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Die Stunde, wenn Dracula kommt

Italien, 1960

  • Originaltitel: La maschera del demonio
  • Alternativtitel:

    A Maldição do Demônio (BRA)

    La máscara del demonio (ESP)

    Le masque du démon (FRA)

    Revenge of the Vampire (GBR)

    The Mask of Satan (GBR)

    Black Sunday (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 29. September 1961
  • Regisseur: Mario Bava
  • Kamera: Mario Bava
  • Musik: Roberto Nicolosi
  • Drehbuch: Ennio De Concini, Mario Serandrei, Mario Bava, Marcello Coscia
  • Inhalt:

    Die Hexe Asa Wajda und ihr Geliebter Javutich (in der deutschen Version Dracula) werden von der Inquisition unter der Leitung von Asas Bruder wegen Anbetung des Bösen und Vampirismus grausam hingerichtet: Erbarmungslos wird die Maske des Teufels auf ihre Gesichter genagelt. Doch bevor die Hexe stirbt verflucht sie ihre eigene Familie und alle Nachkommen, und ein plötzlich aufziehender Sturm verhindert ihre Verbrennung. 200 Jahre später reisen zwei Wissenschaftler, Dokor Kruvajan und sein junger Adlatus Doktor Gorobec, durch das Land. Eine alte Gruft erweckt ihre Neugierde, und bei der Untersuchung zerstören sie zuerst ein Kreuz das auf einem alten Sarkophag steht, und dann verletzt sich Dr. Kruvajan auch noch, woraufhin sein Blut in den Sarg eindringt. Dieses Blut erweckt die im Sarg ruhende Hexe Asa zu neuem Leben, doch benötigt sie weiteres Blut um Rache an ihren Peinigern nehmen zu können. Sie erweckt ihren Geliebten und schickt ihn los, Opfer zu suchen die er ihr zuführen soll, damit sie sich stärken kann. Gleichzeitig verliebt sich Dr. Gorobec in den letzten weiblichen Nachkommen der Familie Wajda, die schöne Katja, die der Hexe wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und während der alte Prinz Wajda unter Qualen stirbt, Javutich ein Opfer nach dem anderen heimsucht, und Asa immer stärker wird, beginnt Dr. Gorobec festzustellen, dass sein Glaube an die Wissenschaft vielleicht doch nicht so standhaft ist wie er immer meinte, und dass es da noch mehr Dinge gibt, abseits vom rationalen Denken. Und dass neben der Liebe, die ihn gerade durchströmt, auch der nahe Tod stehen kann …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Kennt jemand hier die Frankenstein-Filme von James Whale? FRANKENSTEIN von 1931 und FRANKENSTEINS BRAUT von 1935 hatten beide eine ganz gewisse und geradezu dämonisch-zauberische Stimmung: Die Filme spielen in einem Land in dem alles tot ist, in dem nichts wächst, und keinerlei Farben oder Freuden zu finden sind. Die Bäume sind verdorrt und verkrüppelt, Blumen existieren, wenn überhaupt, nur in Vasen, und die Seelen der Menschen kennen ausschließlich Angst und Grausamkeit. Die Welt besteht aus verfallenen Friedhöfen, schaurigen Ruinen und rustikalen Gasthäusern, und das einzige Vergnügen der Bevölkerung ist der mit Heugabeln und Fackeln bewaffnete samstagabendliche Ausflug zum Monster verbrennen.

     

    In genau dieser Welt hat Mario Bava auch DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT angesiedelt. Der Kuhstall des Gasthofs ist gleich neben dem alten Friedhof gelegen (wo Kuhställe ja schließlich immer zu finden sind), im Wesentlichen ist es immer Nacht, und der Bodennebel dräut als ob Trockeneis durch die marode Kanalisation wabert. Und genau hieraus zieht DIE STUNDE… seinen Reiz: Es ist eine öde und karge Welt, eine finstere Welt, die klar aufgeteilt ist in Licht und Dunkel, in wenig kleines Glück und viel großen Schrecken, in Herr und Knecht, wobei die Knechte auch nicht wirklich viel Spaß haben, herrscht doch beim Dorftanz im Gasthaus deutlicher Männerüberschuss …

     

    Aber ist dies ist kein Film von Andrea Bianchi, der sich dieses Themas sicher gerne angenommen hätte, sondern wir reden hier von Mario Bavas Regieerstling, den er nach dem Fertigstellen von DIE SCHLACHT VON MARATHON von Produzent Lionello Santi quasi als Dankeschön bekam, nachdem Jacques Tourneur in den letzten Drehtagen nach einem Streit mit dem Produzenten das Handtuch warf. So zumindest schildert es der englische Autor Troy Howarth im Booklet der Koch Media-Ausgabe von DIE STUNDE…. Die IMDB allerdings listet bei MARATHON ganz andere Produzenten auf, was vermuten lässt, dass die Wahrheit wie so oft irgendwo dazwischen liegt. So oder so nutzte Bava seine Chance redlich und hat, nachdem Riccardo Freda 1957 mit DER VAMPIR VON NOTRE-DAME den ersten italienischen Nachkriegshorrorfilm zu drehen begann (der dann von Bava fertig gestellt wurde!), den zukünftig recht beliebten Gothic-Horror aus der Taufe gehoben. DIE STUNDE… selber war in Italien zwar noch ein Flop, international aber ein ordentlicher Erfolg, und das Können Bavas wurde allgemein anerkannt, weswegen er dann anschließend … erstmal wieder Peplums drehte (DAS SCHWERT VON PERSIEN, VAMPIRE GEGEN HERAKLES, …).

     

    DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT also. Das bedeutet das komplette Paket Grand Guignol: Zentnerweise Trockeneis, verfallene Friedhöfe, eine schwarze Kutsche rast durch die Nacht, die Ruine einer Gruft enthält einen Sarkophag, und über dem Sarkophag steht ein Kreuz dessen Schatten den Dämon im Sarg bannen soll. Geheime Gänge hinter Mauern, und in diesen Gängen dann auch noch (fast) bodenlose Abgründe unter verborgenen Falltüren, schöne und anämische Frauen auf denen ein unheimlicher Fluch liegt, … Darf ich ehrlich sein? Einfach nur geil!!

     

    Heutzutage sind Horrorfilme so eine Sache. Nach den Blut- und Goreexzessen des späten 20. Jahrhunderts ging es einige Zeit wieder vermehrt in Richtung (Küchen-) Psychologie und zumindest etwas subtilerer Schocks, bis dann etwa Mitte der Nuller-Jahre der Begriff Torture Porn aufkam, der für mein Empfinden nichts anderes darstellt als die Zurschaustellung von Folterungen, Schmerz und Todesangst. Hat das überhaupt etwas mit Horror zu tun? Wer das mag, der sollte sich BLACK SUN: THE NANKING MASSACRE anschauen, und dann schauen wir mal weiter. Aber für mich ältlichen Mann ist das kein Horror. Horror, das sind Ruinen durch die der Nebel wabert während Käuzchen schreien (Wer sagt da Edgar Wallace?). Schatten greifen nach den Menschen, und ob der Schatten ein Ast oder vielleicht doch die Hand eines Toten ist wird manchmal erst zu spät klar. Genau diese Stimmung bietet DIE STUNDE… reichlich, und das mit einer erzählerischen und bildlichen Qualität die ihresgleichen sucht. Nicht umsonst hat es vor allem in der ersten Hälfte der 60er-Jahre eine Welle gleicher Filme gegeben, und nicht umsonst war Barbara Steele in vielen dieser Filme in der Hauptrolle dabei (THE LONG HAIR OF DEATH, DANSE MACABRE oder EIN ENGEL FÜR DEN TEUFEL um mal drei Titel zu nennen). Schon ihr erster Auftritt in DIE STUNDE… ist düster und morbide, fast wirkt sie wie eine Sendbotin aus einer anderen Welt, bis dann irgendwann klar wird, dass ihr Charakter ja das Love Interest des Helden ist …

    Wer sagt da antiquiert? Mmh, höchstens ein klein wenig altmodisch, und dies auf eine eher liebenswerte Art. Ich für meinen Teil nenne es schwarzromantisch, und wer so etwas mag, der macht mit diesem Klassiker des Genres auf gar keinen Fall was verkehrt. Aber Werbung für DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT zu machen hieße vermutlich Fledermäuse nach Moldawien tragen.

     

    Mir ist klar, dass das Rad der Zeit sich weitergedreht hat, und solche Filme heute im besten Fall noch müde belächelt werden. Selbst im Vergleich mit den etwa zur selben Zeit entstandenen Horrorfilmen der britischen Firma Hammer wirkt DIE STUNDE… noch einigermaßen harmlos, auch wenn der ein oder andere härtere Schockeffekt damals die Zuschauer sicher in den Sitz gepresst hat. Stattdessen wird weitgehend auf Sex verzichtet, ernsthaftere Gewaltszenen sind auch nicht zu sehen, und die etwas aufgesetzt wirkende Liebesgeschichte zwischen Barbara Steele und dem äußerst blassen John Richardson reißt auch keine Bäume aus. Aber mal ganz ehrlich: Macht nicht genau das den Charme der italienischen Gothic-Grusler aus? Und den von DIE STUNDE… ?

    Barbara Steele meinte in einem Interview einmal, dass es in diesen Filmen um den Zustand der Seele ginge, und nicht darum aufgeschlitzt zu werden und literweise Blut über die Leinwand zu verspritzen. Filme nicht zum Betäuben, sondern zum dunklen Träumen und zum Gruseln. So wie zum Beispiel in den Filmen von James Whale …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    Gesehen wurde die Veröffentlichung von Koch Media, die als Nummer 1 der Mario Bava-Collectors Edition erschienen ist. Optisch und inhaltlich erstmal ein Paket zum Wohlfühlen. Um das sehr dicke und stabile Digipak liegt ein O-Ring-Schuber mit verschiedenen Motiven von Bava-Filmen, und auch die grafische Gestaltung des Digipaks ist innen und außen sehr gelungen. Der FSK-Flatschen ist auf dem Schuber, weswegen das Digipak-Motiv, das US-Plakat von BLACK SUNDAY, gänzlich genossen werden kann. Und ich habe selten ein beeindruckenderes Rückenbild auf einer Filmveröffentlichung gesehen!

    Innen geht es dann ansprechend weiter mit dem auseinanderklappbaren Digipak, und den 3 Scheiben die mit verschiedenen Plakatmotiven des Films bedruckt sind. Ich bin an und für sich kein Verpackungsfetischist, und wenn ich gerade etwas langweile möchte ich mich entschuldigen, aber ich bin vom Erscheinungsbild wirklich ausgesprochen angetan. Im Innendeckel ist dann auch das Booklet von Troy Howarth eingesteckt, das einen interessanten Exkurs über die Themen Horrorfilm, Mario Bava, DIE STUNDE… und Barbara Steele bietet.

     

    Was befindet sich nun auf den Scheiben? Zuerst einmal verschiedene Versionen des Films. Auf der Blu-ray haben wir die europäische und die US-Fassung (86:29 bzw. 83:04 Minuten Laufzeit), auf der Film-DVD die europäische Fassung (82:58) und auf der Bonus-DVD die US-Fassung (78:30). Bei der europäischen Fassung liegt der Ton in deutsch, englisch und italienisch vor, jeweils mit zuschaltbaren Untertiteln, bei der US-Fassung in deutsch und englisch, ebenfalls wieder mit zuschaltbaren Untertiteln. Der Ton ist auf englisch zwar am kräftigsten, dafür hat aber die italienische Sprachfassung eine lautere M&E-Spur. Soll heißen, wenn in der deutschen Fassung ein Wind weht ist das ein laues Lüftchen, in der ital. Fassung hingegen braust ein Sturm durchs Schloss. Entsprechendes gilt für die schöne Musik von Roberto Nicolosi, die in der ital. Version erst so richtig um die Ohren knallt und für Stimmung sorgt. Die US-Fassung hat sowieso einen anderen Score, nämlich vom AIP-Hauskomponisten Les Baxter, der sag ich jetzt mal filmhistorisch vielleicht interessant sein mag, dem Film aber gar nicht gut tut.

     

    An Extras liegen vor: Ein englischsprachiger und nicht untertitelter Audiokommentar von Tim Lucas, der italienische, englische und US-amerikanische Trailer, ein TV-Spot und eine Bildergalerie mit sage und schreibe 158 Bildern. Des weiteren eine 10-minütige Featurette in der Lamberto Bava ein paar Anekdoten über seinen Vater zum Besten gibt, ein knapp 30-minütiges spannendes und lustiges Interview mit Barbara Steele die aus ihrem Leben erzählt, der deutsche Vorspann, eine Deleted Scene und Reste vom Schneidetisch.

     

    So, was fehlt noch? Richtig, die Bildqualität, und die habe ich mir jetzt absichtlich aufgehoben, denn da kommen wir zu einem kleineren Problem. Das Bild ist in Ordnung und bietet grundsätzlich erstmal wenig Anlass zum Meckern, aber im Gegensatz zur deutschen DVD-Erstveröffentlichung bei e-m-s sind die Schwarzwerte sehr hoch. Will sagen, dass ein schwarzer Hintergrund hier nicht dunkelgrau ist sondern schwarz. So richtig fettes Schwarz, welches die Details verschluckt und oftmals die Hintergründe untergehen lässt. Laut Aussage von Michael Hochhaus von Koch Media mussten die Köche das Master nehmen das ihnen gegeben wurde, die Möglichkeit einer eigenen Abtastung war nicht gegeben. Michael führt auch aus, dass dies nicht für alle Titel der Reihe gilt, sondern dass sie bei einigen VÖs auch selber abtasten konnten. Hier aber ging dies nicht, weswegen, das ist mir sehr wichtig zu sagen, Koch Media keine Schuld an den Schwarzwerten anzulasten ist. Das Bild wirkt dadurch zwar einerseits sehr … gotisch, und die Kontraste sind oft wunderbar anzuschauen, andererseits gehen wie gesagt eben auch viele Details verloren, was ich bei diesem schön ausgestatteten Film sehr schade finde. Wahrscheinlich werde ich darum auch nicht der einzige sein, der trotz dieser gelungenen VÖ die alte e-m-s-Version behält, weil diese eben auch ihren Reiz hat. Ein guter Vergleich bietet sich übrigens bei der Deleted Scene in den Extras an, diese stammt nämlich vom früheren Master.

     

    Nichtsdestotrotz ist die Box ein gelungener Auftakt zur neuen Bava-Reihe, und man kann sehr gespannt sein auf die weiteren Titel. Rein inhaltlich gesehen haben die Köche hier ein Paket geschnürt wie man es sich als Fan nur wünschen kann.

  • Autor: Maulwurf
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