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Suspected Death of a Minor

Italien, 1975

  • Originaltitel: Morte sospetta di una minorenne
  • Alternativtitel:

    Extraña muerte de una menor (ESP)

    Too Young to Die (HKG)

    The Suspicious Death of a Minor (USA)

  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Luciano Michelini
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Sergio Martino
  • Inhalt:

    An einem lauen Sommertag trifft der Mailänder Undercover Special Agent Paolo Germi (Claudio Cassinelli) in einem öffentlichen Tanzlokal zufällig auf die rot-gelockte Liebesdienerin Marisa Pesce (Patrizia Castaldi) und fordert diese sogleich zum Tanz auf. Doch nachdem die Beiden gerade erst ein paar Runden auf dem Parkett zurückgelegt haben, erblickt das leichte Mädchen plötzlich unter den anwesenden Tanzgästen eine etwas unheimlich-wirkende Gestalt mit verspiegelter Sonnenbrille und furchteinflößender Haartolle, worauf sie das gemeinsame Tänzchen schlagartig abbricht und fluchtartig den Ort des Vergnügens mit einer heißen Sohle verlässt. Kommissar Germi begibt sich daraufhin auf die Suche nach dem entflohenen Mädchen, kann diese aber kurze Zeit später in einer schäbigen Stundenhotel-Klitsche nur noch als Leiche mit durchtrennter Kehle vorfinden.

     

    Während den weiteren Ermittlungen nach dem unbekannten Mörder trifft der unermüdliche Staatsdiener mit der rechtsfreien Lizenz zur Selbstjustiz zudem auf den noch minderjährigen Kleinkriminellen Giannino (Adolfo Caruso), der sich mit Handtaschendiebstählen und Autoaufbrüchen seine täglichen Brötchen zusammen verdient.

    Kurzer Hand rekrutiert er diesen zu seinem zukünftigen Gehilfen und mischen daraufhin erst einmal gemeinsam die Strassenstrich-Szene des Lambro Parks gehörig auf. Im Anschluss stattet Germi der “Mailänder Gewerkschaftszentrale für Hausdienstpersonal” einen unangekündigten und zugleich denkwürdigen Besuch ab, da er dort den Ursprung aller laufenden Fäden vermutet. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen eröffnet sich den Beiden ein immer größerer werdender Sumpf aus Korruption, Prostitution, Entführung und Mädchenhandel, für dessen Existenz letztendlich eine Seilschaft aus der "über jeden Verdacht erhabenen" Gesellschaftsschicht verantwortlich zu sein scheint. Der aussichtslose Kampf gegen die Windmühlen der Mächtigen ist somit eröffnet....

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Der äußerst vielseitige Sergio Martino erschuf mit dem vorliegenden Werk einen sehr gelungenen Genre-Mix aus Giallo und Poliziottesco, der sich am Besten mit Massimo Dallamanos vorzüglichem "Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)” vergleichen lässt.

    Zudem bietet dieses prächtige Werk des italienischen Genre-Kinos durchwegs ansprechende Bilder und versprüht anhand der zur Schau gestellten Modestyles und der vielseitigen Designmuster bei den Innenraumausstattungen einen stilsicheren Zeitgeist. Obendrein ist die Wurzel alles Übels schlussendlich mal wieder in den Reihen der achtbaren und unantastbaren Gesellschaftsschichten zu finden, die wiederum auf Engste mit Teilen des Staatspparats verzahnt sind und somit ein mächtiges und schwer zu bändigendes Korruptionsgeflecht darstellt.

     

    Die zugrundeliegende Geschichte wird recht spannend erzählt und ist zudem mit kleineren humoristischen Einlagen gespickt, was wiederum bei einer derartigen Genre-Produktion eigentlich recht ungewöhnlich ist.

    Die humoristischen Züge der Dialoge zwischen Claudio Cassinelli und Adolfo Caruso ziehen sich zwar nahtlos durch den gesamten Film, kommen aber glücklicherweise recht dezent und mit einer leichten Sarkasmus-Note daher und wirken somit im Großen und Ganzen weniger komödienhaft. Lediglich auf ein paar Slapstick-Einlagen (Einradaktion, Senior im Headspin-Fieber...) hätte man gerne verzichten dürfen, da diese die Grenze zur Albernheit kurzzeitig übetreten und schlussendlich doch etwas "too much" wirken.

    In diesem Fall finde ich dann das Nichtbestehen einer deutschen Synchro auch gar nicht schlimm, da diese vermutlich nicht einmal ansatzweise diese großartige Balance zwischen Humor und liebevollen Sarkasmus hätte einhalten können und höchstwahrscheinlich ins Alberne und Plumpe geglitten wäre bzw. eine bemerkenswerte Sinnentfremdung der Dialoge hervor gebracht hätte.

     

    “Morte sospetta di una minorenne” kann man aus einem bestimmten Blickwinkel aber auch als einen symphatischen Rip-Off von "Profondo Rosso" ansehen, da nicht nur die gialloesken Szenen (z.B. Inszenierung der Tötungsszenen und die dazugehörigen Kamerafahrten durch dunkle Treppenhäuser oder Flure), sondern gerade auch der goblineske Score von Luciano Michelini (unglaublich guter Basslauf) etwas zu sehr an den unerreichbaren Genre-Meilenstein erinnern (Die Herren Argento und Goblin lassen dabei ständig grüßen). Sehr schade, dass dieser Score noch kein offizielles Release erfahren durfte.

     

    Claudio Cassinelli mimt dieses mal den unbändigen Kommissar Germi, der als eine inoffizielle Ein-Mann Spezialeinheit der staatlichen Polizei auch sehr gerne mal die Grenzen der gesetzlichen Legalität übertritt und somit seinen gnadenlosen Feldzug gegen die kriminellen Drahtzieher aus der mondänen Gesellschaftsschicht im Namen der Selbstjustiz unnachgiebig bis zum bitteren Ende im Alleingang durchzieht. Und dabei gehen dann nicht nur seine Brillengläser am laufenden Band zu Bruch... Eine weitere formidable Darbietung des immer wieder sehr gerne gesehenen Signore Cassinellis, der leider viel zu früh von uns gehen musste.

     

    Weiterhin erwähnenswert ist die außerordentliche Leistung von Adolfo Caruso in der Rolle des Kleinkriminellen Giannino, wobei sich dieser eigentlich weniger als Schauspieler definierte und daher in seiner recht überschaubaren Filmkarriere lediglich an 4 Filmproduktionen mitwirkte. Darüberhinaus darf auch noch Mel Ferrer in der Rolle des handlungsunfähigen Vorgesetzten Cassinellis bewundert werden, dem dabei aber seine Hände aufgrund der Vorgaben des korrupten Justizapparats völlig gebunden sind.

     

    Fazit: Ein weiteres, sehr gelungenes Exemplar des Giallo Polizia, welches sich zudem als visueller Hochgenuss und zugleich als Quell bester Italo-Wohlfühlatmosphäre entpuppt.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    Im deutschsprachigen Raum wurde diese Genre-Perle mit dt. UTs vom “CO” Vorgänger Label “Sazuma” bereits vor über 7 Jahren als Numero Uno der “Italian Genre Cinema Collection” veröffentlicht und kann vom technischen Standart auch heute noch zur vollsten Zufriedenheit überzeugen. Das üppige Paket an Extras hält neben dem Trailer und einem sehr interessanten Interview mit Sergio Martino auch noch einen grandiosen Audiokommentar mit den Herren Christian Keßler und Robert Zion parat, der zudem beste Unterhaltung bietet. Dabei werden nicht nur ausführliche Informationen über die jeweiligen Genres, den Regisseur oder die Schauspieler ans Tageslicht befördert, sondern auch ein Einblick in die geschichtlichen und politischen Hintergründe der damaligen Zeit gegeben. Ein wahrhaft köstlicher Informations-Gaudi!

  • Autor: Richie Pistilli
  • Links

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    IMDb

     

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