Der Teufel führt Regie

Italien, 1973

  • Originaltitel: Il boss
  • Alternativtitel:

    Le boss (F)

    Secuestro de una mujer (ES)

    Murder Inferno (UK)

    Wipeout! (USA)

    The Boss (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 06. Dezember 1974
  • Regisseur: Fernando Di Leo
  • Kamera: Franco Villa
  • Musik: Luis Bacalov
  • Drehbuch: Fernando Di Leo
  • Inhalt:

    "Zuhören! Wir müssen Cocchi und seine Männer töten. Sollte einer von Euch sterben, wird Don Corrasco sich um Eure Familien kümmern. Er kümmert sich um alles... Aber Cocchis Bande muss ausgelöscht werden, vor allem Cocchi selbst! Keine Grenzen! Keine Gnade! Der Kalabrese muss sterben! Legt ihn um! Tut es einfach!"

     

    Der kalabresische Mafiaboss Don Antonino Attardi (Andrea Aureli) hat eine handvoll befreundeter Dons zu einer Privatvorführung schlüpfriger Filmchen in ein kleines Pornokino eingeladen und nachdem alle dem Ruf Attardis gefolgt sind und sich im Kino eingefunden haben, heißt es plötzlich: Licht aus, Vorhang auf, Film ab!

     

    Doch anstatt der erhofften Fleischschau erwartet die Dons urplötzlich ein explosives Flammeninferno, dem fast alle der Anwesenden zum Opfer fallen.

     

    Urheber dieses Flammeninfernos ist der eiskalte und gefühlslose Mafiakiller Nick Lanzetta (Henry Silva), der im Auftrag seines sizilianischen Bosses Don Giuseppe D'Aniello (Claudio Nicastro) die verfeindeten Dons aus Kalabrien unter Einsatz eines Granatwerfers auf dem direkten Weg in die Hölle schickt.

     

    Aber auch Don Giuseppe D'Aniello ist in der Befehlskette dieses Mordkomplotts nur ein weiterer Auftragsempfänger, da der ursprüngliche Befehl zur Liquidierung des verhassten kalabresischen Packs vom Premium-Don Corrasco (Richard Conte) in Auftrag gegeben wurde. Diesem sind dann in der Mafia-Hierarchie schließlich nur noch die absoluten Ober-Dons übergeordnet, die letztendlich alle Fäden und die letztendliche Entscheidungsgewalt über jegliche globale Mafia-Aktivitäten in Händen halten.

     

    Diese befürchten jetzt aber, dass aufgrund der fehlenden Köpfe auf kalabresischer Seite ein unkontrollierbares Chaos bzw. ein regelrechter Rachekrieg ausbrechen könnte und fordern daher Don Corrasco unmissverständlich auf, einen Kompromiss mit der verhassten kalabresischen Seite auszuhandeln. Doch dieser möchte unter keinen Umständen das kalabresische Pack in den Reihen seiner sizilianischen Familie sehen und versucht den Befehl mit allen Mitteln zu umgehen. Das Sprachrohr der obersten Bosse und gleichzeitig entsprechender Befehlsübermittler ist hierbei der undurchsichtige Rechtsanwalt Rizzo (Corrado Gaipa).

     

    Aber auch die Polizei befürchtet aufgrund der fehlenden Familienköpfe auf Seiten der Kalabresen einen bevorstehenden Familienkrieg und stellt sich vorsichtshalber schon mal auf das Äußerste ein.

     

    Hinzu kommt die schwerwiegende Vermutung des zynischen bereits etwas resignierten Polizeipräsidenten (Vittorio Caprioli), dass sein ermittelnder Kommissar Torri (Gianni Garko) auf der Gehaltsliste der sizilianischen Mafia stehen könnte, was er aber letztendlich nicht nachweisen kann. Aus diesem Grund mischt dann aber zusätzlich noch der Abgesandte der Anti-Mafia Einheit Gabrielli (Mario Pisu) in dem ganzen Chaos mit.

     

    Attardis rechte Hand Cocchi (Pier Paolo Capponi) soll nun das Erbe des verblichenen kalabresischen Dons antreten und schmiedet zunächst gemeinsam mit Attardis Bruder Carlo (Gianni Musy) einen handfesten Racheplan gegen Lanzetta und D'Aniello. Dieser sieht vor, die geliebte Tochter D'Aniellos, Rina D'Aniello (Antonia Santilli) zu entführen um somit an den Don und an dessen Leben zu kommen. Gesagt, getan und schon kurze Zeit später findet sich Rina in den Fängen der kalabresischen Konkurrenz wieder und Don Giuseppe D'Aniello erhält die "telefonische" Aufforderung zu einer Lösegeldzahlung i.H.v. 250 Millionen Lire, die er zudem höchstpersönlich den rachegelüstigen Gegnern aushändigen soll.

     

    Ab diesem Zeitpunkt gerät die ganze Sache vollends außer Kontrolle, da sich zudem mehrere Mitglieder unterschiedlichster Rangfolge gegen bestehende Befehle der Familie widersetzen und somit nach und nach einen unkontrollierbaren und blutigen Bandenkrieg entfachen.

     

    Mittendrin mischt dann auch noch die Ein-Mann-Killer-Maschine Lanzetta munter mit, wobei eigentlich nie ganz klar ist, in wessen Auftrag er gerade den gesamten Body-Count des Films nach oben treibt.

     

    Doch plötzlich findet sich dann auch der überraschte Lanzetta auf der Abschussliste der obersten Dons wieder, da diese das entstandene Chaos aufs Schärfste kritisieren und somit dem eigentlich sehr geschätzten Killer die Rolle des Sündenbocks zukommen lassen wollen. Also heuert die Mafia den korrupten Kommissar Torri zur Ermordung Lanzettas an und setzt diesen auf die ahnungslose Tötungsmaschine in Menschenform an. Einzig und allein Lanzettas Partner Pignataro (Marino Masé) scheint nur noch hinter ihm zu stehen und versucht sich gemeinsam mit diesem gegen die perfiden Machtspiele der oberen Mafia Dons mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen...

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Dieses Filmwerk von Fernando Di Leo enthält alle notwendige Zutaten, die ein guter Polizeistreifen aus dem stiefelförmigen Land auch benötigt: Ein vortreffliches Drehbuch, welches sehr spannungsgeladen und mit einem hervorragenden dramaturgischen Aufbau inszeniert wurde. Eine gelungene Kameratechnik mit zahlreichen fesselnden Bildern. Eine überzeugende Schauspielergarde, der man ihre Rollen direkt abnimmt und zahlreiche der essentiellen Genre-Zutaten wie z.B. wilde und actiongeladene Schießereien, grausame Gewaltspitzen oder (zumindest in der it. Sprachfassung) die allseits vorherrschende Systemkritik.

     

    Henry Silva mimt den eiskalten Auftragskiller Nick Lanzetta mit voller Überzeugung und konnte wohl aufgrund der schmerzhaften Umgangsweise mit Antonia Santilli erste Erfahrungen für seine spätere Rolle in “Die Rache des Paten” sammeln.

     

    Antonia Santilli ist dann auch die einzige weibliche Darstellerin in diesem Film und darf mal wieder auf höchst unkorrekte Weise eine nymphomanisch-veranlagte Polytoxikomanin dar stellen, die so einige Hiebe des erst “angehenden" Herrn Aniantes einstecken darf.

     

    Die Filmmusik von Maestro Luis Enríquez Bacalov klingt auch vorzüglich und dürfte gerne mal als offizielles Release erscheinen. Die Titelsequenz ist der Knaller!

     

    Fazit: Ein fulminantes Werk mit einem gut aufgelegten und einem Granatwerfer bestückten Henry Silva an vorderster Front. Erstklassiges Aktionkino!

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Inhaltsunterschiede der deutschen Kinofassung zur italienischen Originalfassung:

     

    Zunächst einmal ist der Tonfall und die Wortwahl der dt. Synchro grundsätzlich um einiges derber ausgefallen und bietet im Gesamten einen recht hohen Schmierfaktor. Diese kennt dann sogar vor schmerzhaften Kalauern a la "des kleinen Mannes Sonnenschein, ist pimpern und besoffen sein" keinen Halt mehr...

     

    Der gravierendste Unterschied der DF liegt aber im komplett entfernten Background der politischen Systemkritik.

     

    Einerseits fehlen somit die zahlreichen Erläuterungen des Polizeipräsidenten zu den Verzahnungen von organisierter Kriminalität mit dem Staat und die daraus resultierenden Probleme auf die ehrliche Polizeiarbeit, andererseits wird aber auch bei der Rolle Gianni Garkos das komplette Ausmaß seines korrupten Handelns verschwiegen.

     

    Zudem wurden die sehr eindrucksvoll gespielten Rollen des Polizeipräsidenten durch Vittorio Caprioli komplett verheizt und die Rolle von Mario Pisu als Abgesandter der Anti-Mafia Einheit in der DF sogar komplett beseitig und gehört somit als Schandtat angezeigt.

     

    In der DF kann man ihn zwar einmal sehr kurz im Büro des Polizeipräsidenten erblicken, aber halt nicht in seiner eigentlichen Rolle als Abgesandter der Sondereinheit, sondern lediglich als namen- und funktionsloser Mitarbeiter der Ermittlungsbehörde, der einen sehr wortarmen und total belanglosen Dialog mit Vittorio Caprioli halten darf.

     

    Ansonsten ziehen sich die inhaltlichen Abweichungen auch wie ein roter Faden durch den gesamten Filmverlauf. Ein letztes Beispiel:

     

    * Während einer Szene erzählt Claudio Nicastro in der deutschen Fassung, dass "die Ursache für Cocchis unberechenbaren Wahnsinn in seiner Kokssucht liegt" und in der italienischen Fassung ist "Cocchi einfach nur stinksauer UND seine Männer sind rauschgiftsüchtig"

  • Autor: Richie Pistilli
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