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Süße Begierde

Frankreich | Italien, 1960

  • Originaltitel: I dolci inganni
  • Alternativtitel:

    Dulce engaño (ARG)

    Wenn Mächen Frauen werden (AUS)

    Amantes e Adolescentes (BRA)

    Les adolescentes (FRA)

    Sweet Deceptions (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 09. August 1963
  • Regisseur: Alberto Lattuada
  • Kamera: Gábor Pogány
  • Musik: Piero Piccioni
  • Drehbuch: Claude Brulé, Franco Brusati, Francesco Ghedini, Alberto Lattuada
  • Inhalt:

    Die junge Francesca (Catherine Spaak) erwacht am Morgen nach einem erotischen Traum, in dem der 37-jährige Enrico (Christian Marquand), ein Freund ihrer Eltern, eine gewichtige Rolle spielte. So schwänzt sie die Schule, um ihr gerade erst erblühtes Potenzial an Enrico zu testen. Aber sie ist unentschlossen und sucht schließlich doch noch die Schule auf.

     

    Im Laufe des Tages erlebt sie allerlei Dinge, lernt neue und teils kuriose Menschen kennen, doch am Ende führt sie ihr Weg doch wieder zurück zu Enrico und sie gesteht ihm ihre Zuneigung. Doch nachdem sie bekommen hat, was ihr am Morgen noch so wichtig und bedeutsam erschien, empfindet sie schon wieder ganz anders.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    In Alberto Lattuadas „Süße Begierde“ dreht sich alles um die Hauptfigur Francesca, eine 17-jährige junge Frau und ihre Erlebnisse und Empfindungen innerhalb eines Tages. Gespielt wird Francesca von der im wahren Leben erst 15-jährigen Catherine Spaak in ihrem ersten Karrierejahr und sie meistert ihre Rolle durchaus glaubhaft, wenn auch ohne herausragende Momente.

     

    Für solche herausragenden Momente sorgen eher die übrigen kleineren Rollen, die im Laufe des fast episodenartigen Geschehens auftauchen. So kann man, ebenfalls im ersten Jahr ihrer Karrieren, zum Beispiel Marilù Tolo und Jean Sorel sehen. Für viele andere der jungen Darsteller des Films markierte dieser Film nicht nur den Beginn sondern leider auch das Ende ihrer Karrieren.

     

    Doch warum ist das so? Ein Teil der Antwort könnte in den argen damaligen Zensurproblemen des Films liegen. Lattuada machte kein Geheimnis daraus, dass seine ursprüngliche Inspiration für „Süße Begierde“ der Erfolg des Romans „Lolita“ von Vladimir Nabokov war, wenn auch Lattuadas Endprodukt dann doch eine gänzlich andere Richtung einschlägt und als ein durchaus gelungenes Porträt der Gefühlsverwirrung einer Heranwachsenden betrachten kann (ja, 1960 war man das als 17-Jährige noch, grins) und vor allem die wechselnden Gefühlsschwankungen während nur eines einzigen Tages schildert. Und das, Francesca eben noch jungfräulich ist, setzen wir einfach mal dreist voraus.

     

    Wegen des Themas sexueller Natur, wurde „Süße Begierde“ stark von der Zensur modifiziert, denn man fand, Lattuadas Film sei ein Sammelsurium von verwerflichen und inakzeptablen Situationen, eine Schande für den italienischen Film, der den Zuschauer angewidert und empört zurücklassen würde. Nach einer sofortigen Änderung von 14 Dialogen, folgte ein Verbot für Personen unter 16 Jahren und im Jahre 1961 wurden zusätzlich 8 Szenen (301,5 Meter Film) entfernt. Erst 1964 wird „Süße Begierde“, nach einer Klage des Produzenten, ungekürzt freigegeben. Das Verbot für Minderjährige wird dagegen erst 1998 aufgehoben. Schaut man sich den Film heute an, kann man über solche Zensur-Hysterie wohl nur noch lachen.

     

    Das Problem, dass die italienischen Zensoren wohl damals mit dem Film hatten, wird in der Hauptsache wohl auf 2 Dinge zurückzuführen sein: es ist die minderjährige Francesca, die den älteren Mann verführt. Und dieser ältere Mann zeigt keinerlei Reue, kann sich sogar eine Zukunft mit Francesca vorstellen - nur hat die es sich dann anders überlegt, während sie noch kurze Zeit zuvor unsterblich in Enrico verliebt schien. Interessant ist hierbei sicher auch, dass die junge Francesca natürlich noch bei ihren Eltern lebt, diese aber nur eher am Rande erwähnt werden, nie selbst auftauchen und in Francescas spontanen Entscheidungen auch keinerlei Rolle spielen.

     

    Für komische Momente sorgen insbesondere die Contessa, gespielt von „Milly“ (Carla Emilia Mignone), eine etwas ausgeflippte ältere Dame, auf der ständigen Flucht vor Gläubigern, sowie der junge Renato (Jean Sorel), ein einfacher Mann, der sich unsterblich in einer Principessa verliebt hat, die mit ihm aber in erster Linie ihre reichen Freunde schockieren will und ihn gerne auch mal bloßstellt. Aber sie liebt ihn trotzdem.

     

    Piero Piccioni wertet das Ganze noch durch einen zumeist ruhigen und eingängigen Lounge-Musik-Soundtrack auf, lediglich zu Anfang, nach Francescas anfäntglicher Verwirrung durch ihren sexuellen Traum, unterbricht Piccioni seinen Flow mit ein paar – natürlich beabsichtigten - Dissonanzen.

     

    Abschließend stellt sich die Frage, wie man „Dolci Inganni“ – Süße Begierde – filmhistorisch bewerten möchte. Zu den ganz großen Meisterwerken des italienischen S/W-Kinos mag ich ihn nicht so recht zählen. Ein gelungenes und unterhaltsames Zeitdokument ist er dagegen allemal. Ansehen sollte man sich ihn auf jeden Fall mal, und sei es auch nur, um herzlich über die Hysterie und Verklemmtheit der damaligen Filmzensoren zu lachen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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