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Die tödliche Warnung

Italien, 1980

  • Originaltitel: L'avvertimento
  • Alternativtitel:

    Advertência (BRA)

    Die Warnung (DDR)

    Dupla Suspeita (POR)

    The Warning (Int.)

  • Regisseur: Damiano Damiani
  • Kamera: Alfio Contini
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Damiano Damiani, Nicola Badalucco, Arduino Maiuri, Massimo De Rita
  • Inhalt:

    Eines schönen Tages findet der gesetzestreue Kommissar Baresi (Giuliano Gemma) rein zufällig die Anweisung eines stattlichen Geldbetrags auf dem Auszug seines Girokontos vor, deren Herkunft er sich zunächst aber überhaupt nicht erklären kann. Nachdem ihm sein Kreditinstitut die Ordnungsmäßigkeit der unheilvollen Einzahlung bestätigt, steht für den Kommissar unwiderruflich fest, dass es sich bei dem Geldgeschenk um eine „tödliche Warnung“ einer kriminellen Organisation handelt, die ihn für ihre Interessen korrumpieren möchte. Und nur kurze Zeit später erreicht unseren energischen Kommissar tatsächlich ein erster anonymer Erpressungsanruf, bei dem er als Gegenleistung dazu aufgefordert wird, sich unter allen Umständen aus den Ermittlungen eines sich noch nicht ereigneten Falls herauszuhalten.

     

    Um der völligen Erpressbarkeit entgehen zu können, entscheidet sich Baresi blitzschnell zur Quittierung seines Dienstes und reicht seine Kündigung persönlich in der ihm zugeordneten Dienstzentrale ein. Doch gerade im Moment des Unterzeichnens kommt es inmitten der Polizeizentrale zu einem entsetzlichen Massaker, bei dem Baresis Vorgesetzter Vincenzo Lagana (Franco Odoardi) und ein hochkarätiger Kronzeuge von einem Killer-Kommando bestehend aus drei Männern in einem schallgedämpften Kugelhagel aus ihren Leben geleitet werden. Nachdem die als Polizeibeamten getarnten Täter zunächst unerkannt entkommen können, wird Baresi unverzüglich von seinem Vorgesetzten, dem Polizeipräsidenten Martorana (Martin Balsam) mit den Ermittlungen an dem grausamen Blutbad beauftragt. Dieser signalisiert daraufhin seinen mächtigen Gönnern aus der Unterwelt zum Schein seine Solidarität hinsichtlich der eingeforderten Mitarbeit, bevor er die noch unberührte Geldsumme zur vorübergehenden Auslagerung auf sichere Auslandskonten transferieren lässt und sich schließlich Hals über Kopf in die ihm aufgetragene Ermittlungsarbeit stürzt.

     

    „Wenn ein Polizist ermordet wird, war er entweder zu anständig oder bestochen!“

     

    Dabei gerät er recht schnell in einen kriminellen Korruptionssumpf, der durch das fleißige Mitwirken von organisierter Kriminalität, Justiz, Politik, Banken, Presse und Polizei weiterhin großzügig genährt wird und der schon zum jetzigen Zeitpunkt unbezwingbar scheint.

    Zudem verdächtigt er mittlerweile auch Martorana korrumpiert zu sein, was die Zusammenarbeit noch zusätzlich erschwert. Kann er den Sumpf trotzdem trocken legen?

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Nach „Ein Mann auf den Knien“ folgte mit „Die tödliche Warnung“ die zweite fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Giuliano Gemma und Damiano Damiani, wobei diese Produktion zugleich auch eine der letzten einschlägigen Arbeiten des Regisseurs für die große Leinwand darstellt.

     

    Wie gewohnt, präsentiert uns Signore Damiani auch hier ein hochexplosives Korruptionsgemisch aus „organisierter Kriminalität“ und einer außerordentlichen Portion „Staat“, wobei das Ganze dieses mal durch das Hinzufügen von “skrupellosen Geldinstituten“ enorm ausgeweitet wurde.

    Inszenierungstechnisch fällt die Angelegenheit dieses mal etwas gesetzter aus, da neben einem spektakulären Auftakt und einem fulminanten Finale fast ausschließlich dialoglastige Anteile vorzufinden sind, die aber keineswegs spannungsmindernd ausfallen. Ganz im Gegenteil: Die Geschichte ist durchwegs spannend erzählt und die gesamte Inszenierung tadellos umgesetzt.

     

    Dieses mal versucht eine exklusive Vereinigung ehrenwerter Verbrecher ihren verderblichen Einfluss auf die exekutiven Staatsorgane zu nehmen, indem sie gesetzestreue Staatsmänner durch das Zustellen von Bestechungsgeldern für ihre Zwecke korrumpieren möchten und dabei bereits eine beachtliche Erfolgsquote vorweisen können. Den über allen Verdacht erhabenen Clubmitgliedern gehören neben hochkarätigen Vertretern aus „organisierter Kriminalität“ und dem „unantastbaren Staat“ zudem noch einflussreiche Politiker, Rechtsanwälte, Notare, Doktoren und eben skrupellose Bankdirektoren an, die in ihren mächtigen Finanzinstituten die schmutzigen Vereinskassen verwahren und letztendlich wieder sauber waschen lassen.

    Hintergrund des vorliegenden Versuchs der Einflussnahme auf unsere Staatsdiener ist eine anstehende Bankenüberprüfung durch eine einberufene Kommission der Exekutive, die es daher mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Um wieder ein wenig aus dem Visier der drohenden Prüfungskommission zu gelangen, lassen die sauberen Herren zunächst einen Kronzeugen und den ermittelnden Chefkommissar in einer beispiellosen Aktion aus dem Weg räumen, schieben daraufhin eine Bande an kleinen Drogendealern als gekauftes Bauernopfer vor und lassen den konstruierten Sachverhalt im Rahmen einer öffentlichen Pressekonferenz durch den vermeintlich gleichfalls gekauften Giuliano Gemma bestätigen.

     

    Doch dieser spielt bei der staatskriminellen Schmierenkomödie lediglich zum Schein mit, da er in Wahrheit die eigentlichen Drahtzieher des Mordes an seinem Vorgesetzten Franco Odoardi überführen möchte und legt hierbei zur Zielerreichung auch etwas unorthodoxe Ermittlungsmethoden an den Tag. Gemma betreibt somit ein riskantes Pokerspiel an zwei Spieltischen zugleich, da er sich neben dem eigentlichen Spielverlauf auch noch auf seinen vermeintlich kollegialen Mitspieler Martin Balsam konzentrieren muss, hinter dem er schließlich einen weiteren Falschspieler vermutet. Aufgrund der Annahme, dass Herr Balsam gleichfalls mit einer beachtlichen Summe von den eigentlichen Gegenspielern bedacht wurde und dieser ihm somit auf seiner persönlichen Mission gefährlich werden könnte, ist die Beziehungsebene ab diesem Zeitpunkt zwischen den beiden exekutiven Staatsbeamten von gegenseitigem Misstrauen geflutet und Paranoia breitet sich ungehindert aus. Und als wäre das alles noch nicht genug, scheint auch Laura Trotter in der Rolle der Witwe des ermordeten Vorgesetzten Ordoadi im Auftrag der kriminellen Vereinigung zu handeln und stellt somit für Kommissar Gemma den dritten Spieltisch dar, an dem er sich jetzt auch noch in einem weiteren riskanten Spielverlauf behaupten muss.

     

    Die Schauspieler liefern hierbei allesamt eine sehr gute Darbietung ab und können mit ihrer Leistung überzeugen. Zudem wurde den Darstellern in der deutschen Sprachfassung eine überraschend „sehr gute“ Synchronisation durch die DEFA Studios verliehen. Die Filmmusik stammt auch dieses mal wieder aus der Feder Riz Ortolanis und kann sich hören lassen.

     

    Fazit: Ein souverän inszenierter Korruptionsthriller, der bis in die letzten Handlungsstränge Spannung aufzubauen versteht.

  • Autor: Richie Pistilli
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