Suchen

...und vor Lust zu sterben

Frankreich | Italien, 1960

  • Originaltitel: Et mourir de plaisir
  • Alternativtitel:

    Il sangue e la rosa (ITA)

    Blood and Roses (UK)

  • Deutsche Erstaufführung: 27.01.1961
  • Regisseur: Roger Vadim
  • Kamera: Claude Renoir
  • Musik: Jean Prodromidès
  • Drehbuch: Roger Vadim, Roger Vailland
  • Inhalt:

    Leopoldo von Karlstein (Mel Ferrer) steht kurz vor der Hochzeit mit seiner Verlobten Georgia (Elsa Martinelli) und damit dieser Akt auch gebührend gefeiert wird, soll ein großes Fest auf seinem Anwesen stattfinden. Unter den Gästen ist allerdings auch Leopoldo's Cousine Carmilla (Annette Stroyberg), welche schon in frühen Jugendjahren innerlich für den Adligen schwärmte und ihr Begehren nach ihm immer noch nicht abschütteln kann. Und auch ihre erzählte Geschichte über die familiären Vorfahren, lässt eine gewisse Ähnlichkeit zu ihren Gefühlen ableiten, denn ihre Ahnin Millarca, bezirzte ebenfalls ein männliches Familien-Mitglied, wurde aber von anderen Frauen um ihre große Liebe betrogen, worauf sie daraufhin Rache an ihnen ausübte und alle Liebhaberinnen verfluchte. Außerdem geht immer noch die Legende um, das es sich bei der Karnstein-Sippe um Vampire handelt, was Leopoldo aber entscheidend zurückweist, indem er aufklärt, das der letzte Blutsauger aus seiner Familie vor über 100 Jahren das Zeitliche gesegnet haben soll. Aber zurück zur anstehenden Hochzeit, da soll es nämlich pompös hergehen, denn ein mächtiges Feuerwerk wird auf dem angrenzenden, leeren Friedhof stattfinden, welcher zum Familienbesitz gehört und nur noch einer Ruine ähnelt. Während alle vergnügt feiern, spaziert Carmilla, von Eifersucht gepackt und leicht angetrunken, auf eben diesen Friedhof, während plötzlich das Feuerwerk einsetzt und dadurch einige Minen aus dem letzten Krieg in die Luft gehen. Daraufhin wird die geheime Gruft von Millarca freigelegt, welche von der in Trance umherirrenden Nachfahrin sofort gefunden wird. Und nach dieser Nacht, ist Carmilla keinesfalls mehr dieselbe - ihr Körper ist kalt, Tiere fürchten sich vor ihr, ein Dienstmädchen verschwindet und wird am nächsten Tag mit Bisswunden am Hals tot aufgefunden. Ist Carmilla etwa von der Blutsaugerin Mircalla besessen?

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    Dies war mein allererster Film von Roger Vadim, darum kann ich um seine (überall zu lesenden) Frauengeschichten und auch zur Art, wie er das weibliche Geschlecht in seinen Vorgängerfilmen portraitierte, wenig sagen. Sicher, die Reize der Hauptdarstellerin Annette Stroyberg (hier als Annette Vadim, sie ging ihm also auch in's Netz) werden immer ordentlich in's Licht gerückt, aber allzu plakativ finde ich das nicht. Da gab es andere Regisseure, die ihre Musen weitaus offensiver dem Publikum präsentierten, aber das soll hier jetzt keine große Rolle spielen, denn egal ob aus weiblicher oder männlicher Sicht - der Cast macht seine Sache auf jeden Fall hervorragend. Allen voran aber Frau Stroyberg (oder halt Frau Vadim), denn sie läßt diese unterdrückte Eifersucht vollends aufblühen, während sie nach ihrer "Transformation" diese morbide Leere spielerisch sehr gut beheerscht. Natürlich wurde Madame Stroyberg's Schönheit von ihrem Gatten wundervoll in erotischen Bildern eingefangen, welche aber zu keiner Zeit den Anspruch verlieren oder in's Schmierige abzudriften drohen. Mit Elsa Martinelli wurde ihr der Gegenpart als Verlobte von Leopoldo an die Seite gestellt, welche Carmilla als Schwester wahrnimmt und sehr besorgt über ihre Veränderung ist. Martinelli ist hier die gute Seele des Films und beweist auch mit ihrer Zugeknöpftheit eine gewisse Sexyness, zudem sie, auch nachdem sie Carmilla's heimliche Gefühle für Leopoldo durchschaut, zu keiner Zeit eine offensichtliche Eifersucht oder Hassgefühle ihr gegenüber verspührt. Leopoldo dagegen, sehr gut durch den Amerikaner Mel Ferrer verkörpert, liebt zwar bedingslos seine zukünftige Ehefrau, kann sich aber mit der Zeit Carmilla's Charme kaum entziehen, auch wenn er es gerne möchte. Da er zu sehr damit beschäftigt ist, den Playboy raushängen zu lassen, erkennt er erst recht nicht die drohende Gefahr, welche von seiner Cousine auszugehen scheint. Aber auch das restliche Ensemble, zumeist aus dem französischem Akteur-Sektor, fügt sich wunderbar in diesen seichten Grusel mit ein.

     

    Aber was heißt hier seichter Grusel, viel mehr sind es kleine fantastische Elemente, ja fast ein tragisches Märchen über Romantik und verschmähte Gefühle, gemixt mit einer großen Portion Glanz der damiligen Zeit und perfekt aufgebauter, ästhetischer Atmosphäre - weitab von den späteren Karnstein-Verfilmungen aus den britischen Hammer-Studios, wo schon vordergründiger auf Erotik und Schockeffekte gezielt wurde. Nein, hier haben wir es mit einer ruhigen,  traumartigen Inszenierung zu tun, welche den Zuschauer eher in das Personengeflecht der Hauptdarsteller integriert, als das mit Effekthascherei und billigen Schocks versucht wird, an der Stange gehalten zu werden - denn ehrlich gesagt, passiert auch über die knapp 80 Minuten nicht wirklich viel, aber die subtile Art, welche von Vadim hier exzellent gesteuert wird, ist definitiv ein dicker Pluspunkt, genau wie das abgelegene Anwesen der Karnsteins, welches von Kameramann Claude Renoir in melancholischer Eleganz des hereinbrechenden Herbstes, eingefangen wurde. Aber nicht nur dieses wurde hervorragend in feinstem Technicolor verewigt, auch die surreale s/w-Traumsequenz, welche sich plötzlich blutrot färbt, ist mit damaliger technischer Raffinesse wirklich beeindruckend, ebenfalls strahlt das Feuerwerk auf der Begräbnisstätte in voller unterschiedlicher Farbenpracht - ein Fest für die Augen und ich wurde kurz an eine ähnliche Sequenz aus Hitchcock's "Über den Dächern von Nizza" erinnert.

     

    In der Tat ein wunderschön anzusehender Film - ruhig und mit einer großen Portion tragischer Romantik versehen, hat Roger Vadim dennoch einen kleinen Gruseldiamanten geschliffen, welche den Wohlfühlfaktor für Liebhaber solcher Perlen sofort bedienen dürfte und sicherlich auch nachfolgende Filme mit dem Vampir-Thema maßgeblich beeinflussen konnte.

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.