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Das Ungeheuer auf Schloss Bantry

Italien, 1960

  • Originaltitel: L'ultima preda del vampiro
  • Alternativtitel:

    Des filles pour un vampire (FRA)

    The Vampire's Last Fling (GBR)

    La última presa del vampiro (MEX)

    Curse of the Vampire (USA)

    The Playgirls and the Vampire (USA)

    Daughters of the Vampire

    Desires of the Vampire

    Last Victim of the Vampire

    The Last Prey of the Vampire

    The Vampire's Last Victim

  • Deutsche Erstaufführung: 16. Oktober 1964
  • Regisseur: Piero Regnoli
  • Kamera: Aldo Greci
  • Musik: Aldo Piga
  • Drehbuch: Aldo Greci, Piero Regnoli
  • Inhalt:

    Ein Tourneebus mit sexy Tanzmäusen kommt in tiefster Nacht und bei gar schrecklichem Unwetter auf der Straße nicht mehr weiter. Stattdessen müssen die Damen mitsamt ihrem Manager in einem abgelegenen Schloss übernachten, wo sie aber überhaupt nicht willkommen sind und ermahnt werden nachts bloß nicht durch das Schloss zu laufen. Katia tigert selbstredend sofort los – und wird, welch Wunder, am nächsten Morgen tot aufgefunden. Mittlerweile ist das Schloss von der Außenwelt abgeschlossen, also macht man das Beste aus der Situation: Katia wird beerdigt und es wird getanzt und gestrippt. Vera, eine der Tänzerinnen, freundet sich mit dem Grafen Gabor Kernassy an, der ihr sein stilecht eingerichtetes Mad Scientist-Labor im Keller zeigt und ihr erklärt, dass dieses Schloss ein furchtbares Geheimnis in sich birgt. Was für eines, das merkt Vera als sie Gabor in einer Gruft wiederbegegnet, und der ihr prompt an die Gurgel geht …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Normalerweise versuche ich ja schon, die Inhaltsangaben der Filme ernsthaft zu verfassen. Zumindest versuche ich es, aber hier klappt das einfach nicht. Zu leichtfüßig ist der augenzwinkernde Humor der gesehenen englischen Version, und ernstnehmen kann man den Streifen sowieso nicht. Die englische Sprachfassung bietet einiges an Witz, und die deutsche Kinofassung scheint dem Zuschauer sogar jede Menge Kalauer um die Ohren zu schlagen. Terza Visione, bitte übernehmen sie …

     

    So oder so ist das UNGEHEUER VON SCHLOSS BANTRY durchaus ein Erlebnis. Kim Newman trifft den Nagel auf den Kopf wenn er erklärt, dass in der ersten Hälfte Frauen in Unterwäsche zu sehen sind, und in der zweiten Hälfte der Vampir die Frauen jagt, die aber immer noch Unterwäsche tragen. Ich meine hey, der Film ist aus dem Jahr 1960! Lila Rocco ist mindestens 2 Minuten in einem Nachthemd zu sehen das auch nach heutigen Maßstäben noch den Begriff „transparent“ verdient, und Maria Giovannini geht als erster nackter Vampir in die Filmgeschichte ein! Was Hammer Productions und Jean Rollin in den 70-er Jahren gemacht haben, Piero Regnoli hat das, auf sehr kleiner Flamme, bereits 1960 vorgemacht: Nackte Vampirbrüste!!! Nein, ich habe keinen Screenshot gemacht, das darf jeder für sich entdecken. Und der Striptease den Erika Dicenta hinlegt, der ist auch heute noch heiß! Kein Wunder, dass die britische Uraufführung erst 1965 war …

     

    Ansonsten bietet der Streifen wie zu erwarten wenig Überraschungen: Walter Brandi agiert wie Bela Lugosi am Ende seiner Karriere, das Schloss kennt man aus gefühlt 1000 anderen italienischen Horrorfilmen und Gialli, die Handlung ist absehbar … Aber trotzdem, irgendetwas schwingt da mit, ein Hauch von Renato Polselli, der im gleichen Jahr DIE GELIEBTE DES VAMPIRS drehte, und dessen Handlung ausgesprochen ähnlich ist. Inklusive männlichem Hauptdarsteller und Teilen des Stabs.

    Und so haben wir hier neben den angesprochenen Nuditäten … Nein, ich muss anders anfangen. Dass nämlich Erika Dicenta fast unmittelbar nach dem Begräbnis ihrer Kollegin strippt, das wäre schon fast ein Fall für Sigmund Freud. Oder eben Renato Polselli. Dann haben wir den kauzigen Manager Alfredo Rizzo, der für das Comic Relief zuständig ist, und auch mal ein Pornoheftchen streichelnd selig in den Schlaf sinkt. Oder den Faustkampf Mann gegen Vampir im staubigen Keller, der ebenfalls ein klein bisschen Polselli-Flair versprüht, recht dynamisch rüberkommt, und 2 Jahre später in Roberto Mauris DIE RACHE DES VAMPIRS wiederholt wird. (Wiederum mit Walter Brandi.) Und natürlich, last but not least, die kleinen Eigenheiten, die Details, die den Film zu etwas ganz Eigenem machen. So sind die Fackelhalter in den Gängen in Form von aus den Wänden ragenden Armen und Fäusten etwa herzallerliebst, und das unaussprechliche Teil, auf das Katia kurz vor ihrem Tod starrt, könnte so auch aus einem Voodoo-Streifen stammen. Nicht zu vergessen die Musik, die ein ganz eigenes Leben führt, fern von diesem Film, und eigentlich mehr mit einem Kriminaldrama aus Hollywoods schwarzer Serie zu tun hat. Irgendwie hab ich bei jedem hochdramatischen Musikeinsatz Burt Lancaster vor mir gesehen, der gerade erfährt dass er zum Tode verurteilt wurde …

     

    Zusammen mit dem erwähnten Humor hat der Film einfach was. Nicht den Irrsinn eines Polsellis, doch es geht in dieselbe Richtung, bleibt dabei aber genügend ernsthaft um beim Showdown Spannung zu verbreiten. Auch das Schicksal Katias ist ein Nacktes und Schockierendes welches, und solche Ruppigkeiten machen dann einfach Stimmung. Letzten Endes sind es die Mädels die hier die Hauptrollen spielen und bestimmen wo es langgeht. Walter Brandi ist wie erwähnt nicht erwähnenswert, Alfredo Rizzi kann man nicht ernstnehmen, und der ausgesprochen gut aussehende Leonardo Botta als Busfahrer hat zu wenig Screentime und prägnante Szenen um sich durchzusetzen. Maria Giovannini als nackte Katia hingegen, die bleibt im Gedächtnis hängen. Allein schon deswegen weil sie ausschaut wie eine süditalienische Schönheit und auch genauso agiert. Schaut man sich ihre Szenen ohne Ton an, dann schweigt man sofort ganz still und mampft die Spaghetti in sich hinein. Wer da widerspricht bekommt Ohrfeigen! Lyla Rocco hingegen wirkt immer etwas brav, kann aber den Film durchaus tragen, weil ganz einfach ihre schauspielerischen Fähigkeiten und ihre Präsenz ausreichen. Und spätestens, wenn sie sich im schwarzen Korsett und mit schwarzen High Heels auf ihr Bett legt und vor sich hin sinniert könnte sichtlich auch jederzeit die Wildkatze aus ihr herausbrechen. Wie geht die Szene weiter? Nun ja, sie steht wieder auf, legt sich einen schwarzen Ledermantel um und sucht in den staubigen und kalten Verliesen ihr Vergnügen. Schade dass UNGEHEUER ihr letzter Film war, von der Dame hätte ich gerne mehr gesehen. Nicht zu vergessen Tilde Damiani als die ziemlich sinistre Miss Balasz, bei der ich nur ungern angekettet wäre wenn ich ihr begegnen würde. Oder sehr gerne, je nachdem …

     

    Insgesamt also ein heiterer Mischmasch aus freizügigen Frauen, gruseligen Gruften und heiter-hinrissigen Handlungslementen. Bei weitem nicht so ernsthaft wie etwa DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT, aber unterhaltsamer als DIE RACHE DES VAMPIRS. Hach ich liebe diese alten Gothic-Grusler einfach, die sind so herrlich anders …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die britische DVD von Nucleus Films. Pros dieser Ausgabe: Eine humor- und liebevolle historische Einordung des britischen Filmkritikers Kim Newman, der englische Originaltrailer, eine 8-mm-Fassung (ohne Ton), eine kurze Deleted Scene aus der französischen Fassung und eine Bildergalerie mit altem Werbematerial. Ferner italienischer Originalton, die hervorragende englische Sprachfassung und optionale englische Untertitel für beide Sprachen, wobei die UTs an den italienischen Ton angelehnt sind, nicht an die englische Synchronisation.

     

    Nicht so dolle: Das Bild ist leider nicht wirklich gut, aber zumindest ausreichend. Der italienische Ton ist extrem dumpf und schaltet für die Fehlstellen der italienischen Fassung ständig zwischen den beiden Sprachen hin und her. Lieber also gleich die englische Fassung schauen, die Synchronisation ist wirklich erstklassig! Tja, und dann ist da noch das Problem mit den Laufzeiten. Kim Newman spricht von einer 86-minütigen Fassung, die meisten Quellen im Internet (u.a. die englische Wikipedia) von 83 Minuten. Die US-DVD von Image Entertainment wird mit 81 Minuten angegeben – und die vorliegende Fassung von Nucleus läuft 77 Minuten (obwohl auf dem Backcover von 80 Minuten gefaselt wird). Festhalten kann ich nur, dass mir keine Sprünge in den Anschlüssen auffielen und auch generell nichts Entscheidendes gefehlt hat. Vermutlich handelt es sich um die englische Version, und ich könnte mir ohne weiteres vorstellen das diese ein klein wenig prüder ist. Aber wissen weiß ich es nicht …

  • Autor: Maulwurf
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