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Der Tod im roten Jaguar

Deutschland | Italien, 1968

  • Originaltitel: Der Tod im roten Jaguar
  • Alternativtitel:

    El jaguar rojo (ESP)

    L'homme à la jaguar rouge (FRA)

    La morte in jaguar rossa (ITA)

  • Deutsche Erstaufführung: 15. August 1968
  • Regisseur: Harald Reinl
  • Kamera: Franz Xaver Lederle
  • Musik: Peter Thomas
  • Drehbuch: Herbert Reinecker
  • Inhalt:

    Das FBI sieht sich mit einer neuen Form des organisierten Verbrechens konfrontiert. Es handelt sich um bezahlte Auftragsmorde, die sich mittlerweile durch die ganze USA ziehen. Spätestens nach dem Mord an Ann Gordon (Karin Schröder) und ihrer kleinen Tochter Jane (Manuela Schmitz) ist klar, dass man es mit einer äußerst rücksichtslosen Organisation zu tun hat. Der Hauptverdächtige, nämlich Mrs. Gordons eigener Mann Francis (Giuliano Raffaelli), ist schnell gefunden, doch er hat ein wasserdichtes Alibi. Jerry Cotton (George Nader) wird auf den Fall angesetzt und er versucht zu beweisen, dass es sich dabei um einen bestellten Mord handelt. Zusammen mit dem Privatdetektiv Sam Parker (Herbert Stass) ermittelt er in einem weiteren Mordfall der ähnlich erscheint, denn der Buchhalter des Geschäftsmannes Carp (Kurt Jaggberg) kam auf die selbe, mysteriöse Art und Weise um, doch es gibt erneut ein Alibi. Was noch niemand weiß, Carps eigene Frau Linda (Grit Boettcher) steht als nächste auf der Abschussliste. Nach gefährlichen Ermittlungen und weiteren Morden führt die Spur schließlich zu dem bekannten Nervenarzt Saunders (Carl Lange), bei dem sich Abgründe auftun...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Unter der Leitung des Krimi-Spezialisten Harald Reinl entstand mit "Der Tod im roten Jaguar" einer der wohl ausgefeiltesten Cotton-Verfilmungen und auch sein Nachfolger "Todesschüsse am Broadway" lässt sich problemlos in dieser Kategorie wiederfinden. Überhaupt ist anzumerken, dass die Reihe mit jedem Film interessanter wurde. Fall N°7 ist vielleicht der unterhaltsamste Teil bei den langjährigen Ermittlungen geworden, außerdem bekommt man hier eine unglaublich gute Besetzung quasi eiskalt serviert. Man schaut sich den Vorspann an, und die prominenten Namen mögen einfach kein Ende nehmen. In diesem Zusammenhang hat sich die fortlaufende Serie tatsächlich stark verbessert, auch Spannung, leichter Thrill und Action wurden glücklicherweise wieder größer geschrieben. Man sieht einfach, dass Harald Reinl die Produktion absolut im Griff hatte und das FBI-Märchen somit durchgehend gut anzupacken wusste. Gleich zu Beginn wird man mit einem ordentlichen Tempo konfrontiert, das charakteristisch für die Geschichte sein wird, besonders gut kommt außerdem der recht überraschend wirkende Whodunit-Effekt zum Tragen. Um das Publikum letztlich für mögliche Fortsetzungen zu interessieren, setzte man auf eine härtere Gangart, was im Rahmen bestimmter Morde in dieser Story zu wahrhaftigen Schockmomenten führt, da Protagonisten, Sympathieträger und vollkommen Unbeteiligte über die Klinge springen müssen. Aber Jerry Cotton hat es eben mit einem sehr schmutzigen Geschäft zu tun. Inhaltlich dieses Mal mit Auftragsmorden angereichert, präsentiert sich die Geschichte ziemlich abwechslungsreich, was nicht zuletzt auf mehrere, ziemlich eigenartige Charaktere zurückzuführen ist. Auch dass bei vielen bekannten Darstellern, die sich hier wirklich die Klinke in die Hand geben, die Auftrittsdauer sehr kurz bemessen ist, sorgt für Abwechslung und ein straffes Tempo. Der Aufbau des Films ist bis ins Detail gut durchdacht und klar, wenn man auch über gewisse Wahrscheinlichkeiten erst gar nicht zu diskutieren braucht.

     

    Wie gut diesem Film der italienische Einschlag generell tut, kann man auch insbesondere in der Besetzungsliste sehen, denn die Erweiterungen sind mehr als erfreulich. Mit George Nader als Jerry Cotton sieht man eine schon längst absolut sichere Bank, und er wirkt gewohnt souverän. Dass er der Titelfigur seit Beginn der Serie seinen unverwechselbaren Stempel aufdrücken konnte, schlägt auch hier voll durch, denn die Mischung aus Agilität, Routine und Schlagfertigkeit weiß erneut zu gefallen. Leider kann das von seinem Filmkollegen Heinz Weiss nicht behauptet werden, der sich immer mehr als Stichwortgeber und Nebenfigur herauskristallisierte. Insgesamt ist die Besetzung aber mehr als ausgewogen und für die Begriffe eines deutschen Krimis richtig spektakulär. Besonders auf der Verbrecher-Seite werden hervorragende Akzente gesetzt, die in Form von Giuliano Raffaelli, Carl Lange oder Kurt Jaggberg blendend dargestellt werden, was auf der Seite der Opfer ebenso der Fall ist. Grit Böttcher als bedrohte Ehefrau beispielsweise, war bis dato selten so schwungvoll und überzeugend zu sehen, auch die kleineren Darbietungen wie von Ilse Steppat, Karin Schröder oder Britt Lindberg bleiben im Gedächtnis. Was in der Frühphase der persönlichen Cotton-Eindrücke immer als großer Nachteil angesehen wurde, erfuhr mit den Jahren einen kompletten Sinneswandel, nämlich die Tatsache der eigentümlichen Einsätze bei den weiblichen Hauptrollen, die heute kleine Offenbarungen darstellen. Keine ganz großen, oder sogar recht kleine Namen, sollten erst gar nicht in die Versuchung kommen, die Aufmerksamkeit von Jerry Cotton selbst abzulenken. Beim genauen Hinsehen tun sie dies aber trotzdem. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass man hier Daniela Surina in einer ihrer größeren Rollen sowie seltenen Auftritte zu Gesicht bekommt, und sie stellt neben Heidy Bohlen das bemerkenswerteste Cotton-Girl dar. Die Liste der hier beteiligten Stars ist so üppig, dass nicht auf jeden gesondert einzugehen ist, aber Gert Haucke als Auftragskiller darf definitiv nicht unterschlagen werden. Er wirkt beängstigend, nicht etwa weil er klassisch-brutal dargestellt wird, sondern weil er einfach nur einen riesengroßen Knall hat, den er frappant echt und überzeugend darzustellen weiß.

     

    Die beste Besetzung in der langjährigen Cotton-Reihe stellt somit also auch beinahe schon die halbe Miete dar, außerdem liegt es auf der Hand, dass Regisseur Harald Reinl die hochwertigsten Beiträge ablieferte, weil er den Stoff am besten zu interpretieren wusste. In den Bereichen Action, Spannungsaufbau und Flexibilität stellt er unterm Strich das Gütesiegel der Reihe dar und erfreulicherweise kam hier auch der Rätselfaktor nicht zu kurz. "Der Tod im roten Jaguar" transportiert eine unverwechselbare Atmosphäre und präsentiert gelungene Aufnahmen, auch die Charakterdarstellungen erscheinen hier noch eine Spur mehr ausgefeilt zu sein, als es andernorts der Fall war, da vielleicht ohnehin auch nie der große Fokus auf einer besonders dichten Darstellung gelegen hat. Die Musik von Peter Thomas erschien in den Anfängen vielleicht noch sensationell zu sein, doch nach der Unterlegung in diversen anderen Teilen hat sie sich aufgrund der Uniformität leider etwas überholt. Die große Stärke dieses siebten Teils dieser Reihe liegt definitiv in seinem klaren Aufbau, die Geschichte rund um die Organisation, die Auftragsmorde anbietet, um ihren Klienten wasserdichte Alibis zu verschaffen, ist durchgehend überzeugend und interessant genug dargestellt, um fesseln zu können. Erstaunlich ist die geschilderte Rücksichtslosigkeit , beziehungsweise die auftauchende Brutalität, da beispielsweise ebenfalls ein kleines Mädchen liquidiert wird. Nicht minder Interessant erscheint es dabei, wie der Film im Verlauf um Erklärungen bemüht ist, wie es möglich sein könnte, Menschen zu Mördern werden zu lassen. Jene Erläuterungen, für die kein geringerer Experte als Carl Lange als Nervenarzt Dr. Saunders zur Verfügung stand, sind selbstverständlich schön krude und schließlich unwahrscheinlich, aber es entsteht ein nicht zu verachtender Spaß-Faktor, der sich wie ein roter Jaguar durch den kompletten Film zieht. Harald Reinl machte es hier, und sogar noch einen Film später vor, wie man diese bearbeiten muss, damit eine Serie nicht nur interessant bleibt, sondern auch mit neuen Impulsen angereichert wird. Schwer unterhaltsam!

  • Autor: Prisma
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