Terror in der Oper

Italien, 1987

  • Originaltitel: Opera
  • Alternativtitel:

    Terreur à l'Opéra (FRA)

    Terror en la ópera (MEX)

    Opera (USA)

    Im Zeichen des Raben

  • Regisseur: Dario Argento
  • Kamera: Ronnie Taylor
  • Musik: Brian Eno, Roger Eno, Steel Grave, Claudio Simonetti, Bill Wyman
  • Drehbuch: Dario Argento, Franco Ferrini
  • Inhalt:

    Während Horrorfilmregisseur Marco (Ian Charleson) seine erste Opernregie, eine Adaption von Giuseppe Verdis Macbeth, inszeniert, wird seine Hauptdarstellerin der Lady Macbeth von einem Auto angefahren. Einspringen soll für sie die Zweitbesetzung Betty (Cristina Marsillach), für die es die erste Hauptrolle auf einer großen Bühne wäre. Eigentlich ist Betty für die Rolle zu jung, zudem soll es Unglück bringen, die Saison mit einer Aufführung von Macbeth zu beginnen. Doch Regisseur Marco glaubt nicht an einen solchen Fluch, und für Betty ist es die große Karrierechance, wie ihr auch ihre Agentin Mira (Daria Nicolodi) versichert. Betty erwartet jedoch weit mehr als nur Unglück. Bereits während der Premiere ereignet sich ein erster Mord, von dem Betty erst durch Inspector Santini (Urbano Barberini) erfährt. Nach der Premierenfeier trifft sie sich mit Bühnentechniker Stefano (William McNamara), doch nach der gemeinsamen Liebesnacht wird sie von einem maskierten Unbekannten gefesselt und Nadeln werden ihr unter die Augenlider geklebt, damit sie zum unfreiwilligen Voyeur an der Ermordung Stefanos durch den Unbekannten wird. Zudem scheint ihr dieser Maskierte nicht fremd, verfolgt sie schon seit ihrer Kindheit in zahlreichen Albträumen. Nach diesem Mord vertraut sie sich zunächst nur Regisseur Marco an. Erst als auch die Kostümdesignerin Giulia (Coralina Cataldi-Tassoni) – wieder mit Betty als gefesselter, unfreiwilliger Zeugin – getötet wird, wendet Betty sich an Inspector Santini und ihre Agentin Mira. Und sie beginnt sich zu fragen, ob es sich bei ihren Albträumen von dem Maskierten nicht doch um verschüttete Kindheitserinnerungen handelt, in denen auch ihre Mutter auftaucht, die ebenfalls Opernsängerin war und gewaltsam zu Tode kam.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Dario Argentos „Opera“ sah ich zum ersten Mal 1989 auf DDF-1 (genau, DDR-Fernsehen) in einer unsäglichen Fassung, die noch etwas stärker geschnitten war als das RCA/Columbia-Tape, das ich später in die Hände bekam. So um die Zeit, als die Demonstrationen „Drüben“, im Ostteil Berlins, begannen, versuchte man sich ja etwas offener, und so brach das DDR-Fernsehen mit dem bisherigen Tabu Horrorfilm und zeigte innerhalb von nur einer Woche Mario Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“, „Der Dämon und die Jungfrau“ und eben Argentos „Im Zeichen des Raben“ – so der TV-Titel.

     

    „Opera“ hatte es schwer, in vielerlei Hinsicht. RCA/Columbia hatte ursprünglich die Absicht, den Film in deutsche Kinos zu bringen. Nachdem die FSK jedoch auf zahlreiche Schnitte für die gewünschte Freigabe ab 18 bestanden hatte, entschied man sich für eine Videopremiere des kläglichen Rests. Auch an den italienischen Kinokassen floppte dieser bis dato teuerste Argento-Film, was den Meister sehr frustrierte. Der US-Verleiher Orion verlangte indessen von Argento die Entfernung des Schlusses, etwas, wozu auch Co-Drehbuchautor Franco Ferrini und Daria Nicolodi ihm zuvor geraten hatten. Da Argento sich weigerte, schnitt Orion den Film unter Zuhilfenahme zahlreicher Handlungsschnitte auf die gewünschte Länge von gut 90 Minuten zurecht. Interessanterweise scheint „Terror at the Opera“ so zu Argentos bis dahin größtem finanziellen Erfolg in den USA geworden zu sein. Die Info in Detlef Klewers Buch „Inferno – Die Welt des Dario Argento“, dass der Film nie in den USA gelaufen sei, ist anscheinend nicht korrekt.

     

    „Opera“ war nach „Tenebrae“ der nach langer Zeit erste Argento-Film, den ich damals zu Gesicht bekam („Phenomena“ hatte ich verpennt) und konnte es nie erwarten, den Film uncut zu sehen, und auch wenn es nach der langen Zeit natürlich nicht zum ersten Mal ist, 1000 Dank und 1000 Kniefälle (na gut, die muss irgendein jüngeres Ich von mir machen) für die HD-Weltpremiere (?) beider Fassungen, der Exportversion und der Originalversion in schönem Bildformat, auch wenn anscheinend Unklarheit über das wirklich korrekte Bildformat herrscht. Aber vom Thema korrektes Bildformat will ich gar nicht anfangen, langweilig. Da es aufgrund der unterschiedlich geschnittenen Veröffentlichungen zudem zu Problemen bei den zwei englischen und der deutschen Synchro kam, sei für wirklich ungetrübten Genuss die italienische Tonfassung mit deutschen Untertiteln angeraten.

     

    Viel wichtiger ist, dass man erst nach dieser sauberen Veröffentlichung wirklich erkennen und würdigen kann, dass „Opera“ die sorgfältigste und detailreichste Kameraarbeit in Argentos Karriere aufweist, ausgeführt von Oscar-Preisträger Ronnie Taylor. Und noch etwas fällt auf – bei der ersten Szene, in der der Killer Bettys Augenlider mit darunter geklebten Nadeln zum Zuschauen zwingt, steht das Bild in den Nahaufnahmen ein paarmal Kopf! Verständlich, denn so war das Ganze wohl weniger beängstigend für Darstellerin Cristina Marsillach, von der Argento meint, sie wäre die schwierigste Schauspielerin gewesen, mit der er je gedreht habe. Die Ursachen für Marsillachs Schwierigsein könnten hier bereits ganz am Anfang des Drehs ihren Ursprung gehabt haben. Marsillach hatte wohl gedacht, da sie durchaus in der Lage gewesen wäre, den Part der Lady Macbeth selbst zu singen, dass man sie genau deshalb auch engagiert habe. Doch Argento mochte ihre Stimme nicht, und schon hing der Haussegen schief. Und dann noch die Nadeln, die Marsillach Augenentzündungen bescherten...usw. Ich glaube, Cristina Marsillach ist auch so ziemlich die Einzige, die ich nie in einer Argento-Doku oder in Opera-Bonusmaterial zu Gesicht bekommen habe. Gehört offenbar nicht zu ihren besten Erinnerungen.

     

    Coralina Cataldi-Tassoni darf hier herrlich ausschweifend über den verdammten Regisseur fluchen, der von Opern keine Ahnung hat und natürlich ist diese Rolle des Regisseurs Marco stark an Argento selbst angelehnt. Für Ian Charleson, der Marco verkörpert, war es bedauerlicherweise die letzte Rolle in einem Kinofilm. Während der Dreharbeiten erlitt er einen Autounfall und erfuhr dabei im Krankenhaus, was er selbst schon vermutet hatte, nämlich dass er an Aids erkrankt war. Er starb nur drei Jahre später.

     

    „Opera“ gehört, wie man hoffentlich bereits gemerkt hat, zu meinen Argento-Favoriten, mit zwei Einschränkungen. Der Einsatz der Rockmusik von „Steel Grave“ hat mich hier wirklich gestört. Während in „Phenoma“ der Einsatz von Bands wenigstens an einigen Stellen noch recht gut funktioniert hat (auch nicht immer, der Einsatz von Motorheads „Locomotive“ ist völlig sinnfrei), steht das Auf- und Abdrehen mitten im Song hier in „Opera“ in seltsamem Widerspruch zu der Sorgfalt, mit der in allen übrigen Sparten in diesem Film vorgegangen wurde. Und es passt nicht rein. Ich bin mir sicher, hätte man Simonetti gefragt, hätte er durchaus etwas weitaus Passenderes für die betreffenden Szenen beisteuern können.

     

    Das Zweite, was etwas befremdlich wirkt, da halte ich es ganz mit Ferrini, Nicolodi und Orion: was sollte dieses zweite Ende? Die Antwort liegt im ursprünglichen Drehbuchentwurf. Da jedoch zahlreiche Elemente im Laufe der Dreharbeiten von Argento selbst gestrichen wurden, wirkt dieses Zweit-Ende seltsam deplaziert, und es ist unklar, warum Argento trotzdem darauf bestand, diesen in der Schweiz gedrehten Abschluss unbedingt beizubehalten.

     

    Na gut, man könnte jetzt auch wieder das Thema Argento und Logiklücken beginnen, aber lassen wir das lieber. Alpträume sind auch nicht logisch.

     

    Apropos – da in „Terror in der Oper“ eine Operninszenierung von Giuseppe Verdis „Macbeth“ im Mittelpunkt steht, habe ich mir zudem tatsächlich Argentos Debüt als Opernregisseur von „Macbeth“ von 2013 angesehen, die es in Deutschland auch als Blu Ray gibt, mit deutschen Untertiteln für die Texte. Für Nicht-Opernfans ist so etwas natürlich schwierig, und tatsächlich bietet Argento hier nicht allzuviel Originelles, was zum Teil daran liegt, dass Opern in Italien noch immer viel traditioneller inszeniert werden als anderswo. Lady Macbeth ist keine Cristina Marsillach sondern eine griechische Matrone mittleren Alters, und keine Raben weit und breit. Letzteres ist sicher auf die Erfahrung beim Dreh von „Terror in der Oper“ zurückzuführen, wo es jedes Mal Stunden dauerte, die Raben nach dem Drehen wieder einzufangen, außerdem haben wohl die Hälfte der Raben irgendwie den Weg in die Freiheit gefunden.

     

    Wer trotzdem neugierig ist, hier ein paar kurze Anmerkungen. Das Libretto wurde von Argento leicht abgeändert und mit versteckten Zitaten aus „Profondo Rosso“ und „Opera“ gespickt. Die Handlung hat er vom frühmittelalterlichen Schottland in den 1. Weltkrieg verlegt. Eingefügt hat Argento mindestens zwei Passagen, die sonst nicht in Macbeth-Aufführungen zu sehen sind, nämlich die Ermordung von König Duncan und eine Liebesszene zwischen dem Protagonisten und Lady Macbeth. Für die drei Hexen hat er drei Balletttänzerinnen engagiert, die mit ihren (Nackt-)Tänzen etwas Bewegung in das ansonsten eher starre Szenario bringen. Und die sehnigen, leicht muskulös-geschmeidigen Bewegungsabläufe sind ein echter Hingucker, nicht nur für Opern- oder Ballett-Fans. Zudem tragen diese drei Tänzerinnen ein deutlich an Mater Lachrymarum aus „Mother of Tears“ angelehntes Make-up. Zudem hat Argento ein paar Bühneneffekte eingefügt, so spritzt bei Macbeth Enthauptung das Blut aus dem Halsstumpf bis an die Decke. Das Hauptproblem von Argentos Inszenierung liegt in der fehlenden Mimik der Beteiligten, von den Hexen mal abgesehen.

    Und da mir heute kein passender Übergang zu einem schmissigen Schlussatz gelungen ist: Frohe Weihnachten. Auch wenn das beim späteren Lesen vielleicht etwas komisch rüberkommt..

  • Autor: Gerald Kuklinski
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