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The Embalmer

Italien, 1965

  • Originaltitel: Il mostro di Venezia
  • Alternativtitel:

    Novices libertines (FRA)

    The Monster of Venice (USA)

  • Regisseur: Dino Tavella
  • Kamera: Mario Parapetti
  • Musik: Marcello Gigante
  • Drehbuch: Paolo Lombardo, Gian Battista Mussetto, Dino Tavella, Antonio Walter
  • Inhalt:

    „My Alabaster godesses“nennt der EMBALMER ehrfürchtig die Exponate seiner ganz privaten Sammlung ausgestopfter Frauen, die er irgendwo in den Katakomben Venedigs lagert. Wenn er Nachschub für sein makaberes Museum braucht, schlüpft er in den Taucheranzug und lauert jungen Damen in den Kanälen auf. Als der Reporter Andrea hinter das Geheimnis des unheimlichen Serienmörders kommt, befindet sich seine Freundin längst in den Krallen des Monsters von Venedig...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Okay. Die Giallo-Blaupause schlechthin hat Mario Bava 1964 mit BLUTIGE SEIDE abgeliefert, aber auch der fast zeitgleich erschienene, aber noch in schwarz/weiß gedrehte Venedig-Thriller MONSTER OF VENICE (aka THE EMBALMER) hat einige originäre Momente zu bieten. Dennoch haben spätere Genre-Lichtgestalten wie Argento, Martino und Konsorten gut daran getan, sich mehr an Bava oder dem eigenen Genie zu orientieren als an dem Herrn, der bei THE EMBALMER Regie geführt hat.

     

    Dino Tavellas Inszenierung ist in erster Linie auffallend holprig. Selbst bei der überschaubaren Laufzeit von knapp 77 Minuten hat er sich einige eklatante Längen geleistet, die besonders im zweiten Filmdrittel zur Qual werden. Die dürftigen schauspielerischen Leistungen, die nur in Ausnahmefällen annehmbar, viel öfter aber hölzern und laienhaft wirken, tun ihr Übriges dazu, dass THE EMBALMER trotz schwarz/weißer Altehrwürdigkeit und deutlichem Giallo-Einschlag weder als Klassiker noch als Wegbereiter des Genres gehandelt wird.

     

    Trotzdem begegnen uns nicht wenige Szenarien aus THE EMBALMER in späteren Filmen wieder. In Gestalt des frauenverschleppenden Tauchers, dessen Jagdgründe die Kanäle sind, lässt sich eine ziemlich deutliche Parallele bis ins Jahr 1987 zum feinen holländischen Grachtenthriller und Quasi-"Giallo" VERFLUCHTES AMSTERDAM ziehen. Und well, die nichtmaritime Arbeitskleidung des Geisteskranken - Kapuzenkutte und Totenkopfmaske - soll natürlich an den Grimmen Schnitter himself gemahnen, sieht aber auch ein bisschen nach Ghostface of SCREAM Fame aus. Wobei man bei der Garderobe aber auch jemanden ziemlich laut "Hallo, hier spricht Edgar Wallace!" sagen hört.

    Und denselben, oder besser die deutschen Gruselkrimis, die nach seinen Vorlagen entstanden sind, schmeckt man hier ebenso heraus wie eine dezente Note MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN.

     

    Auf den augenzwinkernden Humor, der den deutschen Edgar Wallace-Filmen zueigen ist, verzichtet Tavella allerdings. Wenn's komisch wird, dann unfreiwillig. Wie bei der grauslichen amerikanischen Synchronisation, einer schlecht choreographierten Schlägerei und vor allem bei diesem gruseligen Sänger mit Klampfe, bei dem es einem neben dem Zwerchfell gleich die Fussnägel mit hochrollt.

     

    Ihr merkt schon: Das MONSTER OF VENICE muss man nicht zwingend im Filmschrank haben. Und doch ist es zumindest gegen Ende noch für eine Überraschung gut. Damit ist jedoch nicht die Entlarvung des Killers gemeint; dem sieht man selbst in seiner Biedermannmaske an, dass sein Hobby nicht etwa die Seidenmalerei, sondern das Meucheln und Ausstopfen von Frauen in duster-feuchten Gewölben ist.

     

    Trotzdem hat Tavella das Grande Finale seines zweiten und letzten Films tadellos hinbekommen. In den letzten zehn Minuten gibt der EMBALMER Vollgas in den Kategorien Spannung, Action und vor allem Atmosphäre. Der Saal mit den Knochenmännern ist hier der morbide Hingucker, der heraussticht. Ach ja, morbid ist das Stichwort. In dieser Hinsicht liefert die Stadt Venedig einmal mehr den passenden Rahmen. Insbesondere bei einer nächtlichen Gondelfahrt entfaltet der Schauplatz seine ganze düstere (Bilder-)Kraft. Paradoxerweise versinnbildlicht eben diese Szene auch die Crux des EMBALMER. Tavello rührt fleißig Atmosphäre und Spannungszucker an, doch kurz vor dem Servieren fällt der Kuchen in sich zusammen. Erst im oben erwähnten Finale kommt der Regisseur über bloße Ansätze hinaus und lässt den EMBALMER andeuten, was eigentlich möglich gewesen wäre...

     

    Ergo: Gestatten, das MOSTRO DI VENEZIA - Taucher, Sensenmann, EMBALMER! Eigentlich müsste so einer etwas für die Ahnengalerie sein. Kurz nach Bavas BLUTIGE SEIDE noch klassisch in Schwarz/weiß gedreht. Spielt in (Morbid) Venedig. Endet knackig in einem spannenden, atmosphärischen Finale. Hat durchaus inspirierende Momente. Doch die ganzen vielversprechenden Ansätze werden gnadenlos egalisiert durch eine holprige, unausgegorene Inszenierung in Komplizenschaft mit armseliger Schauspielkunst und einem Mittelteil zum Einschlafen. Somit schrumpft der designierte Genreklassiker zum kaum beachteten Mauerblümchen. Dem wir aber zumindest ein bisschen für VERFLUCHTES AMSTERDAM zu danken haben.

  • Autor: Christian Ade
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