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Tragic Ceremony

Italien | Spanien, 1972

  • Originaltitel: Estratto dagli archivi segreti della polizia di una capitale europea
  • Alternativtitel:

    Trágica ceremonia en villa Alexander (SPA)

  • Regisseur: Riccardo Freda
  • Kamera: Francisco Fraile
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Mario Bianchi, José Gutiérrez Maesso, Leonardo Martín
  • Inhalt:

    Vier Hippies geht der Sprit aus. Ein mysteriöser Tankwart, der ihnen kein Benzin verkaufen will, lotst das langhaarige Quartett zur Villa der geheimnisvollen Lady Alexander. Dort finden gerade die letzten Vorbereitungen zu einer Schwarzen Messe statt und für die Hippies beginnt eine Nacht des Schreckens...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Beim Namen Riccardo Freda denke ich in erster Linie an virtuose Schwarz/weiß-Gothic made in Italia; auch wenn Horrorfilme den geringeren Teil seiner Filmographie ausmachen. Sein L ´ORRIBLE SEGRETO DEL DR. HICHCOCK aus dem Jahr 1962 mit einem Hauch von Nekrophilie und Barbara Steele in der weiblichen Hauptrolle ist trotzdem ein Genreklassiker.

     

    Fredas sonderbar eigentümliche TRAGIC CEREMONY beinhaltet ebenfalls Elemente des klassischen Gruselfilms, welche allerdings mit Verweise auf den grausigen Helter Skelter der Manson Family und herben 70er Jahre-Splatter ergänzt werden. Rätselhafte Todesfälle, Teufelsanbeter, Körperwanderungen sowie übersinnliche Szenarien sind Bestandteile eines Films, der ähnlich wie Bavas LISA UND DER TEUFEL weniger wie eine in sich geschlossene Geschichte als viel mehr wie ein böser Traum wirkt. Daher sollte man nicht auf alle Fragen Antworten erwarten. Einige irritierende Storywendungen müssen zugunsten der durchgängig düsteren Atmosphäre in Kauf genommen werden.

     

    TRAGIC CEREMONY ist keine leichte Kost. Hier haben wir einen Film, der sich nicht unbedingt beim ersten Sehen erschließt. Es könnten durchaus weitere Durchläufe notwendig sein, ehe Fredas Alptraumszenario seine volle Wirkung entfaltet.

     

    Eurohorror-Enthusiasten mit einer Schwäche für halluzinatorische Obskurisitäten dürften aber schon beim ersten Date verzaubert sein. Zumal die weiblichen Hauptrollen glänzend mit alten Bekannten besetzt sind. 99 WOMEN’s Ex-Bondgirl Luciana Paluzzi spielt die teuflische Lady Alexander. Und Camille Keaton, die als Vergewaltigungsopfer und Todesengel in Personalunion im Rape & Revenge-Klassiker I SPIT ON YOUR GRAVE unsterblich wurde, wird in TRAGIC CEREMONY zum Spielball des Teufels. Auf musikalischer Seite überzeugen die bedrückenden, traurigen Kompositionen von Stelvio Cipriani.

     

    Neben vielen unheimlichen und atmosphärischen Momenten gibt es auch einige äußerst blutige zu bestaunen. Der Gorewizard der 70er Carlo Rambaldi, der schon in Filmen wie TWITCH OF THE DEATH NERVE, FLESH FOR FRANKENSTEIN oder DEEP RED das Rot vergoß und später in Hollywood die allseits bekannten ALIEN-Schädel mitgestaltet hat, schwingt in einer kurzen, aber heftigen Massakerszene die ganz grobe Kelle. Da werden Gesichter gespalten, Köpfe abgeschlagen oder durchschossen und das Blut spritzt in leuchtendem Karmin durch die Hallen der Kultisten. Ganz am Ende hält er für das Publikum eine in ihrer Schaurigkeit besonders denkwürdige Maske bereit.

     

    Alles in allem ist TRAGIC CEREMONY ein seltsamer Horrorfilm, der neben inhaltlichen Wirrnissen auch einige Längen hat. Diese weiß er aber mit ein paar richtig unheimlichen Szenen, sparsam, aber heftig eingesetzten Goreeffekten und Camille Keaton zu egalisieren. Und sein Originaltitel, der beim Vorspann kaum auf den Bildschirm passt, macht meinem bisherigen Darling der übertrieben langen Filmnamen - RITI, MAGIE NERE E SEGRETE ORGE NEL TRECENTO - glatt den Thron streitig.

     

    Fazit: In diesem kaum bekannten und hierzulande noch unveröffentlichten Stück Eurohorror lässt Altmeister Freda höllische Mächte vier Hippies aufs Korn nehmen. Dabei mixt er gothischen Grusel, merkwürdige Begebenheiten, Psychotronik und überraschend heftigen Splatter zu einem düsteren, eigenartigen Alptraumcocktail.

  • Autor: Christian Ade
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