Straße der Angst

Italien, 1981

  • Originaltitel: Il falco e la colomba
  • Alternativtitel:

    Point de mire (FRA)

    Justice City

    September Morning

    Tödlicher Liebesrausch

    The Hawk and the Dove

  • Deutsche Erstaufführung: 24. März 1984
  • Regisseur: Fabrizio Lori
  • Kamera: Sergio D'Offizi
  • Musik: Stelvio Cipriani
  • Drehbuch: Fabrizio Lori
  • Inhalt:

    Dr. Michele Alemani (Fabio Testi) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann aus der Baubranche, der aber auch zugleich auf der politischen Bühne des Landes munter mitmischt und dabei für seinen parlamentsabgeordneten Schwiegervater und Vorgesetzten Vetroni (Ugo Bologna) die parteipolitischen Tagesgeschäfte erledigt. In seinem Privatleben sieht es im Vergleich dazu weniger rosig aus, da seine Ehe mit der vermögenden Bauunternehmenstochter Rita (Simonetta Stefanelli) bereits vor längerer Zeit aus den Fugen geriet und mittlerweile fast schon gänzlich abgekühlt wirkt. Doch dann wird Dr. Alemani eines schönen Tages völlig unerwartet Opfer eines terroristischen Übergriffs, wobei ihm eine unbekannte Schönheit von der Strasse letztendlich das Leben rettet. Nachdem er sich im Krankenhaus von seiner schweren Beinverletzung erholen konnte, trifft er im Rahmen eines Geschäftsmeetings auch sogleich wieder auf seine geheimnisvolle Lebensretterin und verliebt sich in diese vom Fleck weg. Aber bereits nach der ersten gemeinsamen Nacht muss Alemani zu seinem größten Entsetzen feststellen, dass sein geliebtes Straßenmädchen an der Nadel fest hängt, denn Viva Montero (Lara Wendel) ist hochgradig heroinsüchtig.

     

    Nach kurzem hin und her entscheidet er sich dazu, seiner neuen Liebe trotzdem eine Chance einzuräumen und weist diese daraufhin kurzerhand zum kalten Entzug in eine darauf spezialisierte Klinik ein. Dr. Alemani, der zwischenzeitlich von seiner Partei als Kandidat für die anstehenden Abgeordnetenwahlen erkoren wurde, setzt dabei ungeachtet jeglicher Warnungen seine erfolgsversprechende Berufskarriere für ein drogengeschwängertes Liebesglück aufs Spiel. Wenn das mal gut geht...

  • Autor: Richie Pistilli
  • Review:

    Der 1946 in Rom geborene Filmproduzent und Regisseur Fabrizio Lori lieferte mit STRASSE DER ANGT einen recht außergewöhnlichen Genrebeitrag ab, wobei es sich bei dem Gezeigten weniger um einen vollmundigen Kriminalfilm, als viel mehr um ein leicht angeschnulztes Liebesdrama handelt, welches schließlich in einen kriminalfilmartigen Handlungsrahmen eingebettet wurde. Zwar wirkt der Film zunächst wie ein waschechter Politthriller, wandelt sich dann aber sehr schnell in ein recht naives Beziehungsdrama, welches den weiteren Handlungsverlauf von da an auch dominiert. Erst zum Filmende hin nimmt dann auch der intrigant-kriminelle Anteil wieder etwas an Fahrt auf und vermischt sich daraufhin mit dem liebestollen Anteil zu einem höchst explosiven Gemisch, welches dann im Finale auch völligst ungeschönt seine Wirkung entfalten darf.

     

    Bevor es aber mit den beteiligten Schauspielern weitergeht, kommen wir noch einmal kurz auf den Regisseur Fabrizio Lori zu sprechen, dessen Karriere im Filmgeschäft augenscheinlich etwas suboptimal für ihn verlief. Zwar ist es ihm in seiner aktiven Zeit als Filmschaffender mit BANGKOK SOLO ANDATA (1989), UN METRO ALL'ALBA (1990) und LO STRANO CASO DEL DOTTOR KAPPPA gelungen, neben SEPTEMBER MORNING und einer TV-Produktion drei weitere abendfüllende Spielfilme auf die Beine zu stellen, die aber aufgrund der zum damaligen Zeitpunkt vorherrschenden Krise im Filmgeschäft von einem breiten Publikum so gut wie gar nicht mehr wahrgenommen wurden. So erfuhr z. B. sein bereits 1998 fertig abgedrehter LO STRANO CASO DEL DOTTORE KAPPA erst im Jahre 2001 seine Uraufführung.

     

    Somit wären wir jetzt auch endlich bei der vorzüglichen Darstellerriege angelangt, die allen voran von Fabio Testi (DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL, RACKET, DAS SYNDIKAT DES GRAUENS) in der Rolle des geschäftsmännischen Politikers und völlig entnervten Ehemanns Dr. Michele Alemani angeführt wird. Der 1941 geborene Schauspieler, Sänger und fragwürdige Politiker startete seine zunächst etwas halsbrecherisch anmutende Karriere beim Film bereits im Jahre 1966 als Stuntman für Sergio Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN, bevor er dann 1968 von diesem sogar eine kleinere Nebenrolle in SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD zugesprochen bekam. In den darauffolgenden Jahren kam seine Karriere dann erst so richtig in Schwung, wobei Signore Testi bis Mitte der 80er Jahre jegliche Formate bediente, egal ob im A- oder B-Moviegenre. Dabei trat er dann auch in den verschiedensten Rollen vor die laufende Kamera, wobei er u.a. als liebestoller Internatslehrer das Geheimnis der grünen Stecknadel lüftete, als abgehalfteter Cowboy niederkniete und ordentlich Staub in sich hineinfraß, als Plantagensklave die Hölle des Dschungels von Manaus überwand, als ein auf Honorarbasis angestellter Gorilla die offenstehenden Rechnungen seines Arbeitgebers beglich, als schmieriger Zivilfahnder eine gnadenlose Jagd auf urbane Heroin-Dons vollzog, als selbsjustizieller Polizeibeamter die römischen Rackets zerschlug oder als mitgliedschaftsloser Tennisspieler bei den Finzi Contini Garten-Open mitwirkte. Darüberhinaus trat er auch noch als Zorro, Rotrock, Geheimagent, Rennfahrer, Mafiosi, pornöser Fotograf, linksverhafteter Revoluzzer, psychisch labiler Hobbymaler oder auch Juwelendieb in Erscheinung. Im voliegenden Film verkörpert er den recht unterkühlt wirkenden Rollencharakter des liebestollen Politikers Dr. Alemani, der sich eines schönes Tages Hals über Kopf in ein unbekanntes Strassenmädchen verguckt und im weiteren Verlauf ungeachtet aller Warnungen sowohl seine bereits zu diesem Zeitpunkt als gescheitert anzusehende Ehe, als aber auch seine vielverprechende Berufskarriere für eine suchtbelastete Liebesbeziehung aufs Spiel setzt. Umhüllt vom rosaroten Liebesnebel möchte er seiner neuen Liebschaft wieder zu einem geregelten Leben verhelfen und verschafft ihr somit neben einer eigenen Wohnung auch ein Engagement an einem kleinen Provinztheater, für welches er schon seit Jahren den großherzigen Gönner mimt. Doch als er eines Abends nach vollzogenem Beischlaf das Badezimmer betritt, trifft ihn fast der Schlag, da sein geliebtes Straßenmädchen vor seinen Augen gerade den Frankfurter Applaus beendete und sich daraufhin die tägliche Mindestdosis Heroin in den Oberarm injiziert. Völlig perplex über das soeben Gesehene möchte Dr. Alemani im ersten Moment die Beziehung wieder schnellstmöglich beenden, da er es sich in seiner aktuellen Position unter keinen Umständen erlauben kann, auch nur ansatzweise mit dem halbsynthetischen Opioid in Verbindung gebracht zu werden. Letztendlich siegt dann aber doch mal wieder die Liebe...

     

    Kommen wir zu Lara Wendel (DAS PARFÜM DER DAME IN SCHWARZ, RING OF DARKNESS, TENEBRAE), die als “Daniele Rachele Barnes” 1965 in München das Licht der Welt erblickte und bereits als 5 jährige den Job eines Fotomodells ausübte. Im gleichen Jahr starte dann auch bereits ihre sehr frühe Filmkarriere, indem sie als Kinderschauspielerin in zahlreichen italienischen Filmproduktionen mitwirkte. 1976 verhalf ihr dann ihre Beteiligung an einer mittlerweile in unseren Breitengraden absolut verbotenen italienisch-deutschen Co-Produktion zu zweifelhaften Ruhm, der ihr zudem auch heute noch anhaftet. Als 11 jähriges Mädchen sollte man sich auch nicht unbedingt einer bürgerlichen Zuschauerschaft gegenüber sexuell ungezügelt im Adamskostüm präsentieren. In STRASSE DER ANGST verkörperte sie schließlich 1981 die straßenbeheimatete Junkie-Braut Viva Montero, die unserem Doc Testi rein zufällig das Leben rettet und sich dabei auch sofort in ihn verliebt. Doch anstatt das frisch gewonnene Liebesglück zu genießen, breiten sich in Viva Zweifel und unterdrückte Schuldgefühle aus, deren Ursprung wiederum in der Zerrissenheit ihrer suchterkrankten Persönlichkeit liegt. Zwar sieht sie in ihrem vom Helfersyndrom befallenen Politiker erstmals eine wahre Chance zum Ausstieg aus dem Drogensumpf, glaubt aber in ihrem tiefsten Inneren keinesfalls daran, ihm auch das erhoffte Liebesflück zu bringen. Vielmehr bestehen ihrerseits Bedenken dahingehend, dass der gute Fabio im Falle des Zustandekommens einer Beziehung ihre früheren Lebensschulden begleichen muss, denn die dunklen Schatten der Vergangenheit sind noch lange nicht verflogen und kreisen somit auch weiterhin über dem vermeintlichen Liebesglück. Andererseits möchte sie aber auch liebend gerne endgültig dem Drogensumpf entsagen, was wiederum ihren schwelenden Gewissenskonflikt weiterhin anschürt. Doch letztendlich liegt das Schicksal der beiden Liebenden nicht in deren Händen, sondern in denen des mittlerweile entstandenen Zusammenschlusses zwischen ihrem einschlägig problembelasteten Umfeld und seines parteipolitischen Machtgeflechts.

     

    Aber nicht nur die frisch entstandene Koalition von Politik und Kriminalität stellt sich breitbeinig gegen das Liebesglück, sondern auch Alemanis Ehefrau Michele, die hier übrigens von der Schauspielerin Simonetta Stefanelli (ABEND OHNE ALIBI, DER PATE, DIE EHRENWERTE FAMILIE) dargestellt wird. Zwar versucht gerade sie ihren hassgeliebten Ehemann mit allen Mitteln wieder zurück zu bekommen, obwohl es doch gerade sie war, die ihn mit ihren ständigen Vorwürfen und Nörgeleien schnurstracks in die zerstochenen Arme des suchtgeplagten Straßenmädchens trieb. Von Panik getrieben, ihren geliebten Versager mit Doktortitel endgültig zu verlieren, wendet sich Michele Alemani vertrauensvoll an ihren mächtigen Vater, woraufhin dieser wiederum mit Vivas Stammdealer Pezzá koiliert. Und im Rahmen dieses kriminell-politischen Bündnisses eskaliert die Angelegenheit dann schließlich vollends. Der mächtige Vater “Vetroni” wird hierbei von dem genrefilmerprobten Darsteller Ugo Bologna (KILLER COP, GROSSANGRIFF DER ZOMBIES, WILD BEASTS) verkörpert und Danilo Mattei (ANIMA PERSA, DIE RACHE DER KANNIBALEN, ER - STÄRKER ALS FEUER UND EISEN) darf dieses mal den drogenverseuchten Oberschurken Pezzá mimen.

     

    Der Score stammt dieses mal von Stelvio Cipriani und lässt sich im großen und ganzen ganz gut anhören. Lediglich mit dem von Neil Diamond eingesungenen Titeltrack konnte ich überhaupt nicht warm werden, da mir dieser herzzerreißende Schnulzensong bereits die Zehennägel zum Vibrieren brachte. Das Ganze ist aber halt wie immer eine reine Geschmackssache, worüber sich bekanntlich schlecht streiten lässt.

     

    Fazit: Eine thrillerhafte Liebesromanze mit leichtem Hang zur Rührseligkeit.

  • Autor: Richie Pistilli
  • Veröffentlichungen:

    STRASSE DER ANGST wurde in unseren Breitengraden gerade erst kürzlich vom renommierten Filmperlenlabel filmArt veröffentlicht. Neben der italienischen Originalfassung (95 min.) wurde auch noch die deutsche Fassung (92 min.) als Bonus mit auf die DVD gepackt, was aber wiederum auf der Verpackungsrückseite nicht vermerkt wurde. Dabei lohnt sich ein Blick allemal, da die deutsche Fassung mit einem mehrminütigen Alternativende aufwartet, welches im Gegensatz zur Originalfassung einen weiteren, sehr dramatischen Handlungsbogen zu Tage trägt. Im Gegenzug wurde die deutsche Fassung um einige Dialogszenen erleichtert, die dabei aber gar nicht mal so unwichtig für den gezeigten Geschichtsverlauf erscheinen. Ansonsten ist neben der deutschen Synchrontonspur auch noch der italienische Originalton und der deutsche Trailer mit an Bord. Einziges Manko: Deutsche Untertitel gibt es leider nur für die fehlenden Stellen der italienischen Originalfassung, wodurch die italienische Originaltonspur für nicht-italienisch-sprechende Menschen wenig Sinn ergibt.

  • Autor: Richie Pistilli
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