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Das unheimliche Auge

Italien, 1987

  • Originaltitel: Le foto di Gioia
  • Alternativtitel:

    Crimenes en portada (ESP)

    Pesadelo Interminável (POR)

    Gioia's Photograph

    Photo of Gioia

    Photos of Joy

    Delirium

  • Deutsche Erstaufführung: 03. Dezember 1987
  • Regisseur: Lamberto Bava
  • Kamera: Gianlorenzo Battaglia
  • Musik: Simon Boswell
  • Drehbuch: Luciano Martino, Gianfranco Clerici, Daniele Stroppa
  • Inhalt:

    Ein Jahr nach dem Unfalltod ihres Mannes kehrt Gioia (deutsche und englische Fassung: Gloria) zurück zu dem Magazin das sie leitet: Pussycat, ein Hochglanzblatt für nackte und erotische Tatsachen. Alles ist wie gehabt – Die Damen planschen nackt im Pool, der schwule Fotograf porträtiert ihre Vorzüge, und die Konkurrentin Flora versucht möglichst aggressiv das Magazin aufzukaufen. Das heißt, so ganz ist nicht alles beim alten, denn es geht ein Mörder um der die besten Models grausam tötet. Gioia hat schnell die Vermutung, dass sie das eigentliche Ziel der Mordserie ist, und mögliche Täter mit möglichen Motiven gibt es in ihrer Umgebung mehr als genug. Und der Mörder metzelt sich mit beängstigender Geschwindigkeit näher …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Schon der Beginn gibt ein Plastik-Flair vor, wie es auf dem Höhepunkt des MTV-Zeitalters nicht schlimmer sein könnte. Die E-Gitarren jaulen, das Synth-Drum verschreckt die Trommelfelle, und dazu räkeln sich nackte Damen mit Riesenmöpsen in einer Beverly Hills-artigen Umgebung. Aber durchhalten, Jungs, schon die Schnitte auf Serena Grandi, mal nackt und mal angezogen, zeigen, dass hier nicht der x-te Aufguss eines US-amerikanischen Glam-Metal-Videos gezeigt wird. Und Lamberto Bava geht dann auch relativ flott zur Sache und zeigt den ersten Mord mit Farbverfremdungen und merkwürdigen Halluzinationen. Beides behält er dann in bester Giallo-Tradition auch bei, was dem sonst nicht so wirklich innovativen Streifen auf jeden Fall sehr gut tut.

     

    Denn sind wir mal ehrlich: Bis auf Ausnahmen ist DAS UNHEIMLICHE AUGE weder sonderlich sexy noch sonderlich spannend. Nach der 10-kleinen-Negerlein-Methode werden die Verdächtigen immer weiter dezimiert, bis eigentlich keiner mehr so recht übrig ist, und der wahre Täter dann nur noch eine kleine Überraschung ist. Und für einen Erotik-Thriller werden erheblich zu wenig nackte Tatsachen geboten, was ausgesprochen schade ist, denn mit Serena Grandi, Trine Michelsen und Sabrina Salerno stehen drei Frauen im Vordergrund die optisch und von ihrer Ausstrahlung her einiges zu bieten haben. Sorry wenn das jetzt sexistisch klingt, aber zum Beispiel Trine Michelsen war halt nun mal eine wunderschöne und ausgesprochen gut gebaute Frau, da beißt die Maus keinen Faden ab …

     

    Im Prinzip läuft halt eine 08/15-Mörderhatz ab, aber es gibt wie erwähnt Ausnahmen, und die haben es in sich. Zum einen sieht der Mörder, warum auch immer, seine Opfer etwas anders als andere Menschen. Was zu einigen ziemlich verstörenden Bildern führt, wenn etwa Sabrina Salerno als Wespenfrau Körperpflege betreibt. Weiter spielen Bava und sein Kameramann Gianlorenzo Battaglia (u.a. DAS HAUS DER VERFLUCHTEN und DÄMONEN) gerne am Farbregler und erzeugen so sehr stylische Settings, in denen das Grauen (Na gut, sagen wir mal besser: Das Erschrecken) sich umso besser verstecken kann. Und so einige Kameraeinstellungen haben wirklich Überzeugungskraft, etwa der Shot auf die Rolltreppen im Kaufhaus. Überhaupt ist die gesamte Kaufhausszene sehr dicht und spannend inszeniert, und wenn der ganze Film diese Intensität hätte wäre er locker ein Klassiker geworden. Versprochen!

     

    Aber so wechseln sich Licht (die Farbeinstellungen und die damit verbundenen Stimmungen) und Schatten (der ziemlich unnötige Zickenterror zwischen der Grandi und Capucine) ab, was zu der ein oder anderen unnötigen Länge führt. Und genau da hätte ich dann gerne mehr Erotik gehabt, um eben diese Längen ein wenig aufzufüllen. Die Badewannenszene mit George Eastman und Serena Grandi etwa, die ist doch einfach nur hocherotisch. Warum nicht mehr davon …?

     

    Werfen wir doch mal einen Blick auf die Mitwirkenden: Sabrina Salerno machte in den 80ern mal kurz Karriere mit dem Trällersong „Boys“, und bei dessen Erwähnung müsste bei eigentlichem jedem in meiner Generation sofort das Kopfkino angehen. Der Hit stammt aus dem gleichen Jahr wie der Film, 1987 dürfte somit also das beste Jahr Sabrinas gewesen sein. Nun, sie schaut hier jedenfalls aus wie der anbrechende Morgen, und wenn die Wikipedia Recht hat ist sie heute immer noch wunderschön. Trine Michelsen hatte leider nicht so viel Glück in ihrem kurzen Leben, ihre Filmographie gibt nur sechs Werke her, unter anderem Lars von Triers IDIOTEN. Schade, die Dame hätte ich gerne öfters gesehen. Capucine, die der ein oder andere noch aus DER ROSAROTE PANTHER kenne könnte, zeigt Mut zum Alter und zum lesbischen Ekelpaket und hat viel Ausstrahlung, auch wenn die Rolle eigentlich eher nervt. Die männlichen Darsteller sind da nicht so prägnant, eigentlich fällt nur Karl Zinny, der Darsteller der gelähmten Nervensäge aus der Nachbarschaft, weiter auf. Er durfte sein markantes Gesicht unter anderem in Lamberto Bavas DÄMONEN 2 und DIE GRUFT, ebenfalls von Bava, zeigen. Hier hat er ein „erotisches“ Spiel mit Serena Grandi, welches ein merkwürdiges Licht in die Szene bringt. Auf jeden Fall niemand, dem ich in einem finsteren Schlafzimmer plötzlich begegnen möchte. George Eastman darf wie erwähnt eine Liebesszene mit Serena Grandi bestreiten (worum ihn wahrscheinlich der Großteil der Zuschauer beneiden dürfte), und David Brandon, Lino Salemme und Vanni Corellini fallen irgendwie nicht weiter ins Gewicht. Beim Stab ist auf jeden Fall der Komponist Simon Boswell erwähnenswert, der schon allein mit den Scores für Dario Argentos PHENOMENA und Bavas DÄMONEN vielen hier bekannt sein dürfte, und dessen Musik hier bis auf einen Ausrutscher sehr atmosphärisch ist.

     

    Aber sei’s drum, Bava schafft es letzten Endes eine relativ spannende Geschichte mit vielen durchsichtigen roten Heringen und viel zu wenig nackten Tatsachen ansprechend zu erzählen. Einige Höhepunkte, der Mord an der Wespenfrau oder die erwähnte Kaufhausszene, bleiben wirklich einige Zeit im Kopf hängen und machen viel Spaß. Insgesamt unterhält der Film weil er ganz einfach in sich stimmig ist, und wer was übrig hat für typische 80er-Jahre-Thriller und Spät-Gialli, der sollte auch hier ein unheimliches Auge riskieren.

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die DVD von New Vision Films, die allerdings um eine wenige Sekunden geschnitten ist. Was geschnitten wurde ist auf der Internetseite von Schnittberichte zu sehen, aber Vorsicht: Hier wird der Mörder gespoilert! Das Bild der DVD ist schlecht, der deutsche Ton ist dumpf, die Synchronsprecher scheinen teilweise zu lispeln, und der englische Ton (ohne deutsche Untertitel) ist klar und verständlich und bietet ein Mehr an Hintergrundgeräuschen. Extras hat es selbstverständlich keine …

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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