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Tristana

Frankreich | Italien | Spanien, 1970

  • Originaltitel: Tristana
  • Alternativtitel:

    Tristana, Uma Paixão Mórbida (BRA)

    Tristana, Una Passione Morbosa (ITA)

    Tristana, Amor Perverso (POR)

  • Regisseur: Luis Buñuel
  • Kamera: José F. Aguayo
  • Musik: Frédéric Chopin
  • Drehbuch: Julio Alejandro, Luis Buñuel
  • Inhalt:

    Tristana (Deneuve) begibt sich auf Wunsch ihrer just verstorbenen Mutter in die Obhut des väterlich wirkenden Lebemannes Don Lope (Rey). Dieser ist ein aufgeklärt-atheistischer, verarmter Bourgeois, der mit seiner Haushälterin Saturna (Gaos) zusammenlebt. Hinter seiner beschützenden Fassade kommt alsbald ein erotisches Verlangen Tristana gegenüber zum Vorschein, welches diese aus verständlichen Gründen anwidert. In ihrem Träumen sieht sie Don Lope enthauptet, sein abgeschlagener Kopf schlägt wieder und wieder gegen eine Kirchenglocke. Um an Geld zu kommen, veräußert Lope den Nachlass von Tristanas verstorbener Mutter, und schließlich nimmt er Tristana gewaltsam — er sagt ihr ganz offen, dass er sie nicht nur als Tochter, sondern eben auch als Geliebte sieht. Gleichzeitig ermutigt er sie, sich als »freie Frau« zu entfalten. Sein Begehren treibt Tristana schließlich aus dem Hause. Sie verliebt sich in den schönen Maler Horacio (Nero) und verbringt zwei glückliche Jahre mit ihm. Dann jedoch kehrt sie, gesundheitlich schwer angeschlagen, zu Lope zurück: aufgrund eines Tumors muss ihr ein Bein amputiert werden, und die kraft- und widerstandslose Tristana willigt schließlich ein, Don Lopes Frau zu werden. Sexuell jedoch verweigert sie sich ihm weiterhin. So verbringen die Eheleute Jahr um Jahr in einer kalten, von Abhängigkeiten geprägten Ehe ohne Leidenschaft. Schließlich ist Don Lope alt und krank. In einer Winternacht ruft er, delirierend und desolat, Tristana zur Hilfe, sie möge bitte den Arzt rufen. Diese öffnet daraufhin das Fenster und lässt Don Lope ungerührt sterben.

  • Autor: André Schneider
  • Review:

    Zugegeben, ich bin kein großer Freund Buñuels. In der Theorie gefallen mir seine Filme, doch wenn ich sie dann sehe, langweilen sie mich meist zu Tode. Fußfetischismus und Katholizismus schienen seine einzigen Themen zu sein. Auf Dauer sehr ermüdend. Buñuels Vita selbst dagegen ist mit ihren Brüchen, Irr- und Umwegen ungeheuer spannend. Wer sich zu seiner cinephilen Neigung bekennt, kommt nicht umhin, sich mit dem großen spanischen Meister (1900-1983), der den Großteil seines Lebens im Exil verbringen musste, zu beschäftigen. Für mich ragt »Tristana«, 1969 in Toledo und Madrid gedreht und im März 1970 uraufgeführt, aus Buñuels Schaffen heraus: ein zeitlos schöner, aktueller Film nach dem Roman von Benito Pérez Galdós, dessen »Nazarín« Buñuel bereits 1959 verfilmt hatte. Gut zehn Jahre nach dem Skandal um »Viridiana« (1961, ebenfalls mit Fernando Rey) konnte der Regisseur mit »Tristana« endlich wieder einen Film in seinem Heimatland realisieren, noch dazu in der Stadt, in der er einst studiert hatte. So wurde »Tristana« auch eine Liebeserklärung an Toledo und profitiert enorm von der düster-mittelalterlichen Atmosphäre der Stadt. »Tristana« ist ganz in schwarz, grau, und ocker gehalten; sogar die Haare der Deneuve sind hier braun statt blond. Die Schauspielerin, die zuvor schon in »Belle de jour« (1967, mit Jean Sorel) mit Buñuel zusammengearbeitet hatte, konnte als Tristana ihr Talent in einer für sie ungewohnt schwierigen und vielschichtigen Rolle entfalten. So ist dieser Film auch bis heute ihr persönlicher Liebling geblieben. — »Tristana« wurde 1971 für einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert, unterlag jedoch dem italienischen Beitrag »Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto« (Regie: Elio Petri).

  • Autor: André Schneider
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