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Tote werfen keine Schatten

Italien, 1970

  • Originaltitel: Inginocchiati straniero... I cadaveri non fanno ombra!
  • Alternativtitel:

    Os Cadáveres não Fazem Sombra (BRA)

    Dead Men Don't Make Shadows (USA)

    Stranger That Kneels Beside the Shadow of a Corpse (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 02. Juli 1971
  • Regisseur: Demofilo Fidani
  • Kamera: Joe D'Amato
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Demofilo Fidani, Franco Mannocchi
  • Inhalt:

    Der Kopfgeldjäger Sabata geht um, und er arbeitet am größten Coup seiner Karriere: Er reitet und reitet und reitet in das Dorf in dem der fiese Obermöpp Barrett arme Mexikaner ausbeutet. Dort möchte er das Kopfgeld für alle Banditen im Ort auf einmal kassieren, alternativ kann sich Barrett aber auch mit der Zahlung von 100.000 Dollar freikaufen. In dem Dorf muss Sabata sich mit dem brutalen Medina und dessen dämlichen Männern auseinandersetzen sowie mit der schönen Hexe Maya, die sogar Barrett Paroli bietet. Doch ihm auf den Fersen ist ein blonder Terence Hill-Verschnitt, der mächtig – einstecken kann. Und der ganz eigene Pläne hat …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Also ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Die gefürchtete Fidani’sche Endlosreiterei verteilt sich auf die ersten 20 Minuten und ist dann für diesen Film weitgehend gegessen. Idiotische Totalen hat es auch nicht so viele, meistens ist ja doch irgendwas Sinnvolles zu sehen, und die Musik ist gar nicht so schlecht, wenngleich nach fast 90 Minuten Dauerberieselung etwas nervig.

     

    Nein, im Wesentlichen passt hier eigentlich sehr vieles. Und bei Fidani sind sowieso andere Dinge wichtig – Dinge, welche seine Filme erst so richtig reifen lassen: Die beiden Kakteen zu Beispiel, die wie in allen seinen Western inflationär durch die Gegend stehen. Oder dieser wahnsinnige Plottwist, dass der Kapo Medina zwar den Auftrag bekommt Sabata (in der englischen Version Lazar Peacock) umzulegen, stattdessen sich aber erstmal gefühlt stundenlang auf dem Fest der Schutzheiligen vergnügt und angeregt mit seiner Maya tanzt. Zwar völlig widersinnig, aber nett, und dass die Filmcrew dabei sehr viel Spaß hatte ist deutlich zu sehen. Es sei ihnen gegönnt! Auch sehr schön ist die Szene, in der praktisch die gesamte Bande bei Barrett ins Büro kommt, sich einen Anschiss abholt der sich ordentlich gewaschen hat, („Was habt ihr eigentlich im Hirn? Scheisse?“) und anschließend mit einem braven „Vielen Dank Senior Barrett“ wieder abzieht. Die Typen sind nicht mal geknickt, die freuen sich tatsächlich dass sie mal einer zusammenstaucht. Arbeitnehmer wie man sie sich nur wünschen kann …

     

    Solche Szenen, die in einem „ernst gemeinten“ Italo-Western wahrscheinlich Showstopper wären, sind hier eher das Salz in der mitunter leicht ungewürzten Suppe. Sie sorgen für das neckische Lächeln beim Anschauen und die entspannte Stimmung. Ebenfalls für entspannte Stimmung (kann man aber auch genau andersherum sehen) sorgt Fidani-Tochter Simonetta Vitelli (aka Simone Blondell), die mit schwarzen Haaren als rassige Mexikanerin geschminkt verdammt viel hermacht, mehr als normalerweise als Blondine, und jede Menge Sex-Appeal in die Runde wirft. Daneben kann Benito Pacifico, der als Dennis Colt einen ordentlichen Bösewicht abgibt, ebenfalls punkten, wenngleich sein Kostüm eher an einen Trainingsstrampler für den Fasching erinnert denn an eine ordnungsgemäße mexikanische Schurkenklamotte. Und Hunt Powers wirkt (wie eigentlich meistens) tatsächlich eiskalt und seine Ausstrahlung rettet den Streifen ebenfalls auf jeden Fall ein gutes Stück weiter. Chet Davis hingegen dürfte als ganz klarer Versuch gesehen werden die Terence Hill-Fans anzusprechen, was mangels Ausstrahlung dann allerdings eher nach hinten losgeht. Gordon Mitchell hat wie so oft sehr wenig Screentime, aber zum Zähnezeigen und Augenrollen langt es allemal, und Ettore Manni ist als Barrett eher feist als fies …

     

    Und spätestens wenn der kleine Mexikanerjunge wehmütig seinem Vater hinterherwinkt kommt man nicht umhin auch die ordentliche Kameraarbeit von Aristide Massaccesi (aka Joe d’Amato) zu bemerken, die den ein oder anderen gelungenen Blickwinkel bietet und den Film zu den richtig billigen Western deutlich abgrenzt. Auch die Musik ist, ich erwähnte es bereits, nicht schlecht, und insgesamt habe ich schon erheblich grottigere Western gesehen als ausgerechnet TOTE WERFEN KEINE SCHATTEN. Klar, Güteklasse A geht anders, aber für zwischendurch und ohne große Ansprüche, oder als Einstieg in das Fidani-Universum, ist das immer noch Handwerk der leicht abgesenkten Mittelklasse. Auch wenn mir das jetzt keiner glauben mag. Und nachdem ich erst vor kurzem Paolo Bianchinis BLEIGERICHT gesehen habe muss ich konstatieren, dass TOTE WERFEN KEINE SCHATTEN diesem um einiges überlegen ist! Die fast zirkusartige Atmosphäre und die Hanswurste in BLEIGERICHT stören doch einigermaßen, während der Fidani in Punkto Ernsthaftigkeit und Westernstimmung deutlich die Nase vorne hat. Nee nee, für einen Fidani ist der schon sehr ordentlich. Ob es sein bester ist kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich zu wenig gesehen, aber unterhalten tut der Streifen allemal …

  • Autor: Maulwurf
  • Links

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