hierbei inhaltlich durch “gejagte Studenten” ersetzt werden.

     

    Zudem verzichtete man dabei auf die Anpassung des eingefügten Bildmaterials, so dass sich dieses oben und unten maskiert in einem völlig anderen Bildformat präsentiert.

     

    Die musikalische Untermalung in Form eines recht minimalen, aber temporeichen Synthie-Scores kann dann wiederum als gelungen bezeichnet werden, da uns Paolo Rustichelli hier ein ohrwurmträchtiges Klangkonstrukt serviert, dass so richtige Laune mit sich bringt und somit ganz klar mit zu den besseren der genreeinschlägigen Scores gezählt werden kann.

     

    Fazit: Dieses Kiesgrubenspektakel schießt den Vogel im 80s-Italo-Endzeit-Trash-Film-Genre völlig ab. Trash in Reinkultur.

  • Autor: Richie Pistilli
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