Trauminsel

Italien, 1982

  • Originaltitel: Due gocce d'acqua salata
  • Alternativtitel:

    La isla azul (MEX)

    A Ilha Azul (POR)

    Blue Island

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Dezember 1982
  • Regisseur: Luigi Russo, Enzo Doria
  • Kamera: Luigi Russo
  • Musik: Franco Piersanti
  • Drehbuch: Enzo Doria, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Die Teenager Bonnie (Sabrina Siani) und Billy (Fabio Meyer) sind die einzigen Überlebenden eines Flugzeugabsturzes. Nach ein paar Tagen in einer aufblasbaren Rettungsinsel erreichen sie eine richtige Insel, reich an Nahrung und frischem Wasser. Allerdings gibt es nicht viel zu tun, abgesehen vom Schwimmen und aus Jungfrau Billy (bisher Sportler) einen richtigen Mann zu machen. Doch es droht auch Gefahr.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Kennst Du den Film „Die Blaue Lagune?“
    „Nein, was hat das mit uns zu tun?“
    „Das ist schwierig zu erklären.“
    (Dialog aus „Trauminsel“)

     

    So schwer zu erklären nun auch wieder nicht. Warum schaue ich mir sowas überhaupt an, selbst schuld. Im selben Jahr wie Umberto Lenzis „Daughter of the Jungle“ (Incontro nell’ultimo paradiso) fiel Regie-Granate Luigi Rosso und seinem Kumpel Enzo Doria die herrliche Aufgabe zu, mit noch weniger Geld und noch viel weniger Darstellern noch ein Inselfilmchen mit Sabrina Siani zu drehen.

     

    In einem gemeinsamen Brainstorming hauten Enzo Doria und Dardano Sacchetti dabei ein Szenario und vor allem Dialoge raus, dass eine Depotspritze Haldol dagegen wie ein Freudenfest anmutet. Zum Positiven: es gibt als großen Spannungsmoment gleich zu Anfang einen Flugzeugabsturz. Zum Negativen: der Flugzeugabsturz, den Jess Franco für „X-312 – Flug zur Hölle“ drehte, ist besser gelungen. Anschließend erweist sich unser Held Billy als ebenso großer Kavalier wie Leonardo di Caprio in „Titanic.“ Er treibt allein auf einem Koffer übers Meer. Als er die Rettungsinsel mit Sabrina Siani erreicht, wartet er, bis Madame ausgeschlafen hat und ihn zu sich rein bittet. Egal, wieder eine Minute rum.

     

    Man erreicht dann nach einem Regenguss (noch ein dramatischer Höhepunkt!) die Trauminsel, und nach weiteren ca. 10 Minuten schmerzhafter Dialoge zieht Sabrina Siani sich endlich zum ersten Mal aus, und mit ihren Brüsten müssen wir uns bis zur Mitte des Films begnügen, denn erst dann geht es weiter in Richtung Sex. Jetzt würde ich gerne schreiben, dass es eine ästhetisch gefilmte Sexszene zwischen den Beiden gibt, aber leider haben beide – insbesondere aber Fabio Meyer – eine starke Neigung zu Sommersprossen und Pickeln, und die viele Sonne hat ihnen nicht gutgetan. Obendrein geht die Kamera viel zu dicht an die Gesichter ran. Sieht nicht gut aus, hätte man gleich zu Anfang drehen sollen, stattdessen hat man wohl - nach dem Aussehen der beiden zu schließen – bis gegen Ende der Dreharbeiten gewartet.

     

    Kommen wir also anschließend zur Gefahr der Tropeninsel, die unsere beiden Liebenden bedroht. Es ist ein korpulenter Mann, mit Haaren vom Kopf bis zu den Zehen, gespielt von Mario Pedone. Die Story will uns diesen Schiffbrüchigen – der leicht infantil veranlagt ist – als hünenhaften Riesen verkaufen, weshalb die Kamera auch viel Zeit am Boden und der Darsteller ebenso viel Zeit auf erhöhten Steinen zubringen muss, denn tatsächlich ist er kleiner als Siani und Fabio Meyer. Für die Kamera und den Schnitt übrigens ebenfalls Regisseur Luigi Rosso am Werk, das spart Zeit und Geld. Weitere dramatische Höhepunkte wären das Auffinden eines Surfbretts und eine Art Tanzduell zwischen dem Hünen und Sabrina Siani. Sorry, aber der korpulente Mann tanzt besser.

     

    Nichtsdestotrotz, Sabrina Siani hat in „Trauminsel“ zwei Mal richtig mein Herz berührt, denn zwei Mal hat sie – unabhängig vom Drehbuch – gelöst gelächelt, so fiel die maskenhafte Kamera-Starre von ihr ab, und sie wirkte menschlich-schön und richtig entspannt. Leider nur für Sekundenbruchteile. Zum Ende des Films dachte ich für einen Augenblick, der Film sei gerettet, denn was da passierte war außergewöhnlich und unerwartet. Leider verkackt Luigi Rosso selbst das und setzt in den letzten paar Sekunden mit einem Happy-End nach, dass die Wirkung der vorherigen Szene augenblicklich wieder vernichtet.

     

    Fazit: „Daughter of the Jungle“ von Umberto Lenzi ist deutlich besser als „Trauminsel“ und „Daughter of the Jungle“ ist alles andere als gut. Auch Luigi Rossos ein Jahr später entstandener „Adamo ed Eva, la prima storia d'amore“ mit Mark Gregory ist besser gelungen, hat aber wohl auch Zwei Fuffzig mehr gekostet - und der ist wirklich billig.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die deutsche VHS von UFA hatte ein paar leichte Kürzungen, und insbesondere auf eine der Dialogszenen hätte ich nur ungern verzichtet, die ist richtig (unfreiwillig natürlich) lustig.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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