Ein Superesel auf dem Ku‘Damm

Deutschland | Italien, 1984

  • Originaltitel: Delitto al Blue Gay
  • Alternativtitel:

    Der Superbulle auf dem Ku’damm (DVD-Titel)

    Cop in Drag (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 22. Februar 1985
  • Regisseur: Bruno Corbucci
  • Kamera: Marcello Masciocchi
  • Musik: Fabio Frizzi
  • Drehbuch: Bruno Corbucci, Mario Amendola
  • Inhalt:

    Damenimitator „Nadia“ wird im Transvestiten-Club „Al Blue Gay“ ermordet. Insepektor Nico Giraldi (Tomas Milian) wird von seinem Vorgesetzten Trentini (Marcello Martana) gebeten, den Fall zu übernehmen. Giraldi möchte nicht verdeckt in einem Transvetiten-Club ermitteln, zudem wurde gerade seine Tochter geboren, vor deren nächtlichem Geschrei er dann aber doch in die Ermittlungsarbeit flüchtet.

     

    Seiner Frau erzählt er von der Art dieses Auftrags jedoch nichts, auch vor einem Auftritt als Damenimitator drückt er sich, indem er Venticello (Bombolo) diesen Part übernehmen lässt und als dessen Ehemann auftritt. Außerdem quartiert er sich für die Dauer des Auftrags bei Venticello ein.

     

    Giraldi schmeißt sich im „Al Blue Gay“ an Damenimitator Colomba Lamar (Vinicio Diamanti) ran, weil er sich von ihm wichtige Informationen erhofft. Angela, Giraldis Frau, erwischt die Beiden jedoch, macht ihnen im „Al Blue Gay“ eine Szene und will die Scheidung.

     

    Einer der Hauptverdächtigen ist der Geliebte des Opfers, der deutsche Regisseur Kurt Linder (Holger Münzer), dem Giraldi schließlich nach Berlin folgt, wo die Geschichte schließlich einen anderen Verlauf nimmt. Eine Woche vor Nadias Tod wurde nämlich dessen Vater, ein Atomphysiker, entführt, und KGB und CIA mischen plötzlich mit.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Delitto al Blue Gay“, Der Superesel auf dem Ku’Damm, letzter Film der Nico Giraldi-Reihe, wird oft als schwächster Teil der Serie bezeichnet. Ganz fair ist das nicht, denn gerade in komödiantischer Hinsicht ist er sehr abwechslungsreich, und trotz des Transvestiten-Themas, dass zu Klischees geradezu einlädt, sind diese aber herrlich umgesetzt.

     

    Vielleicht ein Fassungsproblem? Die US-Fassung trägt den Titel „Cop in Drag“, also Polizist in Frauenkleidern, und genau das bekommt der Zuschauer eben nicht, keinen Tomas Milian in Frauenkleidern. Muss auch nicht sein. Die deutsche Fassung dagegen lässt ein paar gute komödiantische Szenen vermissen, warum auch immer. Am Anfang wurde sogar die erste Milian-Szene, wie er mit Sohn Rocky seine Frau im Krankenhaus besucht, um zum ersten Mal seine neugeborene Tochter zu sehen, durch Archivmaterial einer Action-Szene aus dem ersten Film, „Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen“ ersetzt – was sollte das? Andere Szenen fehlen teilweise oder komplett. Die deutsche Synchro wiederum ist diesmal ganz okay, aber Bombolo in Deutsch, das funktioniert nicht so recht, zumindest dann nicht, wenn man den Film zuerst in der Originalfassung gesehen hat, was bei mir in punkto Giraldi-Filme meist der Fall war.

     

    Bombolo erhält diesmal viele Szenen mit Milian, die Dynamik zwischen den Beiden stimmt, und die Katzenfutter-Szenen, erst mit Milian, später mit Marcello Martana und Milian hätte man wirklich nicht herausnehmen sollen, oder ist das Servieren von Katzenfutter irgendwie jugendgefährdend?

     

    Witzig ist auch die Szene, als Giraldi seiner Frau am Telefon weismachen will, er sei am Flughafen, was Bombolo mithilfe einer Geräuschkulisse aus Staubsauger und getürkten Lautsprecheransagen untermalt. Die hat es auch in die deutsche Fassung geschafft.

     

    Grundsätzlich ging die italienische Originalfassung in den Kinos 98 Minuten, die deutsche Kinofassung dagegen schlappe 83 Minuten plus die eingefügte Archivszene, macht ca. 15 Minuten fehlendes Material.

     

    Für seicht-poppige, aber passende musikalische Untermalung sorgte Fabio Frizzi, und wieder in einem kurzen Gastauftritt dabei, diesmal zusammen mit Bombolo, ist Marina Hedman. Die deutschen Co-Produzenten bescheren dem Zuschauer Holger Münzer, Anita Kupsch und Monika Gruber.

     

    Noch ein Wort zur Auflösung des Mord-Falles, das ist alles so völlig an den Haaren herbeigezogen, dass wohl weder Insepektor Giraldi noch die Drehbuchautoren wirklich wissen, wie sie da eigentlich hingekommen sind. Zum Glück schaut man sich solche Filme nicht wegen der Logik an.

     

    Abschließend wäre zu sagen, wer Bruno Corbuccis Mischung aus Krimi und Komödie nicht mag, wird wohl nur mit dem ersten „Superbulle“-Film, „Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen“ wirklich glücklich werden. Alles weitere, immerhin 10 Fortsetzungen, nur für Fans – aber sind wir das nicht alle?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Savoy Film hat die deutsche DVD gegenüber der Kinofassung nur um die Verlängerung einer dialoglosen Tanzszene erweitert. Gutes Bild, aber spärlich nur mit deutscher (rauschender und widerhallender) Tonspur ausgestattet, die geschnittenen Szenen findet man als Deleted Scenes im Bonusmaterial, wobei das von der Länge her meiner Ansicht nach noch immer nicht ganz hinhaut. Und wie gewohnt, Deleted Scenes in Italienisch ohne Untertitel.

     

    Und bei der einheitlichen Cover-Gestaltung der Savoy/Milian-DVD’s hat man hier wohl vergessen, den Schriftzug an der Seite abzuändern, denn dort steht „Der Superbulle schlägt wieder zu.“

  • Autor: Gerald Kuklinski
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