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Die Unmoralischen

Frankreich | Deutschland | Italien | Portugal, 1964

  • Originaltitel: Le grain de sable
  • Alternativtitel:

    Il triangolo circolare (ITA)

    O Triângulo Circular (POR)

    The Circular Triangle (USA)

    Le triangle

  • Deutsche Erstaufführung: 27. November 1964
  • Regisseur: Pierre Kast
  • Kamera: Marcel Grignon
  • Musik: Antoine Duhamel
  • Drehbuch: Alain Aptekman, Pierre Kast
  • Inhalt:

    Der reiche Industrielle Coppolos kommt bei der Explosion seines Privatflugzeuges ums Leben. Schnell stellt sich die Frage, ob er einem Anschlag zum Opfer gefallen ist, oder ob es sich doch um einen Unfall gehandelt hat. Die Polizei greift die Spur auf, die zu den Personen führt, die bereits für die Nachfolge Coppolos in den Startlöchern stehen. Alain Compton (Paul Hubschmid) und Georges Richter (Pierre Brasseur) geraten somit ins Visier von Kommissar Laurent (Antoine Duhamel). Eine weitere Figur in diesem Schachspiel stellt Anna Maria (Lilli Palmer) dar, die ehemalige Geliebte des Toten und Ex-Frau von Georges. Welche Rolle spielt sie in diesem undurchsichtigen Spiel, das nach und nach mehrere Mordopfer fordert..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der französische Filmregisseur und Drehbuchautor Pierre Kast ist vielleicht nicht gerade als vollkommen unbeschriebenes Blatt zu bezeichnen, jedoch kann der Blick auf seine Filmografie nicht die ganz großen Würfe preisgeben. Umso interessanter ist es also sich einen derartigen Film unter eher unscheinbarer Regie anzuschauen, in dem sich möglicherweise neue Impulse ausfindig machen lassen, zumal sich der Stab von "Die Unmoralischen" wirklich hervorragend liest. Der Einstieg verbreitet gleich internationales Flair, das nicht nur aufgrund der modernen und weltoffenen Personen des Szenarios verbreitet wird, sondern man sich gleich auf einem Flughafen selbst vorstellt. Eine düstere Spannung entfaltet sich, als ein noch unbekannter Mann mit Klumpfuß herumschleicht und offenbar nichts Gutes im Schilde führt. Wenig später werden die Charaktere und Zuschauer des Vorhersehbaren belehrt, da eine eben gestartete Maschine in der Luft explodiert. Der Verlauf schlägt unmittelbar im Anschluss wieder eine sehr unaufgeregte Marschrichtung ein und legt Wert auf ausführliche Dialoge und den Facettenreichtum, den die beteiligten Darsteller herzugeben wissen, doch anschließend fallen auch schon Schlagworte wie »Intrigen« oder »Kriegserklärung«. Aufmerksam lauscht man also dem guten Ton der besseren Gesellschaft und blickt interessiert auf deren Spleens und Launen, die den Zündstoff hergeben, die eine derartige Geschichte unbedingt nötig hat. Charismatische Bilder, noble Interieurs und Aufnahmen an Originalschauplätzen kreieren im Handumdrehen ein sehr angenehmes Flair und der Film vermittelt vielleicht eine Art trügerisches Urlaubsgefühl, bei dem man allerdings einen großen Knall befürchtet, da die wegweisend klingenden Titel des Films natürlich noch im Hinterkopf behalten wurden.



    Vielleicht wird es in einigen Intervallen zu viel der ruhigen Verlaufsform, aber auch die Ungeduld auf das Bevorstehende kann eine Art der Spannung darstellen. Am klaren Aufbau sind vor allem die Stars der Produktion beteiligt, die unterschiedliche Konstellationen untereinander präzise anbahnen oder wahlweise sogar zerstören. Lilli Palmer schmeißt erfahrungsgemäß jeden Film und erneut zeigt sie sich hier von ihrer überaus mondänen Seite. Im Rahmen von Wechselspielen färbt sie ihre Anna-Maria di Scorza gegensätzlich, nämlich als vertrauenswürdige Zuhörerin, aber ebenso als unerbittliche Gegnerin, je nachdem ob es die Situation erfordert oder nicht. Eine Lilli Palmer mit zwei unterschiedlichen Gesichtern steht der Produktion daher gut, zumal es bei einigen Kollegen in manchen Phasen ein wenig an wünschenswerter Tatkraft sowie Prägnanz fehlt. Vollkommen gegensätzlich dazu steht wie häufig die schöne Wahl-Italienerin und aus Kroatien gebürtige Sylva Koscina, die ihre üblichen Register im Rahmen von Ursache und Wirkung zu ziehen weiß. Sie ist es, die für knisternde Erotik sorgen kann, egal ob im Fred-Perry-Dress auf dem Tennis-Court, in feinsten Roben beim Smalltalk, oder eben dezent nicht-bekleidet im Lotterbett. Stets ein außergewöhnlicher Hingucker, diese Sylva Koscina. In der Zwischenzeit dauert es eine gefühlte halbe Ewigkeit, bis die Geschichte richtig in die Gänge kommen kann, jedoch ist es auch der aufmerksamen Regie zu verdanken, dass dem Empfinden nach keine wirklich signifikanten Längen aufkommen, obwohl nicht viel zu geschehen scheint. Ein vorprogrammierter Mord bringt schließlich wieder Spannung in das vielleicht zu seriös wirkende Geschehen und die ermittelnde Polizei gleich mit, die durch unbequeme Fragen und Vorverurteilungen auffällt.



    Im Endeffekt hat man es mit einem eigentlich einfach gestrickten Plot zu tun, der dennoch Aufmerksamkeit fordert, da er stark auf Details angelegt ist, die unter Umständen übersehen werden können. Pierre Kast versucht weitgehend, "Die Unmoralischen" nach großen und tiefgründigeren Vorbildern zu inszenieren, doch dem zugegeben großen Anteil von Eleganz hätte ein wenig Spektakel sicherlich gut getan. Am Ende bleibt der Eindruck haften, dass alles Gesehene etwas zu reibungslos über die Bühne gegangen ist und die Hauptpersonen keine große Entwicklung mehr anbieten konnten, ihr Pulver folglich bereits am Anfang verschossen haben. Beim Thema Dosierung sind insgesamt einige Makel zu entdecken, denn es reicht nicht aus darauf zu spekulieren, dass der Film aufgrund seiner überaus günstigen Voraussetzungen zum Selbstläufer wird, wenn eine Spiellänge von weit über 100 Minuten bevorsteht. Der Kriminalfall an sich weist einige geschickte Kniffe auf, aber bis zum Finale wird etwas zu viel um den heißen Brei herumgespielt. Im Finale bleibt der sehnlich erwartete große Knall leider aus und letztlich macht sich doch eine spürbare Portion Unentschlossenheit breit, die sowohl vom Verlauf, als auch vom Zuschauer kolportiert wird. Unterm Strich ist Pierre Kasts "Die Unmoralischen" sicherlich kein uninteressanter Vertreter seiner Gattung geworden, greift er doch viele edle Muster bekannter Artgenossen auf, dennoch mangelt es der Geschichte am gewissen Etwas und der Fall hinterlässt einen wenig ausgeklügelten Eindruck. Anhänger der Darsteller werden jedoch sicherlich auf ihre Kosten kommen, denn insbesondere die Darbietungen von Lilli Palmer, Sylva Koscina oder Pierre Brasseur bleiben in angenehmer Erinnerung. Kann man sich durchaus anschauen.

  • Autor: Prisma
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