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Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen

Frankreich | Deutschland | Italien, 1975

  • Originaltitel: Les innocents aux mains sales
  • Alternativtitel:

    Assassinato por Amor (BRA)

    Inocentes con manos sucias (ESP)

    Gli innocenti dalle mani sporche (ITA)

    Os inocentes de Mãos Sujas (POR)

    Dirty Hands (USA)

    Innocents with Dirty Hands

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Mai 1975
  • Regisseur: Claude Chabrol
  • Kamera: Jean Rabier
  • Musik: Pierre Jansen
  • Drehbuch: Claude Chabrol
  • Inhalt:

    Romy Schneider spielt die unglücklich verheiratete Julie Wormser. Gleich zu Beginn des Films räkelt sie sich splitterfasernackt im Garten ihres Luxusanwesens. Ihr Sonnenbad wird empfindlich gestört, als ein feuerroter Papierdrache auf ihrem Popo landet. So lernt sie den Schriftsteller Jeff Marle (Giusti) kennen, einen durchtriebenen Zeitgenossen, der alsbald ihr Liebhaber wird. Julies wesentlich älterer Ehemann Louis (Steiger) ist, so erfahren wir schon in den ersten Minuten des Films, Alkoholiker, impotent und wohlhabend. Schon bald reift — der geneigte Filmfan ahnt es bereits — in Jeff und Julie der teuflische Plan, den lästigen Louis aus dem Weg zu räumen.

     

    Zunächst läuft alles wie am Schnürchen: Julie erschlägt ihren schlafenden Gatten, und Jeff schleppt ihn zum Meer, um ihn verschwinden zu lassen. Nachdem Jeff den Wagen der Wormsers genommen und sich aus dem Staub gemacht hat, meldet Julie Louis bei der Polizei als vermisst, doch zwei misstrauisch gewordene Inspektoren heften sich an ihre Fersen und beginnen, die nervös werdende Frau zu überwachen. Bei ihrer Bank erfährt Julie, dass Louis sein gesamtes Vermögen abgehoben hat. Sie steht mittellos da und wird schon bald des Mordes beschuldigt — bis plötzlich ihr tot geglaubter Mann quicklebendig wieder vor ihr steht…

  • Autor: André Schneider
  • Review:

    Romy Schneiders dringlicher Wunsch einer Zusammenarbeit mit dem Thriller-Meister Chabrol wurde ihr 1974 schließlich und endlich erfüllt. Sie akzeptierte die Rolle, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Von der Presse mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht, erwies sich »Les innocents aux mains sales« später jedoch als jämmerlicher Rohrkrepierer, und das Spielen unter Chabrols gleichgültiger Ägide empfand Romy Schneider als herbe Enttäuschung. Während des Drehs in Saint Tropez soll der Filmemacher mehr am Schachspiel als an der Arbeit seiner Akteure vor der Kamera interessiert gewesen sein — für die anspruchsvolle Schneider ein Affront: »Ich bin als Schauspielerin von meinem Regisseur abhängig. Das ist einer der Gründe, warum ich mich mit Chabrol nicht verstanden habe. […] Er hat mich vor der Kamera alleingelassen, und das ertrage ich nicht. Ich brauche die Herausforderung wie bei Zulawski oder die Komplizenschaft wie mit Visconti, Welles oder Sautet.«

     

    Die Romanvorlage, »The Damned Innocents« von Richard Neely, war nicht viel mehr als ein unglaubwürdig konstruierter Krimi mit schwacher Figurenzeichnung gewesen. Dennoch war Chabrol so sehr von ihr gefesselt, dass er die Rechte erwarb und daraus ein interessantes Drehbuch mit einer starken zentralen Frauenfigur schusterte. Seinem Produzenten André Génovès war es zudem gelungen, Rod Steiger als männlichen Star unter Vertrag zu nehmen. Er und Schneider sollten ihre Parts auf Englisch spielen, während der Rest der Besetzung Französisch sprach. Elsa Martinelli (»Una sull'altra«) stellte ihre Prachtvilla an der Côte d’Azur als Drehort zur Verfügung.

     

    Gemeinhin wird »Les innocents aux mains sales« als Tiefpunkt in Romy Schneiders Schaffen deklariert und gilt auch als eine von Chabrols miesesten Arbeiten. Heute, 40 Jahre später, fällt einem bei aller Langeweile die kühle Eleganz des Streifens angenehm auf, die fein geschliffenen Dialoge und die schier umwerfende Schönheit seiner Hauptdarstellerin. In der Tat zeichnen sie und Steiger ein außerordentlich subtiles und vielschichtiges Portrait einer zerrütteten Ehe. Dabei verstanden sie sich während der Dreharbeiten alles andere als gut: »Stell dir vor«, soll Schneider ihrem späteren Mann Daniel Biasini gesagt haben, »der Idiot hat doch tatsächlich einen eigenen Psychiater an den Set dieses beschissenen Films mitgebracht! An der Strasberg-Schule hatte man ihm das empfohlen.« Trotzdem hatte sie gute Miene zum Spiel gemacht, wenn sich Steiger von seinem Therapeuten künstlerisch beraten ließ. Ausgerastet war sie nur dann, wenn der Psychologe während des Drehs plötzlich »Stop!« rief und der fassungslosen Schauspielerin erklärte: »Wir müssen jetzt Schluss machen, Rod ist müde.«

  • Autor: André Schneider
  • Veröffentlichungen:

    Es gibt inzwischen so viele DVD-Releases, dass man kaum noch mitzählen kann. Manche haben die englische und deutsche Tonspur, bei einer anderen ist gar noch die französische Fassung mit dabei, aber außer dem internationalen Kinotrailer scheint es nirgends Bonusmaterial zu geben.

  • Autor: André Schneider
  • Filmplakate

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