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Tödlicher Ritt nach Sacramento

Italien, 1967

  • Originaltitel: Con lui cavalca la morte
  • Alternativtitel:

    Com Ele Cavalga a Morte (BRA)

    Death Rides Along

  • Deutsche Erstaufführung: 25. April 1975
  • Regisseur: Giuseppe Vari
  • Kamera: Amerigo Gengarelli
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Adriano Bolzoni, Augusto Caminito, Fernando Di Leo
  • Inhalt:

    Der Geschäftsmann Bryan Talbot will um jeden Preis in den Senat gewählt werden und dafür ist ihm jedes Mittel recht, angefangen von Korruption bis hin zum kaltblütigen Mord. Unterstützung erhält er von seiner durchtriebenen Frau Dolores, die aber mit gezinkten Karten spielt. Allerdings steht Talbots Wahl auf der Kippe, da der Expressreiter Idaho Joe mit einem Brief aus Washington nach Sacramento unterwegs ist, dessen Inhalt seine Verhaftung zur Folge hätte. Talbot setzt alle Hebel in Bewegung um den Postler aufzuhalten, doch Joe lässt sich nicht so einfach von seinem Auftrag abbringen.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    Giuseppe Vari hat während seiner Laufbahn als Regisseur insgesamt sieben Western gedreht, von denen "Con lui cavalca la morte" (Tödlicher Ritt nach Sacramento) den Mittelteil seiner Westernfilmographie darstellt. 1967 hatte er einen außergewöhnlich guten Start mit "Degueyo" (Für Dollars in Jenseits), in dem ein Farmer (Giacomo Rossi Stuart) den Mord an seinem Vater rächt. Der Folgefilm "L’ultimo killer" (Rocco – ich leg ihn um) gilt vor allem dank seiner exzellenten Story unter Genrekennern gemeinhin als Varis stärkster Western. Darin geht Ramon (George Eastman) bei dem alternden Revolverhelden Rezza (Anthony Ghidra) in die Lehre um den Mord an seinen Eltern rächen zu können. Mein Liebling unter seinen Western ist aber der kammerspielartige "Prega il morto e ammazza il vivo" (Mörder des Klans), in dem ein mysteriöser Fremder Klaus Kinski in den Wahnsinn treibt. Kennzeichen von Varis Western sind vor allem das äußerst geringe Budget, welches er aber mit ordentlichen bis sehr guten Geschichten, stets ausgezeichneter Kameraarbeit und einprägsamer Musik, meist von Roberto Pregadio oder Lallo Gori, gut kaschieren konnte.

     

    „Wenn du in der Prärie einen einzelnen Mann triffst, dann bete dass er stirbt bevor er dir guten Morgen sagen kann.“ (Mama)

     

    Mit diesem kleinen aber feinen Western beweist Vari erneut, dass er mit sehr wenigen Mitteln äußerst unterhaltsame Genreware abliefern kann. "Con lui cavalca la morte" ist ein überaus kurzweiliger Low Budget Western, dem es gelingt den Zuschauer einen vergnüglichen Ritt von Washington nach Sacramento zu bereiten. Der Held der Geschichte ist Expressreiter Idaho Joe, der seine Aufgabe die Post an ihren Bestimmungsort zu bringen äußerst ernst nimmt. Mike Marshall ist recht sympathisch als Joe und macht seine Sache als Postler ordentlich und zweckmäßig ohne allerdings einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mir hat Marshall bereits in Ettore Maria Fizzarottis mehr als ordentlichen Rachewestern "Vendo cara la pelle" (Zum Abschied noch ein Totenhemd) sehr gut gefallen. Ihm zur Seite steht die hübsche Susan mitsamt ihrer ganzen Familie, die unfreiwillig in die Geschichte mit hineingezogen wird. Susan verfällt natürlich sehr schnell dem raubeinigen Charme des Postlers Joe, schließlich darf in einem richtigen Western eine Liebesgeschichte nicht fehlen.

     

    Den Geschäftsmann Talbot spielt Andrea Bosic, der so manches Verbrechen auf dem Kerbholz hat und sich nun als Senator profilieren möchte. Kriminelle und Politiker haben ja schon seit jeher viel gemeinsam. Die wunderschöne und verführerische Hélène Chanel fährt hier zweigleisig, will sie doch nicht nur Geld und Ansehen sondern mit Luke auch einen echten Mann für sich gewinnen, schließlich hält sie ihren Gatten Talbot für einen ziemlichen Waschlappen. Leider hat Chanel in nur einer Handvoll Western mitgespielt, wertet sie mit ihrer Anwesenheit diesen Film doch erheblich auf. Claudio Undari spielt den Killer Luke, der seiner Geliebten Dolores so manchen Wunsch erfüllt und aus diesem Grund auch jagt auf Joe macht was unter anderem zu einem schönen Duell in einem Saloon führt. Unter Talbots Handlanger finden sich unter anderem noch bekannte Gesichter wie etwa Attilo Severini, Claudio Ruffini und Amerigo Castrighella. Den häufig aufgeführten Peter Martell konnte ich allerdings nicht entdecken, der ist wahrscheinlich nicht mit dabei oder einfach den ganzen Kürzungen der deutschen Fassung zum Opfer gefallen.

     

    Recht nett sind einige künstlerisch gestaltete, gezeichnete Überblenden. Am meisten überzeugt allerdings die überaus feine Kameraarbeit von Amerigo Gengarelli, der Varis Inszenierung exzellent fotografiert hat. Auch die Musik von Lallo Gori ist flott ausgefallen und enthält einige Stücke, die man schon aus so manchem Demofilo Fidani Film kennt. Der fetzige Soundtrack ist gemeinsam mit dem von Fidani inszenierten "Inginocchiati straniero... I cadaveri non fanno ombra!" (Tote werfen keine Schatten) auf CD erschienen, die ich mein eigen nennen darf und uneingeschränkt empfehlen kann. Dass die Geschichte etwas dünn geraten ist überrascht doch ein wenig, waren mit Augusto Caminito, Adriano Bolzoni und Fernando di Leo drei richtige Genreexperten am Drehbuch beteiligt. Da könnte man vielleicht schon etwas mehr erwarten. Weniger Qualität hat da schon der Regieassistent, zumindest wenn man seine alleinverantwortlichen Regiearbeiten ansieht, der heißt nämlich Ferdinando Merighi und hat in den 70’ern mit "Casa d'appuntamento" (Das Auge des Bösen) und "Allegri becchini… arriva Trinità" zwei richtige Festivals für Trashfans abgeliefert. Die deutsche Fassung läuft gerade einmal knappe 75 Minuten und ist somit etwa um 6 Minuten gekürzt (1). Die Videofassung läuft angeblich sogar nur 65 Minuten. (2) Dafür ist die Synchronisation von Karlheinz Brunnemann äußerst gut gelungen, inklusive einer exzellenten Stimmenauswahl wie etwa Gerd Günther Hoffmann auf Marshall, Arnold Marquis auf Bosic oder Beate Hasenau auf Chanel. (3) Ein paar blöde Sprüche dürfen dabei allerdings nicht fehlen.

     

    Giuseppe Varis "Con lui cavalca la morte" stellt jetzt keine Glanzleistung innerhalb des Genres da. Es handelt sich hier um einen kleinen, billigen und schnell heruntergekurbelten Western, der aber Dank der hervorragenden Arbeit aller Beteiligten zu einem überaus unterhaltsamen und kurzweiligen Vergnügen ausartet. Für einen kleinen Westernhappen für zwischendurch ist dieser Streifen perfekt geeignet.

     

    (1) Bruckner, Ulrich P.: Für ein paar Leichen mehr. Der Italo-Western von seinen Anfängen bis heute. Schwarzkopf und Schwarzkopf. Berlin 2002 S. 411
    (2) Kessler, Christian: Willkommen in der Hölle. Der Italo Western im Überblick. Terrorverlag. 2002. S. 63
    (3) https://www.synchronkartei.de/index.php?action=show&type=film&id=19790

  • Autor: nerofranco
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