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Super Bitch

Italien | Vereinigtes Königreich, 1973

  • Originaltitel: Si può essere più bastardi dell'ispettore Cliff?
  • Alternativtitel:

    Magnates de la droga (ESP)

    Piège pour un tueur (FRA)

    Blue Movie Blackmail (GBR)

    Mafia Junction (USA)

  • Regisseur: Massimo Dallamano
  • Kamera: Jack Hildyard
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Massimo Dallamano, Ross MacKenzie, George P. Breakston
  • Inhalt:

    Der amerikanische Undercover Special Agent Cliff Hoyst (Ivan Rassimov) soll im Auftrag seines Arbeitgebers – der amerikanischen Anti-Drogenbehörde – einen international agierenden Rauschgifthändlerring zerschlagen und sich daher in die Bande des mächtigen Don Marco (Giacomo Rossi Stuart) einschleusen. Nachdem der zwielichtige Bundesbeamte erfolgreich im höchstkriminellen Bandengefüge Fuß fassen konnte, ereilt ihn auch schon sogleich sein erster Arbeitsauftrag: Cliff soll zunächst in Beirut einen geplanten Drogendeal der konkurrierenden Bande von „Mama la Turca“ (Patricia Hayes) zum Platzen bringen, wobei der skrupellose Bundesbeamte aber gleich mal völlig entspannt den Geschäftspartner der Mama unter Zuhilfenahme eines Präzisionsgewehrs ins Jenseits jubelt.

     

    Daraufhin geht es dann auch schon per Flieger weiter ins beschauliche London, wo ihn bereits der niederrangige Bandenchef Morell (Ettore Manni) sehnsüchtig erwartet. Morell gehört zur Bande des mächtigen Don Marco und leitet für diesen die Londoner Dependance einer weltweit operierenden Escort-Agentur. Gemeinsam mit seinem besten Pferdchen im Stall, der adretten Hostesse Joanne (Stephanie Beacham), erpresst der zwielichtige Morell daraufhin einen einflussreichen Diplomaten mit verfänglichen Fotos dessen tierischer Vorlieben, welche dieser noch kurz zuvor mit dem falschen Betthasen in der Londoner Zweigstelle völlig ungeniert ausleben durfte. Um aber in den Besitz des kompromittierenden Beweismaterials zu gelangen, soll der ausgelieferte Diplomat im Auftrag des Syndikats zunächst eine bis zum Rand mit Drogen gefüllte Statue in Paris ersteigern und diese anschließend sicher durch den Zoll schleusen.

     

    Doch dann gibt es da auch noch den fiesen Ganoven Gamble (Luciano Catenacci), der gemeinsame Sache mit der unerbittlichen „Mama la Turca“ macht und Morell daraufhin hinter dem Rücken Don Marcos zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwingt. Da aber auch unserer unmoralischer Bundesbeamter ein großes Interesse an einer beruflichen Partnerschaft mit Morell hegt, ist spätestens ab diesem Zeitpunkt sein erneutes Handeln gefragt. Ob er dabei auch wieder zu ungesetzlichen Mittel greift, müsst ihr Euch dann aber schon selbst anschauen....

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Dieser recht ungewöhnliche Polizeifilm stellt Massimo Dallamos (BANDIDOS, DAS GEHEIMNIS DER JUNGEN WITWE, DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL) erste Regiearbeit für besagtes Genre dar, wobei in den Folgejahren mit DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER und KALIBER 38 – GENAU ZWISCHEN DIE AUGEN noch zwei weitere hochkarätige Genrevertreter folgen sollten. Außerdem wäre im vorliegenden Fall die Übersetzung des italienischen Titels (SI PUO ESSERE PIU BASTARDI DELL'ISPETTORE CLIFF? ) auch viel trefflicher gewesen, da dieser die gerechtfertigte Frage aufwirft, ob es denn einen noch größeren Bastard als unseren guten Inspektor Cliff Rassimov gibt. Die entsprechende Antwort lässt dann auch nicht lange auf sich warten, da unser undurchschaubarer Zivilermittler gleich in die Vollen geht und dabei so rein gar nicht gesetzeskonform wirkt.

     

    Dabei versprüht Dallamos leicht zynische Polizeifilmproduktion ein internationales Flair, da das Ganze an wunderschönen Schauplätzen in Beirut, London, Paris und New York abgedreht wurde und außerdem aufgrund bemerkenswerter Kamerabilder besticht. Hinzu gesellt sich eine sehr wohldosierte Farbgebung, welche die Bilderpracht vollends abrundet. Insgesamt kann festgehalten werden, dass es sich in diesem Fall um eine sehr abwechslungsreiche Filmproduktion handelt, bei der alle paar Minuten etwas Neues geschieht. Aber genau darin liegt dann auch gleichzeitig die einzige Schwäche der Inszenierung, nämlich im fehlenden Erzählfluss der Geschichte. Das Drehbuch wirkt aufgrund seiner zahlreich miteinander verwobenen Handlungsstränge stellenweise ein wenig verwirrend und konfus zugleich, aber auch das tut dieser äußerst unterhaltsamen Polizeifilmsause schlussendlich keinen Abbruch, denn die Aneinanderreihung der einzelnen Szenenabfolgen funktioniert hierbei wiederum einwandfrei. Neben einer ordentlich inszenierten Verfolgungsjagd, die bereits nach den ersten 10 min. bestaunt werden kann, kommen selbstverständlich auch genrebedingte Gewaltspitzen, damenhafte Freizügigkeiten oder ein bleihaltiges Finale zum Einsatz und runden dieses untypische Polizeifilmspektakel somit vollends ab. Unliebsame Gegner werden hierbei schonungslos hingerichtet oder gleich kopfüber in handelsüblichen Backöfen vergast und die lästigen Leichname daraufhin schonungslos einzementiert. Hier werden keine Gefangene gemacht!

     

    An vorderster Front treibt dabei der in der Regel allseits geschätzte Gesichtsmime Ivan Rassimov (DIE FARBEN DER NACHT, SPASMO, DIE VIPER) ein dermaßen unmoralisches Verwirrspiel, dass man sich ständig die Frage stellen muss, ob man es hier tatsächlich mit einem gesetzestreuen Hüter von Recht und Ordnung zu tun hat oder ob es sich bei seinem zu darstellenden Charakter nicht doch eher um einen gesetzlosen Strolch handelt, der abseits jeglicher Legalität ausschließlich in die eigenen Taschen wirtschaften möchte? Zur Erlangung seines Ziels scheinen ihm außerdem alle Mittel recht zu sein, auch wenn sie dabei als noch so ungesetzlich und verabscheuungswürdig gelten. Im Gegensatz zu seinen bissigen Ermittlerkollegen, die sich in erster Linie als selbsternannte Beschützer der zu Tode verängstigten Bevölkerung verstehen, steht bei Undercoveragent Ivan ausschließlich der eigene Vorteilsgewinn im Vordergrund. Dabei zieht er dann ordentlich vom Leder und lässt auch schon mal unliebsame Gegner von einem eigens einbestellten Killerkommando gnadenlos aus dem Weg räumen oder honoriert Kritik durch seinen Vorgesetzten mit einem sauberen Kopfschuss aus dem Hinterhalt. Ansonsten ist er recht gigolomäßig unterwegs und lässt auch bei der holden Weiblichkeit rein gar nichts anbrennen. Über den gesamten Filmverlauf betreibt der amtliche Bastard mit der selbst erteilten Lizenz zum Töten an mehreren Fronten ein mit List und Tücke gespicktes Doppelspiel und versucht dabei die verfeindeten Parteien auf seine unnachahmliche Art und Weise gegeneinander aufzuwiegeln. Obwohl er sich in seiner Rolle als unmoralischer und korrupter Bundesbeamter wahrlich keine Sympathiepunkte einheimst, kann er dennoch in dieser überzeugen und erledigt seine Sache dabei tadellos.

     

    Den Part der weiblichen Rolle darf dieses mal die britische Schauspielerin Stephanie Beacham (DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN, HAUS DER TODSÜNDEN, SAMEN DES BÖSEN) übernehmen, wobei ihr in der Rolle der leichten Escortdame „Joanne“ ständig übel mitgespielt wird, sei es bei ausgefallenen Karniggelspielchen mit gefallenen Diplomaten oder im Rahmen ihrer etwas nicht ganz so rund laufenden Doppelbeziehung. Dabei trennt sie Arbeit und Geschäft schon so gut es geht und dennoch wird ihr sowohl von ihrem Arbeitgeber, als auch von ihrem vermeintlichen Geschäftspartner gehörig zugesetzt. Ein regelrecht demütigender Job, den sie hier schließlich erfüllen muss und dennoch im Rahmen ihrer Darbietung mit Bravour ausfüllt.

     

    Kommen wir zur Halbglatze des Grauens, Luciano Catenacci (DER CLAN DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT, DIE VIPER, EIN MANN AUF DEN KNIEN), der auch dieses mal wieder einen herrlich fiesen Typ namens „Gamble“ verkörpern darf. Als er aber schließlich dem Ivan hinsichtlich einer lukrativen Geschäftspartnerschaft zuvorkommen und zugleich auch noch die leichte Escortdame für seine eigenen Zwecke abwerben möchte, ereilt ihn ein äußerst nervenzerreißendes Schicksal, von dem er sich dann auch so schnell nicht wieder erholt. Sein direkter Gegenspieler wird hierbei von keinem Geringeren als dem Genrefilmveteranen Ettore Manni (TÖDLICHER HASS, WILD DOGS, KOMMISSAR MARIANI - ZUM TODE VERURTEILT) dargestellt, der in der Rolle des Hostessenluden“Morell“ die Londoner Zweigstelle des international agierenden Escort-Agentur leitet und dabei einen Teil seines vermögenden und äußerst einflussreichen Kundenstamms mit kompromittierenden Bildmaterial erpresst. Giacomo Rossi Stuart (DER PHANTOMKILLER SCHLÄGT ZU, SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE, DIE GROTTE DER VEGESSENEN LEICHEN) darf dann auch noch kurz „Hallo“ sagen, was ihm in der Rolle des Oberschurken „Marco“ auch herzlichst gegönnt sei.

     

    Die Letzte im Bunde hört auf den Namen Patricia Hayes (DER TIGER, THE TERRORNAUTS, DAS TOTAL VERRÜCKTE IRRENHAUS) und ist ihres Zeichens sowohl eine bekannte Komikerin, als auch eine gestandene Schauspielerin aus dem vereinigten Königreich. Miss Hayes verkörpert hierbei die bloody mama-ähnliche „Mama la Turca“, die gemeinsam mit ihrem etwas mental retardiert wirkenden Familienclan entweder in einem direkten Verwandtschaftsverhältnis zu „Ma Baker“ und ihren Jungs steht oder diesen gegenüber einfach nur eine ernst zu nehmende Konkurrenzveranstaltung darstellt. Bei Mama la Turcas hinterwäldlerischen Sprösslingen handelt es sich nämlich keinesfalls um Kinder von Traurigkeit, sondern eher um einen Haufen völlig entfesselter und zugleich unkontrollierbarer Wahnsinniger, deren ständiger Gewaltexzess wie ein regelrechtes Fest der Ausgelassenheit wirkt und zu alledem auch noch mit zynisch klingenden Gitarrenklängen untermalt wird.

     

    Musikalisch ist das Ganze dieses mal recht schlicht gehalten, da der ortolanische Soundtrack lediglich aus zwei Kompositionen besteht. Die Titelkomposition entpuppt sich dabei als eine wunderbar groovende Laid back-Nummer, die dann auch sofort in den Hörgängen hängen bleibt und außerdem den Blues im Fuß heraufbeschwört.

     

    Fazit: Ein unmoralisches Verwirrspiel mit Hang zur Illegalität. Am Ende bekommt hier jeder genau die Rechnung präsentiert, die er schlussendlich auch verdient.

  • Autor: Richie Pistilli
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