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Unschuld im Kreuzverhör

Frankreich | Italien, 1960

  • Originaltitel: Il rossetto
  • Alternativtitel:

    El lápiz de labios (ES)

    Jeux précoces (F)

    Red Lips (UK)

    Lipstick (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 16.09.1960
  • Regisseur: Damiano Damiani
  • Kamera: Pier Ludovico Pavoni
  • Musik: Giovanni Fusco
  • Drehbuch: Damiano Damiani, Cesare Zavattini
  • Inhalt:

    Die 14 jährige Silvana De Carli (Laura Vivaldi) schwärmt für den adretten Mittzwanziger Gino Luciani (Pierre Brice), seines Zeichens Kosmetikvertreter und Hobbymusiker in einer Person, der eine Wohnung auf der gegenüberliegenden Strassenseite bewohnt. Das junge Mädchen lebt mit ihrer alleinerziehenden und von Liebeskummer geplagten Mutter (Bella Darvi) zusammen, wobei diese in erster Linie mit ihren persönlichen Beziehungsproblemen beschäftigt ist und sogar in Erwägung zieht, ihre vernachlässigte Tochter in ein Internat abzuschieben.

     

    Die verletzte Silvana steigert sich daher immer tiefer in die Schwärmerei für den gut aussehenden Hobbymusiker und beobachtet diesen insgeheim von ihrem Fenster aus, da sich ihr von dort eine freie Sicht in die Wohnräume des Objekts der Begierde eröffnet.

     

    Doch plötzlich kommt es in einer benachbarten Wohnung auf Ginos Etage zu einem grausamen Mord an der hausbekannten Prostituierten Natalina (Lia Angeleri) und der Kellner und Laufbursche Vincenzo (Renato Mambor) wird von der Polizei zunächst als Tatverdächtiger festgenommen.

     

    Im Rahmen des polizeilichen Verhörs unter den Hausbewohnern streitet Gino vehement vor dem ermittelnden Kommissar Fioresi (Pietro Germi) ab, die mit einem Fleischklopfer tot geschlagene Bordsteinschwalbe weder zuvor gekannt, noch überhaupt je ein Wort mit ihr gewechselt zu haben.

     

    Silvana ist es aber mittlerweile gelungen, zu dem zwar weiterhin recht abweisenden Schwarm einen Kontakt aufzubauen und konfrontiert diesen völlig unerwartet mit der Behauptung, ihn doch ein paar Tage zuvor von ihrem Fenster aus beim Verlassen der Wohnung des Mordopfers gesehen zu haben.

     

    Ab diesem Moment scheint der etwas irritierte Erwachsene die verliebte (minderjährige) Göre mit allen Mitteln zu umgarnen versuchen, um diese somit bei der Stange halten zu können. So flunkert Gino dem Mädchen mit der rosaroten Brille vor, dass er momentan Single sei und nach der richtigen Frau fürs Leben suche, doch in Wirklichkeit steht er kurz vor der Heirat mit seiner sehr vermögenden Verlobten Lorella Severano (Giorgia Moll), einer Journalistin aus gutem Haus.

     

    Doch Silvana ist nicht auf den Kopf gefallen und durchschaut den vorgespielten Schwindel schon nach sehr kurzer Zeit. Verletzt in ihren Gefühlen droht sie dem immer nervöser werdenden Gino an, ihre Beobachtungen im Mordfall der Polizei zu melden.

     

    Mit dem Rücken an der Wand stehend versucht Gino nun die Offensive zu ergreifen und dem frechen Luder bei der Polizei zuvor zukommen. Gegenüber Kommissar Fioresi mimt er daraufhin das hilflose Stalking-Opfer, dass von einer 14 Jährigen mit einer schwerwiegenden Lüge bezichtigt wird, da er zuvor deren eindeutige Liebesbekundung ausgeschlagen hatte.

     

    Doch einem alten Trapper wie Kommissar Fioresi pinkelt man nicht so schnell an den Colt und dieser ist daher der Meinung, das falsche Spiel des musikalischen Verführers zu durchschauen. Doch recht schnell machen sich wiederum erste Zweifel breit, die den erfahrenen Ermittler immer wieder verunsichern. Sollte der Schein letztendlich doch trügen....?

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Schon mit seinem Erstlingswerk zeigt Regisseur Damiano Damiani unverblümt sein Können und präsentiert eine mitreißenden Kriminalgeschichte, die zu fesseln weiß.

     

    Ein von ihrer Mutter vernachlässigtes Mädchen verliebt sich in einen erwachsenen Mann und zeigt dabei (in leicht abgewandelter Form) die erlernten Verhaltensmuster ihrer gegenüber Männern unterwürfigen Erzeugerin.

     

    Der adrette junge Mann liebt die Vorzüge eines luxuriösen Lebens, die er sich aber eigentlich aufgrund seiner einfachen Herkunft und seines gering entlohnten Jobs nicht leisten kann. Zum Glück steht er aber kurz vor der Heirat mit seiner Verlobten, einer vermögenden Tochter aus gutem Haus. Doch durch den Mord mit dem Fleischklopfer gerät der Mann mit den unzähligen Masken in eine für ihn unangenehme Lage und scheint sich immer tiefer in einem Geflecht aus Lügen zu verstricken.

     

    In einem sehr spannend inszenierten Verhör durch den erfahrenen Kommissar wird dann aber nach und nach das wahre Gesicht des jungen Mannes enthüllt, wobei immer wieder die Frage auftaucht, ob der Schein letztendlich nicht doch trügt....

     

    Die junge Schauspielergarde legt durchwegs eine respektable Leistung an den Tag, wobei aber gerade das herausragende Schauspiel der jungen Laura Vivaldi in der Rolle der 14 jährigen Silvana De Carli besonders hervorsticht.

     

    Mit Pierre Brice bin ich noch nie so richtig warm geworden, aber auch dieser vermag in seiner Rolle des aalglatten und (un)durchschaubaren Kosmetikvertreters gründlich zu überzeugen.

     

    Dabei trägt der vermeintliche Mörders und/oder Verführer Minderjähriger in Damianis Inszenierung keinerlei psychopathologischen Züge (wie es oftmals der Fall ist), sondern zeigt in seiner Darstellung einen regelrechten Normalo-Typen aus der unteren gesellschaftlichen Mittelschicht, der von einem besseren Leben in Luxus und Reichtum träumt. Und zur Verwirklichung dieses Traums scheinen ihm dann schlussendlich auch alle Mittel recht zu sein....

     

    Eine weitere Überraschung ist der Kurzauftritt von Erna Schurer, die in der Rolle der Cinzia Severano (Schwester der Verlobten ) scheinbar ihr größeres Leinwanddebut gibt.

     

    Der solide musikalische Beitrag wurde dieses mal von Giovanni Fusco beigesteuert und klingt recht angenehm.

     

    Leider scheint die Kinosynchronisation nicht mehr auffindbar zu sein, wobei  sich die Arbeit der DEFA-Studios auch recht gelungen anhört.

     

    Fait: Ein spannend inszeniertes Erstlingswerk einer italienischen Regielegende, das zu begeistern vermag.

  • Autor: Richie Pistilli
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