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Der Teppich des Grauens

Deutschland | Italien | Spanien, 1962

  • Originaltitel: Der Teppich des Grauens
  • Alternativtitel:

    Terror en la noche (ESP)

    Espions sur la Tamise (FRA)

    Il terrore di notte (ITA)

    The Carpet of Horror (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 31. Juli 1962
  • Regisseur: Harald Reinl
  • Kamera: Godofredo Pacheco
  • Musik: Francesco De Masi
  • Drehbuch: Felix Lützkendorf, Helmut Harun
  • Inhalt:

    Der Londoner Unterwelt stockt der Atem, denn eine geheimnisvolle Mordserie lichtet ihre eigenen Reihen. Der Tod kommt in Form weißer Kugeln, die sich aus einer Mischung exotischer Gifte zusammensetzen und ihre Opfer qualvoll ersticken lassen. Auch Ann Learner (Karin Dor) findet ihren Onkel, einen bekannten Dechiffrier-Experten, ermordet in seiner Wohnung auf. Wie sich herausstellt, entschlüsselte er brisante Dokumente, die den Namen des Chefs einer gefährlichen Londoner Gangster-Bande entlarvt hätten. Zusammen mit dem Geheimagenten Harry Raffold (Joachim Fuchsberger) macht sich Ann auf die Suche nach der Wahrheit und dem Kopf der Bande. Es dauert nicht lange, bis die Situation für beide sehr gefährlich wird...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Kaum ein anderer Kriminalfilm konnte alleine schon wegen seines Titels ein so hohes Interesse wecken wie Harald Reinls Epigon im Fahrwasser der erfolgreichen Edgar-Wallace-Krimis. "Der Teppich des Grauens" klingt nicht nur äußerst vielversprechend, sondern wirft auch sofort die Frage auf, was ein Teppich wohl an sich haben muss, um grauenvoll zu sein? Bereits die sehr stimmungsvolle Eröffnungssequenz bringt Licht ins Dunkel und zeigt wohin die Reise gehen wird. Der Mörder lässt eine Giftkugel über einen Teppich rollen, deren Wirkung sich nur darauf entfalten kann und das Opfer in einem qualvollen Erstickungstod dahinrafft. Qualitativ reicht dieser Film vielleicht nicht ganz an die später inszenierten Weinert-Wilton-Verfilmungen "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" oder "Die weiße Spinne" heran, punktet jedoch mit einer unkonventionellen Umsetzung und versucht sich ambitioniert von vielen ähnlichen Produktionen abzuheben. Dieser Adaption von 1962 wird oftmals eine schwache Haupthandlung vorgeworfen, vom Drehbuch ganz zu schweigen, da die sogenannte »Mörderbande« die im Szenario die Verbrecher-Seite repräsentiert, etwas diffus agiert. Man sieht keinen einzigen Coup und man hört nur von deren kriminellen Aktivitäten. Diese Variante kann jedoch auch als abwechslungsreich und sehr gelungen angesehen werden, denn gezeigt wird eine Verbrecher-Organisation, die sich schon längst nicht mehr auf dem Höhepunkt ihres Schaffens befindet und es daher in den eigenen Reihen unruhig wird. Der unbekannte Chef, der mit seinen Helfern nur schriftlich per großem Display kommuniziert, ist bereits damit beschäftigt, die eigenen Reihen zu lichten, da es zu diversen Interessenkonflikten kommt und die Gefolgschaft hinsichtlich der Identität des Chefs zu neugierig wird.

     

    Die Besetzung ist mit der von "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" über weite Strecken nahezu identisch, vor allem bei den spanischen Darstellern. Mit dem damaligen Krimi-Traumpaar Joachim Fuchsberger und Karin Dor sieht man wie gewohnt verlässliche Interpreten, oder eben das, was erwartet wurde. Ohne sich eigentlich besonders hervorzuheben, sieht man Joachim Fuchsberger in seiner Paraderolle als agilen Ermittler, der auch einmal eine gute Portion Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen kann. Partnerin Karin Dor wirkt dem Empfinden nach etwas zu unscheinbar, spröde und letztlich wenig daran interessiert, hier Bäume auszureißen. Dass man ihr eine eigenartige, den Typ verfremdende Synchronstimme verpasste, lässt sie kühl, temperamentlos und wenig charmant wirken, was zumindest den Bereich der Abwechslung ganz gut unterstützt. Werner Peters und Carl Lange liefern ebenfalls übliche Schablonen im positiven und im zwielichtigen Sinn, dennoch kränkelt der Film ein wenig daran, dass die beteiligten Charaktere für eine nicht zu übersehende Vorhersehbarkeit sorgen. Die erweiterte Besetzung liefert durchweg sehr ansprechende Leistungen ab und es fällt trotz Mängeln nicht schwer, dem Szenario interessiert zu folgen. Der heimliche Star des Films kommt schließlich in Form der großartigen Eleonora Rossi Drago daher und darstellerisch bewegt sie sich hier tatsächlich in einer anderen Liga. Beinahe ungeduldig wartet man auf den ersten Auftritt der eleganten Italienerin, bis sie schließlich eine, sich im Vergleich deutlich unterscheidende Fülle an schauspielerischem Repertoire präsentiert, was in einem deutschen Kriminalfilm beinahe schon exotisch wirkt. In jeder Minute ordnet sie sich ihre Konkurrenz indirekt unter, ihre mondäne Mabel Huge, die im Film eine Pension leitet, schmückt sich permanent mit einer rätselhaften Unnahbarkeit und einem Schuss italienischer Grandezza. Eleonora Rossi Drago besitzt einfach unheimlich viel Verve, was ein Fließband von Großaufnahmen nur untermauern will.

     

    Sicherlich gibt es bessere Inszenierungen von Harald Reinl und auch im Dunstkreis handelsüblicher Epigonen, aber dafür gibt es wenige Kriminalfilme dieser Zeit, die wie "Der Teppich des Grauens" so vollkommen unterschiedlich im Bezug auf die gängige Konkurrenz wirken. Außerdem kam es selten genug vor, dass ein derartiger Film so viel europäisches Flair vermitteln konnte. Stark inszeniert wurden hier definitiv die regelrecht perfide wirkenden Ermordungsszenen, bei denen eine hohe Spannung aufkommt, die sich allerdings leider nicht immer wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Auch scheinen oftmals einfach zu viele Hintergründe zu fehlen, sodass Unklarheiten nicht komplett ausgeräumt werden können. In den Bereichen, die für einen Kriminalfilm essentiell sind, bekommt der Zuschauer eine routinierte Arbeit geboten. Die Kulissen und Schauplätze wirken stimmig, teils geheimnisvoll, die Kamera-Arbeit erscheint insgesamt gesehen angemessen, was man von der konservativen Musik, die eigentlich nur in den Mord-Szenen greift, leider nicht sagen kann. Wie gewöhnlich punktet ein Film, basierend auf einer Romanvorlage von Louis Weinert-Wilton, bis auf kleinere Aussetzer erneut durch seine unterschiedlichen und interessanten Charaktere. Ungewöhnlicherweise bekommt man als Zuschauer sogar noch eine Folter-Szene geboten, sowie einige pyrotechnische Spielereien, die jedoch heute bestenfalls ambitioniert wirken. Insgesamt weiß dieser Beitrag in erster Linie zu unterhalten und wirkt leicht bekömmlich. Wenn man "Der Teppich des Grauens" nicht allzu harten Vergleichen unterzieht und berücksichtigt, dass es sich seinerzeit sicher um ein Konkurrenz-Produkt handelt, das vielleicht relativ schnell abgedreht werden musste, um den anvisierten Teil vom Kuchen einzuspielen, kommt man mit diesem klassischen Vertreter gut klar. Unterhaltsam!

  • Autor: Prisma
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