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Der Tag der Cobra

Italien, 1980

  • Originaltitel: Il giorno del Cobra
  • Alternativtitel:

    El día del Cobra (ESP)

    Cobra (FRA)

    O Dia do Cobra (POR)

    Day of the Cobra (USA)

    Cobra Day

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Dezember 1981
  • Regisseur: Enzo G. Castellari
  • Kamera: Giovanni Bergamini
  • Musik: Paolo Vasile
  • Drehbuch: Aldo Lado, Fabio Carpi, Tito Carpi
  • Inhalt:

    San Francisco: Der kleine Privatdetektiv Larry Stanziani, früher bekannt als die Cobra, bekommt Besuch von einem Mann, der damals, vor den drei Jahren Gefängnis, sein Vorgesetzter war: Jack Goldsmith, ein hoher Beamter des FBI. Goldsmith gibt Stanziani den Auftrag den großen Drogenboss Kandinsky in Genua dingfest zu machen. Na ja, für 10.000 Dollar Vorschuss kann man sowas schon mal machen, vor allem wenn sich die Gelegenheit bietet den eigenen Sohn in Genua wiederzusehen. Also fliegt Stanziani nach Italien und stellt Nachforschungen an wo Kandinksy sich aufhält. Er sticht in ein Wespennest, und auch sein FBI-Kontaktmann Papasian scheint ziemlich Dreck am Stecken zu haben. Überall wo Stanziani auftaucht wird er beschattet, versucht man ihn zusammenzuschlagen oder gar zu erschießen. Aber die Zusammenhänge zwischen Kandinsky, Papasian und der schönen Brenda sind komplexer als Stanziani glaubt. Wer ist der geheimnisvolle Strohmann im Hintergrund, der offensichtlich sogar Kandinsky Befehle gibt?

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Puh, wem diese Inhaltsangabe zu klischeebeladen ist darf es gerne sagen, ich werfe dann 5 Euro ins Phrasenschwein. Das Problem ist halt: Die Handlung ist so! Ein Klischee jagt das andere, und wenn man in seinem Leben mehr als, sagen wir mal, fünf Krimis gesehen hat, dann weiß man ziemlich genau was passieren wird. Der Detektiv ist eine coole Sau, kann einstecken ohne Ende, und gewinnt die Zweikämpfe ohne weitergehende Blessuren. Die Frau ist schön und kriegt den harten unrasierten Mann mit einem einzigen Klimpern ihrer langen Wimpern ins Bett. Wer die Begrüßungsszene zwischen Papi und Sohn sieht weiß sofort welches Schicksal den Junior erwartet. Wer der geheimnisvolle Drahtzieher im Hintergrund ist, das ist so sonnenklar dass man es auch in den Vorspann hätte schreiben können. Und das Liebesleben des Protagonisten nach Ende des Films ist ebenfalls von vornherein abzusehen. Der amerikanische Privatdetektiv kaut unentwegt Kaugummi, der Bösewicht hat einen Klumpfuß, die Tunte ist natürlich heroinabhängig und das Objekt der allgemeinen Begierde ist ein Schlüssel. Gäähn …

     

    Sprich, der Film ist erstmal eher überraschungsarm. Gottseidank ist mit Enzo G. Castellari ein alter Routinier am Ruder, und entsprechend sind die häufigen Actionszenen schmackig inszeniert und machen viel Laune. Höhepunkte sind da auf jeden Fall der Kampf in der Disco und die Schlussballerei in der, welch Überraschung, alten Ziegelei. Aber auch die anderen vielen kleinen Prügeleien sind stark, die Verfolgungsjagden spannend, und insgesamt kommt bei aller Vorhersehbarkeit trotzdem gute Laune auf. Nur die Musik plockert etwas arg unmotiviert umher, aber im Jahr 1980 war die Musik halt so. Man sieht dass einiges an Geld in Ausstattung und Special Effects geflossen sind, da war dann für Drehbuch und Musik nicht mehr so viel übrig …

     

    Außerdem durchzieht den TAG DER COBRA ein gewisses Augenzwinkern, dieses leichte Flair das in so vielen Castellari-Filmen zu bemerken ist, und welches aussagt, dass um Himmels willen nicht immer alles so ernst genommen werden soll. Ein erstklassig durchtrainierter und heroinabhängiger Kampfsportler? Der Schurke kommt bei einem Unfall ums Leben und ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt? Ein Mann in Trenchcoat und Idiotenkäppi fällt im Genueser Hafenviertel überhaupt nicht weiter auf? Geschenkt! Zwar hat es der Zufälle schon einige viele, aber ein Lächeln von Franco Nero, ein Blick auf Sybil Dannings Dekolleté, und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Bitte nicht nachdenken, sondern abschalten und Spaß haben.

     

    Mehr gibt es zum Film eigentlich nicht zu sagen: Ein harter und kaugummikauender Detektiv prügelt und schießt sich durch Genua. Punkt. Na ja, ein paar bemerkenswerte Punkte gäbe es schon noch: So wird der Filmsohn Tim von Franco Neros echtem Sohn Carlo Gabriel gespielt, den er aus der ersten Ehe mit Vanessa Redgrave hat. Die Danninger Sybille aus Ried im Innkreis, die mit Nero auch in KENNWORT: SALAMANDER und SAM MARLOW, PRIVATDETEKTIV spielte (in letzterem unter anderem auch mit Robert Sacchi aus Ferdinando Merighis DAS AUGE DES BÖSEN) bleibt leider die meiste Zeit angezogen, ist aber immer wieder hübsch anzuschauen. Dass Enzo G. Castellari gerne in seinen eigenen Filmen mitspielt ist bekannt, hier verbirgt er seine Prachtfrisur unter einer Wollmütze und mimt einen Hitman, dem die Cobra mächtig Feuer unterm Arsch macht. Michele Soavi, der sich vor allem als Regisseur von Horrorfilmen einen Namen gemacht hat (THE SECT, DELLAMORTE DELLAMORE) spielt den Kandinsky als Cameo. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass Wolfgang Hess, den man sonst als Synchronstimme von Bud Spencer kennt, in der deutschen Fassung den Franco Nero spricht. Kernig-männlich, aber verdammt gewöhnungsbedürftig! Weiter lernen wir, dass Nero einen Oberkörper hat wie ein Äffchen, bezüglich der Behaarung. Und last but not least möchte ich den Filmtod von Massimo Vanni jedem ans Herz legen der denkt, dass dreimal um die eigene Achse drehen und dann das Dach inklusive Salto herunterfallen der ultimative Tod eines Stuntman sei. Vannis Tod geht hier wirklich an die … Nieren.

     

    Insgesamt also zwar kein Highlight des italienischen Kinos, aber als Gebrauchsgegenstand zum Bügeln oder als „Ich-kann-jetzt-nicht-so-gut-aufpassen-weil-das-sechzehnte-Bier-gestern-schlecht-war“-Gute-Laune-Film taugt er allemal. Die Drehbuchautoren kenne ich sonst eigentlich eher als Garanten für hochwertige Unterhaltung: Aldo Lado hat unter anderem den 10-Sterne-Terrorfilm MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN inszeniert, und Tito Carpi hat als Autor so Juwelen wie TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT oder RIFFS 2 – FLUCHT AUS DER BRONX erschaffen. Sein Schwerpunkt lag allerdings eher bei schmerzhafteren Filmen wie DIE BUMSKÖPFE, DICKE LUFT IN SACRAMENTO oder TEDEUM. In den 80er-Jahren war er bei vielen Klassikern der Endzeit- und Action-Flicks dabei. Über Fabio Carpi kann ich leider nichts sagen weil ich seine Filme nicht kenne, aber zum Beispiel CORPO D’AMORE mit Mimsy Farmer klingt nicht uninteressant, trotz der Mimsy. Insofern dürfte TAG DER COBRA sicher kein Multi-Milliarden-Lire-Projekt gewesen sein, sondern halt einfach ein Schnellschuss der mit wenig Geld realisiert wurde damit alle Beteiligten was Warmes zu essen haben. Und diese Billigkeit sieht man ihm schlussendlich ihn keiner Sekunde an! Unterhaltsame und unaufregende Massenware aus dem Stiefelland …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Die weltweite Blu-ray-Premiere des Films fand beim Label FilmArt statt, und zwar als Nummer 004 der Polizieschi-Edition. Bild und Ton sind zufrieden stellend, wobei das Bild etwas dunkel wirkt, was vor allem bei Nacht- und Innenaufnahmen (etwa dem Kampf in der Ziegelei) zu einem oft viel zu sattem Schwarz und untergehenden Kontrasten führt. Der Ton liegt als deutscher Magnetton, deutscher Lichtton sowie in englisch ohne Untertitel vor. Als Extras gibt es den deutschen Kinotrailer und eine Bildergalerie mit Werbematerial, sowie ein Booklet mit dem Abdruck des Filmprogramms und dem gleichen Werbematerial wie auf der Blu-ray.

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

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