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Töte, Ringo, töte

Italien, 1966

  • Originaltitel: Uno sceriffo tutto d'oro
  • Alternativtitel:

    Um Xerife Todo de Ouro (BRA)

    Golden Sheriff (ESP)

    L'or du sherif (FRA)

    Sheriff with the Gold (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 30. Dezember 1968
  • Regisseur: Osvaldo Civirani
  • Kamera: Osvaldo Civirani
  • Musik: Nora Orlandi
  • Drehbuch: Enzo Dell'Aquila, Roberto Gianviti
  • Inhalt:

    Der Sheriff, Jeff Randall, will für (s)einen entspannten Lebensabend vorsorgen. Zu diesem Zweck rekrutiert er Arizona Roy, den er soeben vor dem Tod durch den Strang rettete und mit dem er nun einen Goldraub durchziehen will. Der Überfall ist erfolgreich, aber Roys Unvorsicht und die Schlampe, Jane, sorgen dafür, dass das Gold beim mexikanischen Oberhalunken, Vargas, und seinen Jungs landet. Wird Jeff das Edelmetall zurückerobern und Roy ein zweites Mal vor dem sicheren Tod retten?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Die Jagd nach Geld und Gold erweist sich im Œuvre des Italo-Western als ein stets willkommener compañero, dessen Relevanz mit der des Rachemotivs (zwei Triebfedern, die von Zeit zu Zeit auch Hand in Hand gehen) vergleichbar ist. „Töte, Ringo, töte“ bediente sich der erstgenannten Option und startete am 22.12.1966, einen Tag vor „Zwei glorreiche Halunken“, in den italienischen Kinos. Natürlich haben die beiden Filme nichts miteinander zu schaffen, außer das die Firmierung „The Good, the Bad and the Ugly” zu einem Wortspiel Marke „The Good, the Bad and the Bitch” motiviert, was einen wesentlich spannenderen Klang transportiert, als das lapidare „Sheriff with the Gold“ bzw. „Uno sceriffo tutto d'oro“. Die Termini eines Sprosses, welcher der Blütezeit des italienischen Westerngenres entsprang und neben den vernachlässigten Mauerblümchen, allerdings in deutlicher Distanz zum moronischen und fidanischen Unkraut gepflanzt wurde. Ein Genrevertreter, der der Flora zwar keine sonderlich schmückende Zier verleihen kann, aber wesentlich mehr Düngemittel in der Gießkanne hat, als beispielsweise der ca. 1 Jahr später (ebenfalls von Osvaldo Civirani) inszenierte „Der Sohn des Django“.

     

    „Töte, Ringo, töte“ startet sogar äußerst verheißungsvoll. Tiger und seine Lumpenhunde haben sich im Office des Sheriffs niedergelassen und warten auf dessen Rückkehr, um den Gesetzeshüter zur Hölle zu schicken. Innert dieser appetitanregend inszenierten Konstellation, macht sich eine Unberechenbarkeit breit, die zugleich die Neugier des Zuschauers weckt. Das Warten auf einen Unbekannten! Welche Gefahr muss von diesem Mann ausgehen, wenn es ihm gelingt, acht (!) Pistoleros gegen sich zu mobilisieren. Diese Taktik (die Vorbereitung auf eine anstehende Konfrontation mit einem Fremden, um sich mit ihm zu duellieren oder ihn als Unterstützer zu gewinnen) lässt sich in einigen Western italienischer (z. B. „Spiel mir das Lied von Tod“) und nicht italienischer (z. B. „Zwölf Uhr mittags“) Prägung finden. Die Genannten fungieren zugleich als Paradebeispiele, da sie mit ihren Expositionen den Konfliktaufbau lehrbuchmäßig einleiten.

     

    Das achtköpfige „Empfangskomitee“ bietet mit Luciano Rossi, in der Rolle des Desperados, Jack, der seine Schießkünste bei der Jagd auf Hühner unter Beweis stellt, den mit Abstand markantesten Charakter. Rossi, der in Joe D´Amatos „Die Mörderbestien“ einen wichtigen Faktor (Gretas Bruder Franz) in einem wahnsinnigen und zugleich haarsträubenden Finale darstellt, glänzt während seines Kurzauftritts in „Töte, Ringo, töte“ erneut mit seiner grenzdebilen Mimik. Er, Jack, sowie der Rest der Bande versprühen gar die frühe Hoffnung auf einen extravaganten Italo-Western, der ggf. den Wahnsinn aus „Töte Django“, „El Puro“, „Il Nero“ oder „Willkommen in der Hölle“ transportieren könnte. Aber Pustekuchen, denn nachdem der Sheriff, Jeff Randall, mit den Kanaillen aufgeräumt hat, flacht der Film auch gleich deutlich ab und neigt vorübergehend zu unkoordinierten Abläufen. Man kann dieses Intervall jedoch wohlwollend tolerieren und als eine Findungsphase betrachten, welche „Töte, Ringo, töte“ nach ca. 15 Minuten in den Griff bekommt, sodass der Rezipient anschließend in geordnete Bahnen gelenkt wird.

     

    Die angesprochene Auseinandersetzung zwischen Jeff Randall und den Banditen, welche in den Einstellungsgrößen Total, Halbtotal und Halbnah dargestellt wird und den Body Count schlagartig nach oben schnellen lässt, mündet in ein Konstrukt, das eigentlich finalen Charakter hat. Schließlich strömen, nachdem Randall jeden einzelnen Galgenvogel eliminiert hat, zig Bürger aus ihren Häusern, um an Randalls Triumph teilzuhaben. Man könnte von einem typischen Westernfinale sprechen, das den (Anti)helden nach seiner verrichteten Arbeit dazu drängt, die kleine gesonderte Welt zu verlassen, um wieder im Nichts zu verschwinden. Osvaldo Civirani macht also dort weiter, wo andere aufhören, doch was revolutionär klingen mag, ist nicht mehr als durchschnittliche Hausmannskost.

     

    „Man nannte mich Ringo, bevor ich Sheriff wurde.“ (Jeff Randall)
    „Du bist Ringo, der gefürchtete Killer?“ (Arizona Roy)
    „Genau.“ (Jeff Randall)

     

    Die wahre Identität des Jeff Randall: Ist er nun Sheriff, Marshall oder tatsächlich der sagenumwobene Pistolero Ringo? Leider habe ich keine Möglichkeit, die Originaltonspur zurate zu ziehen, um das Rätsel zu lösen. Folglich müssen wir uns auf das entlarvende Hin und Her der deutschen Synchronisation verlassen, wodurch ein möglicher Eureka Effect, wie ihn z. B. „An den Galgen, Bastardo“ liefert, ausbleibt. Ungeachtet dessen, handelt es sich um eine vorzügliche deutsche Bearbeitung (Film-Synchron GmbH Berlin), die meinen Gesamteindruck (vom Film) deutlich aufwertet kann.

     

    Auch wenn die Story (die Jagd nach Gold) eine altbackene Verfahrensweise transportiert, kann man dem Film nicht absprechen, dass er mit einigen interessanten Momenten und Wendungen ausstaffiert ist. Überdies machen die Hauptprotagonisten, Jacques Berthier (als Jeff Randall) und Luigi Giuliani (als Arizona Roy, für dessen Rolle ursprüngliche Klaus Kinski vorgesehen war), einen ordentlichen Job. Luciano Rossi hat leider zu wenig Spielzeit und darf nur in der Anfangsphase für etwas „Zirkusmief“ sorgen.

     

    Somit bleibt unter dem Strich ein zeitweise dahinplätschernder, aber keineswegs uninteressanter Italo-Western.

  • Autor: Frank Faltin
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