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Das Syndikat des Grauens

Italien, 1980

  • Originaltitel: Luca il contrabbandiere
  • Alternativtitel:

    Luca, o Contrabandista (BRA)

    Luca el contrabandista (ESP)

    La guerre des gangs (FRA)

    O Contrabandista (POR)

    Contraband (USA)

    The Smuggler (Int.)

  • Deutsche Erstaufführung: 07. Mai 1982
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Fabio Frizzi
  • Drehbuch: Gianni De Chiara, Lucio Fulci, Giorgio Mariuzzo, Ettore Sanzò
  • Inhalt:

    Luca di Angelo arbeitet bei einer Schmugglerbande die Neapel mit Zigaretten versorgt. Man liefert sich kleine Scharmützel mit dem Zoll, verdient genügend Geld für etwas kleinen Luxus, und führt ansonsten ein ganz normales Leben mit Eheproblemen und allem was so dazugehört.

     

    Eines Tages wird Lucas Bruder erschossen. Luca ist völlig am Ende, und nachdem praktisch alle Bosse der Schmuggler innerhalb kürzester Zeit umgelegt wurden wird klar dass ein neuer Mann in der Stadt ist: Der Marseiller will die Organisation der Schmuggler nutzen um Drogen nach Italien zu schleusen. Und er geht dabei nicht mit Samthandschuhen vor, wer nicht für ihn ist ist gegen ihn und versprüht sein Blut meterweit. Luca hat nun ein großes Problem am Hals: Entweder er arbeitet mit dem Marseiller zusammen, oder seine Familie stirbt. Da stellt sich die Frage: Ist Fabio Testi wirklich der Mann dem man vor so eine Entscheidung stellen sollte?

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Aber bis man das Ergebnis dieser Frage sieht vergeht einige Zeit, und Regisseur Lucio Fulci haut in dieser Zeit überzeugende Action raus wie im Sonderangebot. 1980 war die italienische Filmindustrie bereits am Ende und wurde nur noch mit Gewalt- und Sexexzessen kurzfristig immer wieder am Leben gehalten. Sex haben wir im SYNDIKAT DES GRAUENS keinen (doch, einmal, aber mit Erotik hat das genauso viel zu tun wie Steuern zahlen), doch Gewalt wird ausgiebig zelebriert. Fulci hatte bereits die ersten seiner Gore- und Horroschocker abgeliefert und lässt sich auch hier nicht lumpen. Da wird ein Frauengesicht mit einem Bunsenbrenner lang und ausgiebig(!) bearbeitet, Schüsse in einen Hals lassen diesen förmlich in Blutkaskaden explodieren, und die erwähnte Vergewaltigung ähnelt in ihrer Intensität fast ein wenig derjenigen in I SPIT ON YOUR GRAVE – Nicht so lange, aber genauso schmerzhaft.

     

    Luca wird zwischen diesen Gewalteruptionen hilflos hin- und hergeworfen wie ein Flipperball. Alle seine Vertrauten gehen früher oder später über die Wupper, und wen er sonst noch so kennt das sind alles Typen die schneller die Partnerschaft wechseln als eine Flasche J&B geöffnet ist. Er selber ist hier nicht so der Gewaltmensch sondern eben ein Kleinkrimineller der seine Familie liebt und ansonsten eigentlich viel lieber seine Ruhe haben möchte. Erst zum Schluss macht er den Keoma, aber Spaß macht ihm das keinen. Fulci zeichnet in diesem Zusammenhang ein geradezu idyllisches Bild von Neapel, ganz weit weg von der Camorra und ihrer Gewalt. Stattdessen kümmern sich die alten Granden des organisierten Verbrechens geradezu rührend um “ihr“ Neapel, und greifen ein um die Stadt vor dem Abschaum ausländischen Heroingesockses zu schützen. “Wir haben die Sonne, da brauchen wir keine Drogen“ meint der Ober-Don zum Capitano der Polizei, lächelt milde, und steigt in seine Limousine. Was wollte Fulci uns damit wohl sagen? Dass Neapel sauber wäre wenn es keine Drogen gäbe? Dass die Mafia früher anständig war? Dass, wer in Neapel Drogen verticken will, sich besser nicht mit Lucio Fulci anlegen soll? Zusammen mit dem dargestellten dümmlich-hilflosen Bild der Polizei ergibt sich eine mögliche Schlussfolgerung die gar kein gutes Licht auf Fulci wirft.

     

    Sei’s drum, abseits von dieser … ääh … Message … unterhält der Film auf das Beste. Auch wenn manche Szenen etwas aneinandergestückelt wirken, und auch wenn in ein paar Szenen längst verständliche Zusammenhänge nochmals explizit erklärt werden damit es auch jeder mitbekommt, insgesamt macht DAS SYNDIKAT DES GRAUENS einfach ordentlich was her. Es gibt die volle Ladung gut gemachter und harter Action, die Musik* passt gut, die Schauspieler sind wie immer hervorragend, und es kommt einfach keine Sekunde Langweile auf. Ständig wird geprügelt, geschossen, gefoltert und gestochen, und dazwischen zeigt Fabio Testi dass er nicht nur unverschämt gut aussieht sondern auch ein wirklich guter Darsteller ist. Sehr zu empfehlen für alle die auf handwerklich gut gemachte und rasante Action stehen. Und für alle die Fabio Testi gerne beim Blutwurst machen zusehen …

     

    *Für die Problematik der unterschiedlichen Scores in den verschiedenen Filmfassungen möchte ich auf die Besprechung des Soundtracks von Tobias Reitmann verweisen, hier auf italo-cinema.de in der Soundtrack-Rubrik: KLICK

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die Veröffentlichung von XT-Video, und zwar die sogenannte “Remastered Uncut Collector’s Edition“. Diese Ausgabe bietet im Gegensatz zu den Vorgängern des gleichen Labels ein besseres und helleres Bild sowie zusätzlich die englische Tonspur mit der originalen Musik von Fabio Frizzi. Das Cover hat mit dem Film nicht das geringste zu tun, und dass die Synchronsprecher italienische Namen prinzipiell nicht aussprechen können, das kann man dem Label ja nun wirklich nicht anlasten …

  • Autor: Maulwurf
  • Filmplakate

    Hier geht's zum Soundtrack

    Syndikat des Grauens, Das

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