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Töte, Django

Italien | Spanien, 1967

  • Originaltitel: Se sei vivo spara
  • Alternativtitel:

    Oro maldito (ESP)

    Tire encore si tu peux (FRA)

    Django, Kill! (GBR)

    Django Mata (POR)

    Django Kill... If You Live, Shoot! (USA)

    Django - Leck Staub von meinem Colt

  • Deutsche Erstaufführung: 03. Mai 1967
  • Regisseur: Giulio Questi
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Ivan Vandor
  • Drehbuch: Franco Arcalli, Giulio Questi, María del Carmen Martínez Román, Benedetto Benedetti
  • Inhalt:

    „Django“ und seine Lumpenhunde haben sich mit Oaks und dessen Desperados verbündet. Gemeinsam will man einen Goldschatz rauben. Der Coup ist erfolgreich, aber Oaks und seine Halsabscheider denken nicht ans Teilen. Folglich massakrieren sie Django und seine mexikanischen Strolche. Um ein wenig zur Ruhe zu kommen, kehren die Killer in ein kleines Dorf ein. Django konnte das Massaker überleben und ist den Verrätern bereits auf der Spur.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Du wirst nicht weit kommen… Oaks!“ (Django)

     

    Das Œuvre von Giulio Questi umfasst einen spärlichen Anteil von Regiearbeiten. Irgendwie erinnert mich seine Filmografie an die von Claudio Gora. Ein weiterer Grund für diese Erkenntnis sind deren Regiearbeiten „Töte, Django“ und „Il Nero“. Zwei spezielle Italo-Western die sich vom gängigen Schema des Genres absetzen. Die Antihelden des Italo-Western werden zwar zu 99% als Spitzbuben suggeriert, aber die Charaktere aus „Töte, Django“ und „Il Nero“ legen noch eine gewaltige Schippe obendrauf. Diese rücksichtslosen Figuren sind der brutale Output zweier Regisseure die sich mit dem beschäftigen, was hinter der Fassade eines Antihelden steckt.

     

    Noch bevor Corbucci „den Weg mit Leichen pflasterte“, und die Geschichte des stummen „Erlösers“ auf Zelluloid hauchte, schickte Questi einen Fremden in die Hölle auf Erden. Dieser Ort wird von feigen, brutalen und egoistischen Geisteskranken regiert. Der Fremde (Django) ist der Vertreter der „guten Seite“, obwohl er selbst ein Gesetzesloser ist. Somit werden jegliche Mythen (bezüglich eines heroischen und ehrbaren Westernhelden) eliminiert. Doch Questi belässt es nicht allein dabei, er zweifelt selbst das männliche Ideal an. Den klassischen Bad Guys des Westernfilms, wird eine krasse Gegensätzlichkeit gegenübergestellt. Eine Schar homosexueller Cowboys, in einheitliche Uniformen gesteckt. Eine kostümierte Privatarmee die jegliche Klischees, hinsichtlich Outfit und Sexualorientierung von Western-Bösewichten, widerlegt. Ein gewagter Bruch mit dem Traditionellen.

     

    Questi zelebriert - mit „Töte, Django“ - auf (s)eine spezielle Weise die Gewalt, er lässt sie faszinierend und zugleich abstoßend wirken. Dabei werden viele Grossaufnamen von Gesichtern präsentiert, was dem Zuschauer eine deutliche Nähe zu den Figuren und deren Gefühlslagen ermöglicht. Bereits der erste Eindruck sagt, diese Typen sind aus dem Schlund der Hölle gekrochen um die Erde zu vernichten. Ihr Schlachtfeld ist eine kleine (von Gott verlassene) Westernstadt. Das Zentrum einer barbarischen Welt.

     

    „Und es ward ihnen gegeben, dass sie sie nicht töteten, sondern sie quälten fünf Monate lang; und ihre Qual war wie eine Qual vom Skorpion, wenn er einen Menschen schlägt.“
    (Die Offenbarung - Kapitel 9)

     

    Religiöse Motive und Anspielungen auf das Christentum sind im Italo-Western nun wirklich keine Seltenheit. Man denke an die zahlreichen symbolischen Kreuzigungen, sowie an den Antihelden der zum Heiland und Hoffnungsträger avanciert.

     

    Tomas Milian ist als Django „von den Toten zurückgekehrt“ (Frohe Ostern, Compañero!). Zusammen mit seinen zwei indianischen Dienern, denen er von der Welt des Todes berichten soll, hält er Einzug in ein Westernkaff das von Psychopaten und Sadisten beherrscht wird. Das diese Typen den Schuss nicht gehört haben - ist eine Sache. Ich wage nämlich zu behaupten, dass sie selbst den Explosionsknall, den der Vulkan Krakatau auslöste, nicht vernommen hätten. Schaut euch einfach mal den Stadteinmarsch von Oaks und seinen Desperados genauer an. Lasst die Mimiken und Gestiken der Bewohner auf euch einwirken. Und? Mir laufen, bei der Ansicht dieser Szene, kalte Schauer über den Rücken. Ein Effekt der mir seit meiner Erstsichtung (da gab es noch keine DVD´s) von „Töte, Django“ erhalten blieb.

     

    Wie bereits angerissen, ist der Fremde nicht „besser“ als der übelste Desperado. Trotzdem – oder gerade deshalb - setzt Questi ihn auf eine Stufe mit dem Erlöser. Er ist die letzte Hoffnung einer verlorenen Gesellschaft. Eine Gesellschaft die sich längst nicht mehr am Abgrund bewegt, da sie bereits am Tiefpunkt des allgemeinen Verfalls angelangt ist.

     

    „Töte, Django“ gehört (wie „Il Nero“, „Willkommen in der Hölle" (1970) und „El Puro“) zum speziellen Output des italienischen Westernkinos. Die Welt der Antihelden ist nicht mehr so leicht zu durchschauen. Doch der Colt des IW-Fans singt (wie auch Djangos Puste) sechs Strophen und eine könnte ins Schwarze treffen. Wenn nicht?

     

    Auch egal, denn derartige Filme werden das Publikum immer polarisieren.

     

    „Töte, Django“ ist ein brutaler, abschreckender und böser Film. Questi zeigt die Hölle auf Erden - oder besser gesagt - er zeigt ein Abbild der kranken Gesellschaft in der wir leben.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „Töte, Django“ war zur VHS-Zeit ein begehrtes Sammlerstück. Es machte schnell die Runde, dass dieser Film etwas Besonderes ist. Irgendwann in den 1990ern legte ich mir das VPS Tape für 50 DM (Börse, Saalbau in Essen) zu. Dieses enthält natürlich „einige“ Kürzungen.

     

    2003 erschien der Film in Deutschland erstmals ungeschnitten auf DVD. Der X-Rated Datenträger bietet ein ordentliches Bild. Eine Ausnahme sind die Nachtaufnamen bei denen, warum auch immer, so gut wie nichts zu erkennen ist. Um das Treiben in der Nacht (auf einem deutschen Datenträger) letztendlich doch definieren zu können, mussten wir mehr als 10 Jahre warten. Denn im Jahr 2014 beglückten uns filmArt mit einer HD-Auswertung dieses Ausnahme-Western.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

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