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Suburra

Italien, 2015

  • Inhalt:

    Am Strand von Ostia, südlich von Rom, plant die Mafia ein gewaltiges Bauprojekt, eine Art neues Las Vegas. Um das Projekt umsetzen zu können, sind viele Kontakte nötig. Der Killer Samurai (Claudio Amendola) behält die Interessen der Investoren aus dem Süden im Auge, der junge Gangleader Numero 8 (Alessandro Borghi), der die Kontrolle über das Gebiet um Ostia besitzt, überredet die jetzigen Besitzer mit Brandstiftung und Vorschlaghammer zum Verkauf. Für die Zustimmung im Parlament für das Bauprojekt soll der Abgeordnete Filippo Malgradi (Pierfrancesco Favino) Stimmung machen, zudem hat man den jetzigen Präsidenten in der Tasche, doch der befindet sich in einer Krise, und der Erhalt der aktuellen Regierung steht auf lange Sicht auf der Kippe.

     

    Doch Malgradi hat eine Schwäche: Sex, sehr viel Sex. Bei einer Party im Haus des Teilzeit-Zuhälters Sebastiano (Elio Germano) hat er einst die First-Class-Prostituierte Sabrina (Giulia Goiretti) kennen gelernt, und neuerdings trifft er sich jeden Abend mit ihr. Zu jedem dieser Treffen soll Sabrina zudem ein weiteres Mädchen mitbringen, vorzugsweise minderjährig.

     

    Doch die Orgie mit Malgradi, Sabrina und ihrem jungen Mitbringsel Jelena läuft aus dem Ruder, da das junge Mädchen den Unmengen an Crystal Meth nicht gewachsen ist, das die anderen beiden konsumieren. Jelena ist tot und Malgradi in Panik. Sabrina ruft einen Freund an, den jungen Roma Spadino Anacleti (Giacomo Ferrara), der die Leiche Jelenas beseitigt. Doch Spadino hat Malgradi beim Verlassen des Hotels gesehen und will ihn erpressen.

     

    Sebastiano hat dagegen ganz andere Probleme, denn sein Vater begeht Selbstmord und hinterlässt einen Berg Schulden, die er bei dem Oberhaupt der Roma-Sippe Manfredi Anacleti (Adamo Dionisi) gemacht hat. Anacleti verlangt, das Sebastiano für die Schulden seines Vaters geradesteht und ihm seinen gesamten Besitz überlässt, einschließlich der Villa, in denen Sebastiano zu den Sexparties der Politiker lädt.

     

    Filippo Malgradi sucht einen Weg, um der Erpressung durch Spadino zu entgehen und bittet einen anderen Abgeordneten mit Kontakten um Hilfe. Dieser schickt Numero 8, doch Spadino bleibt uneinsichtig, es kommt zum Streit, und Numero 8 tötet den jungen Roma. Dessen Vater Manfredi will natürlich Rache für den Tod seines Sohnes und schickt seine Leute aus, um herauszufinden, wer Spadino auf dem Gewissen hat.

     

    Und hier sieht dann auch Sebastiano einen Ausweg. Durch Sabrina hat er von der toten Prostituierten und Malgradi erfahren. Er geht zu Manfredi Anacleti und berichtet ihm, dass Numero 8 seinen Sohn getötet hat. Anacleti versucht, Numero 8 und dessen Freundin Viola (Greta Scarano) zu töten, doch zunächst misslingt der Versuch und es kommt zu Krieg zwischen den beiden Banden. Der Samurai schaltet sich ein, denn diese Art von negativer Aufmerksamkeit kann das Ostia-Projekt nicht gebrauchen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Suburra“ entstand 2015 nach einem Roman von Krimiautor Giancarlo de Cataldo und Journalist Carlo Bonini, die auch am Drehbuch beteiligt waren. Regie führte Stefano Sollima, Sohn von Sergio Sollima, dem dieser Film auch gewidmet wurde. Und „Suburra“ ist einfach nur großartig! Nachdem Stefano Sollima bei den Serien „La Squadra“, „Crimini“, „Romanzo Criminale – Der Pate von Rom“ und „Ghomorrha“ bereits einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hat, ist „Suburra“ nach „ACAB – All Cops are Bastards“ (2012) sein zweiter Kinofilm.

     

    In wirklich eindrucksvollen Bildern und stimmungsvoller Beleuchtung bekommt der Zuschauer hier ein recht verwickeltes Gangster-Drama, in dem die selten sympathischen Charaktere für manche Überraschung gut sind. Aufgemotzt ist das Ganze mit ein wenig hartem Sex und ein paar sehenswerten Gewaltspitzen. Auch der Aufwand einiger Szenen überrascht, etwa die Schießerei in einem Einkaufszentrum.

     

    Was einem am Ende am Meisten in Gedächtnis bleibt, ist neben der Fotografie die Vielschichtigkeit der Charaktere. Filipo Malgradi, gespielt von Pierfrancesco Favino, ist ein korrupter Abgeordneter, der wie viele seiner Kollegen an Sexparties teilnimmt, was sich bei ihm jedoch zu einer regelrechten Besessenheit entwickelt hat. Er braucht es jeden Abend, und das zu Dritt, während seine Frau und sein Sohn darauf warten, dass er von diesen ausgedehnten Überstunden nach Hause zurückkehrt. Der Tod der jungen Jelena interessiert ihn erst als er erpresst wird, und sein Versuch, den Erpresser einschüchtern zu lassen, erweist sich als der Beginn eines Albtraums und seines endgültigen Abstiegs. Favinos markantes Gesicht kennt man u. a. aus Giuseppe Tornatores „Die Unbekannte“ (2006) oder Ron Howards „Illuminati“ (2009).

     

    Auf der Gangster-Seite fallen besonders dem Samurai, einer Alt-Legende unter den Mafia-Killern, sowie Numero 8 und Manfredi Anacleti besondere Rollen zu. Während der Samurai ein eben schon etwas älterer und besonnener Charakter ist, sind Numero 8 und der Roma-Sippenchef beängstigende und schockierend gewalttätige Charaktere, beide keine Freunde von friedlichen Problemlösungen. Eher ist es noch Numero 8, der zumindest versucht, sich etwas zusammenzureißen, denn für ihn ist das „neue Las Vegas“, dass auf seinem Gebiet Ostia errichtet werden soll, der große Traum vom Aufstieg.

     

    Besonders interessant ist die Handlung um Sebastiano, gespielt von Elio Germano, dem Veranstalter der Sex-Parties für die Abgeordneten und wie er immer tiefer in die Schuld von Roma-Chef Anacleti gerät. Dabei bietet Sebastiano ihm den Mörder seines Sohnes, doch Anacleti legt sich nie fest und reißt Sebastiano immer tiefer rein, zudem verachtet er ihn als Spitzel. Am Ende ist aber gerade Sebastiano für eine Überraschung gut.

     

    Das Gleiche gilt für die beiden weiblichen Charaktere des Films, die Prostituierte Sabrina und Viola, der Junkie-Freundin von Numero 8. Sabrina wirkt zunächst abgeklärt und kalt, erweist sich später aber als sehr menschlich und sympathisch, nur wird sie dann plötzlich gerade durch diese Veränderung unwichtig. Im Gegensatz zu Viola, die zunächst nur wie das drogensüchtige Anhängsel des Ostia-Chefs wirkt, deren Rolle aber zunehmend an Relevanz gewinnt.

     

    Die Handlung ist im Jahre 2011 angesiedelt, Sollima zählt die Tage bis zur “Apokalypse“, und an realen Referenzen zu diesem Moment fehlt es nicht. Der Präsident und die Sex-Parties für Politiker, wem käme da nicht Berlusconi ins Gedächtnis? Eine weitere Rolle spielt hier der Rücktritt des damaligen Papstes, die Bauspekulanten-Skandale sowie die heftigen Regenfälle in dieser Zeit, die zusätzlich für optische Stimmung sorgen. Somit ist „Suburra“ wirklich vollgepackt mit interessanten Figuren und Ereignissen und somit keine der ca. 130 Minuten langweilig.

     

    Produziert wurde „Suburra“ in Zusammenarbeit mit RAI Cinema und der Option für eine zehnteilige Serie auf Netflix, die für 2017 geplant ist. Rein persönlich fände ich es aber schade, wenn Stefano Sollima nach diesem filmischen Meisterwerk wirklich gezwungen wäre, wieder zu TV-Produktionen zurück zu kehren. Ja, Totgesagte leben länger, und „Suburra“ hinterlässt ein wenig die Hoffnung, dass der italienische Film eben doch nicht so ganz tot ist.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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