Too Beautiful to Die

Italien, 1988

  • Originaltitel: Sotto il vestito niente II
  • Alternativtitel:

    Demasiado bellas para morir (ESP)

    They Only Come Out at Night (USA)

  • Regisseur: Dario Piana
  • Kamera: Alan Jones
  • Musik: Roberto Cacciapaglia
  • Drehbuch: Achille Manzotti, Dario Piana, Claudio Mancini, Sergio Donati
  • Inhalt:

    Das Model Sylvia O’Neal (Gioia Scola) steht ebenso wie ihre Kolleginnen Lauren, Michelle und Leslie (Randi Ingerman, Helana Jesus und Nora Ariffin) bei dem zwielichtigen Alex Conti unter Vertrag. Beim Dreh zu einem Werbespot mit Regisseur David wird der Auftraggeber und reiche Geschäftsmann Rizzi auf sie aufmerksam. Der erpresst Alex, der Silvia zu einer vermeintlichen Party in sein Haus lockt, die dort von Rizzi vergewaltigt wird, während ihre „Freundinnen“ sie festhalten.

     

    Am nächsten Morgen wird Silvias verkohlter Leichnam in einem Autowrack gefunden und für Commissario Brandani sieht es zunächst nach einem Unfall aus – wäre da nicht das Einschussloch von einer 22er in ihrem Kopf. Regisseur David, der gerade ein Musikvideo dreht, stößt auf der Suche nach Ersatz für Sylvia auf die schöne Amerikanerin Melanie Roberts (Florence Guérin), die in einem futuristischen Endzeit-Setting den Hauptpart übernehmen soll.

     

    Doch dann beginnen die Morde, mithilfe eines eigens für das Musikvideo hergestellten Mordwerkzeugs scheint ein maskierter Unbekannter Rache für Sylvias Tod nehmen zu wollen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Nach dem Erfolg von „The Last Shot“ (Sotto il vestito niente, 1985) von Carlo Vanzina wollte Produzent Achille Manzotti noch einmal von dem Konzept Unbekannter-Killer-mordet-schöne-Models profitieren und gibt diese Fortsetzung in Auftrag, die nur thematisch aber keineswegs inhaltlich mit dem Vorgänger zu tun hat. Als Regisseur verpflichtet er den Zeichner und Werbefilmer Dario Piana, eine Entscheidung, die sich stilistisch bewährt.

     

    Ich will ehrlich sein, der Film „Too beautiful to die“ fiel mir schon vor langer Zeit als VHS in die Hände, und ich habe ihn mir damals nicht zu Ende angesehen, weil die Qualität einfach zu kacke war. Umso mehr habe ich mich über die Blu-ray von X-Cess gefreut, auf der man vieles entdecken kann. Zum Beispiel, dass die eigentlich extrem dünne Story hervorragend umgesetzt wurde, mit sehenswerter Kameraarbeit und innovativer Beleuchtung. Dario Piana hat mit Storyboards und Kostümentwürfen seinen Beitrag zum Drehbuch geleistet und einiges davon durfte er am Ende auch umsetzen. Andere geplante Szenen fielen dagegen dem Budget zum Opfer.

     

    Die Geschichte wird spannend erzählt mit einer guten – in den Hauptrollen vorwiegend französisch-stämmigen Besetzung – und schwächelt nur zum Ende hin. Es hätte zwei logische, nachvollziehbare Möglichkeiten für eine Auflösung der Story gegeben, leider hat man sich aber für Tor 3 entschieden. Aber auch das ist im Giallo nicht ungewöhnlich. Stilistisch ist „Too beautiful to die“ wie gesagt perfekt – mit 80er Flair – umgesetzt und musikalisch von dem eher unbekannten Roberto Cacciapaglia untermalt. Aufgepeppt wurde die Musik noch mit ein paar Pop-Songs, u. a. „Warriors oft he Wastelands“ von Frankie Goes To Hollywood und „Perfect World“ von Huey Lewis And The News.“ Unangenehm fällt lediglich ein Musiktrack auf, in dem Cacciapaglia sich bei Bernard Herrmanns „Psycho“-Score bedient hat, überflüssigerweise.

     

    An allen Ecken und Enden des Films kann man Dario Pianas Historie als Werbefilmer spüren. Beim Thema – Werbe- und Musikvideodrehs – und bei der Inszenierung. Piana schafft bewusst distanzierte und kalte Szenarien, deren Realität einsam und falsch wirkt. Das treibt er auf die Spitze in einer Szene, in der Melanie sich als Mitbewohnerin bei ihrer Kollegin einrichtet, wo zu gekünstelt fröhlicher Musik ebenso gekünstelt-fröhlich eine beginnende Freundschaft beschworen wird, die so nicht existiert und nie existieren wird.

     

    Während IMDb noch zwei Dario Pianas listet, bestätigt dieser in einem Interview, das in dem Booklet zur X-Cess Veröffentlichung enthalten ist, dass er neben seiner Tätigkeit als Zeichner, Regisseur von mehr als 600 Werbespots und Co-Drehbuchautor einiger Folgen von Fernsehserien später noch zwei Spielfilm-Regiearbeiten ablieferte: die 2007 entstandene britische Produktion „The Deaths of Ian Stone“ und 2010 „Lost Boys: The Thirst“ mit Corey Feldman.

     

    „Too Beautiful to Die“ gehört in jedem Fall zu den sehenswerteren Spät-Gialli, auch wenn Gorehounds sicher weniger auf ihre Kosten kommen werden. Die Hälfte der Morde geschehen im Off, und auch die übrige Hälfte ist eher blutarm. Trotzdem: eine sehr gute Inszenierung mit überwiegend überzeugenden Darstellern.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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