Der Tod sagt Amen

Italien | Spanien, 1970

  • Originaltitel: Arizona si scatenò... e li fece fuori tutti!
  • Alternativtitel:

    A Volta de Arizona Colt (BRA)

    O Retorno de Arizona Colt (BRA)

    Arizona vuelve (ESP)

    Arizona se déchaîne (FRA)

    Um Homem Chamado Arizona (POR)

    Arizona (USA)

    Arizona Colt Returns (USA)

    Arizona Lets Fly and Kill Everybody (USA)

    If You Gotta Shoot Someone... Bang! Bang! (USA)

    An den Galgen, Hombre

  • Deutsche Erstaufführung: 05. August 1971
  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Miguel Fernández Mila
  • Musik: Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Joaquín Romero Hernández
  • Inhalt:

    Arizona und seinen trinkfesten Buddy Zweiflaschen-Whisky kehren zum kleinen Städtchen Blackstone Hill zurück, wo sie es (siehe ARIZONA COLT) schon mal ordentlich haben krachen lassen. Auch diesmal erwartet sie Ungemach. Dank einer falschen Zeugenaussage wird Arizona steckbrieflich gesucht und der Galgen wartet auf ihn. Dann ist da noch die mörderische Halsabschneiderbande des Mexikaners Chico, die es auf Gold und Tochter des Großgrundbesitzers Moreno abgesehen hat...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Da habe ich doch in meiner Review zu Michele Lupos ARIZONA COLT aus dem Jahr 1966 glatt vergessen zu erwähnen, dass Sergio Martino vier Jahre später mit DER TOD SAGT AMEN ein Sequel gedreht hat.

     

    Jahre später nach den Ereignissen in Blackstone Hill zieht Arizona Colt immer noch mit Zweiflaschen-Whisky, dem lustigen, pyromanischen Säufer aus Gordon Watchs Bande durch die Lande. Während der dicke, trinkfeste Sonnenschein immer noch von Roberto Carmadiel gespielt wird, erfuhr die Titelrolle eine Umbesetzung. Allerdings ist der Tausch vom jugendlichen Giuliano Gemma zu Rauhbein Anthony Steffen alles andere als adäquat, weil letzterem die jungenhafte, raffinierte Ausstrahlung des Ersteren völlig abgeht. Steffen passt immer in die Rolle des einsamen Rächers, aber den gewieften Taktiker mit Lausbubencharme (wie ihn Gemma in ARIZONA COLT, aber auch in EINE PISTOLE FÜR RINGO kultiviert hat) nimmt man ihm ungefähr so ab wie Rosalba Neri ein Keuschheitsgelübde.

     

    Für die italophile Filmfangemeinde ist DER TOD SAGT AMEN aber insofern relevant, weil er das Spielfilmdebüt eines Mannes darstellt, der sich zwar weniger im Westernfach, dafür umso mehr im Metier der italienischen Mordoper hochverdient gemacht hat. Sergio Martino war noch keine Dreißig, als er mit DER TOD SAGT AMEN seinen ersten Film nahe Madrid gedreht hat. Aber nur kurze Zeit später sollte er in der Kür des Giallo Meisterwerke am Fließband abliefern. Schau nach bei Göttergaben wie DER KILLER VON WIEN, DIE FARBEN DER NACHT, TORSO, DER SCHWANZ DES SKORPIONS oder YOUR VICE IS A LOCKED ROOM AND ONLY I HAVE THE KEY.

     

    Allerdings haben sich solche Triumphe in Martinos Erstling noch nicht abgezeichnet. DER TOD SAGT AMEN ist keine mißlungene Premiere, aber mit Sicherheit auch keine, die Aufsehen erregt. Zwar zeigt sich wie schon beim Vorgänger Ernesto Gastaldi für das Drehbuch verantwortlich, aber im direkten Vergleich mit dem von Michele Lupo inszenierten ARIZONA COLT zieht DER TOD SAGT AMEN eindeutig den Kürzeren.

     

    Wie eingangs erwähnt kann Steffen den abgewanderten Gemma nicht ersetzen und verkörpert im Grunde einen völlig anderen Charakter unter dem Namen Arizona Colt, der eigentlich für Schlitzohrigkeit und Kaltblütigkeit der Marke Ringo stehen sollte. Obwohl mit Aldo Sambrell ein Bad Ass-Schwergewicht in Fernando Sanchos Fußstapfen tritt, hinterlässt sein Bösewicht „Chico“ längst nicht einen solch bleibenden Eindruck wie Sanchos „Gordon Watch“. Als letztes steht sich der im Grunde solide in Szene gesetzte Film in seiner Uneinigkeit zwischen Klamauk und Bleiernst selbst im Weg.

     

    In dieser Hinsicht passt spätestens im recht gewalttätigen, mit Brutalitäten durchzogenen letzten Drittel dann der lustige an zotige Westernkomödien denken lassende Ton von Bruno Nicolais titoli gar nicht mehr ins Konzept. Sein Finale begeht der Film mit der ganzen Härte eines ernsthaften Italowestern.

     

    Unter dem Strich hat Sergio Martino mit DER TOD SAGT AMEN ein ordentliches, aber nicht markantes Spielfilmdebüt und einen durchschnittlichen Italowestern abgeliefert. Brillanz hat der junge Martino erst mit seinen prächtigen Gialli bewiesen. Sein zweiter und letzter Ausflug ins Land der Colts und Stricke erfolgte dann sieben Jahre später mit MANNAJA - BEIL DES TODES im Jahr 1977. Nicht nur Martino hält diesen für den besseren seiner beiden Western.

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    DER TOD SAGT AMEN erschien als Nr. 3 in Koch Medias kultiger Regenbogenwestern-Reihe. Der Film kommt ungeschnitten mit remasterten Bild und zwei Tonspuren (deutsch, italienisch), wobei letztere deutsch untertitelt ist.

     

    In den Extras gibt Sergio Martino in einem zehnminütigen Interview nicht nur einen kleinen, aber hochinteressanten persönlichen Blickwinkel auf die eigene Karriere (und nennt darin seine vier persönlichen Lieblingswerke), sondern zeichnet auch ein sympathisches Bild von den beiden Hauptdarstellern Anthony Steffen und Roberto Carmadiel. Nicht minder sehenswert ist auch das launige Gespräch mit dem deutschen Nebendarsteller Dan van Husen, der kleinere Rollen in Filmen wie TODESMARSCH DER BESTIEN, SARTANA KOMMT oder eben dem vorliegenden DER TOD SAGT AMEN bekleidet hat und hier spannende wie lustige Anekdoten von abenteuerlichen Dreharbeiten und feuchtfröhlichen Feierabenden in Almeria zum Besten gibt. Als kleine Dreingabe gibt es den deutschen Trailer zum Film.

  • Autor: Christian Ade
  • Links

    OFDb

    IMDb

     

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