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Stoßtrupp in die Wüste

Frankreich | Italien, 1979

  • Originaltitel: Strategia per una missione di morte
  • Alternativtitel:

    La guerre du pétrole (FRA)

    Lorna, la lionne du désert (FRA)

    Black Gold Dossier (USA)

    Sabotage (USA)

    Black Gold

  • Deutsche Erstaufführung: 05. August 1983
  • Regisseur: Luigi Batzella
  • Kamera: Felice de Maria, Raymond Heil
  • Musik: Marcello Giombini
  • Drehbuch: Alain Petit
  • Inhalt:

    Das Geschäft blüht, aber ohne Rohöl ist keine weitere Produktion möglich. Das wissen beide Vertragspartner, ein französisches Großunternehmen sowie ihre Lieferanten aus Libyen, die auch gleich die Gunst der Stunde ergreifen und ihr Rohöl zu einem Mondpreis anbieten. Doch so geht man nicht mit den Businessstrategen vom Eifelturm um, die postwendend ihrem Frust freien Lauf lassen und ein Hotel mitsamt der libyschen Gefolgschaft in die Luft sprengen. Doch das ist erst der Anfang, denn die Franzosen schicken ein Spezialteam nach Nordafrika, welches den Feuerzauber auf den libyschen Ölfeldern fortsetzen soll.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Stoßtrupp in die Wüste“ ist eine Gemeinschaftsarbeit der Länder Frankreich und Italien. Produziert von der geschätzten – belächelten – berüchtigten (oder wie man sie auch immer nennen mag) Eurociné, ein Familienunternehmen aus Paris, das 1937 von Marius Lesoeur gegründet wurde. Die Eurociné bietet einen umfangreichen Output (s)exploitativer Filmproduktionen, die sich an diversen Filmgenres (Action, Horror, Erotik, Eurospy, Western etc.) orientieren. Eines ihrer zahlreichen skurrilen Werke ist „Stoßtrupp in die Wüste“. Ein von Luigi Batzella inszenierter Söldnerfilm, der auf besonders närrische Weise mit seinen Rezipienten kommuniziert.

     

    Luigi Batzella besitzt infolge seiner frühen Western-Fehlschläge wie „Auch Djangos Kopf hat seinen Preis“ und „Nur Gott war sein Colt“ keinen guten Ruf innert des italienischen Genrekinos. Auch seine folgenden, vom Gothic-Horror-Film inspirierten Werke “Full Moon of the Virgins” und „Nude for Satan“, konnten dem bleichen Image keinen schmückenden Glanz zuführen. Wahrscheinlich einer der Hauptgründe warum Batzella 1976 und 1977 im verpönten Mikrokosmos italienischer Naziploitation aktiv wurde und sich mit „Wüstenfüchse kennen kein Erbarmen“ sowie „SS Hell Camp“ in das Genre einbrachte bzw. dort verewigte. Zweitgenannter, der extrem geschmacklose „SS Hell Camp“ aka „La bestia in calore“, sticht in mehrerlei Hinsicht aus Batzellas Filmografie heraus. Diese Behauptung lässt sich u. a. anhand der gravierenden Überzogenheit, welche der Film an den Tag legt und mit der er einhergehend seine Nazicharaktere zu Comicfiguren transformieren lässt, legitimieren. Ein solches Konzept stößt zwar einerseits auf Ablehnung, erweckt allerdings andererseits (bei einem entsprechenden Publikum) positive Resonanzen. Ähnlich verhält es sich mit „Stoßtrupp in die Wüste“, der gleichermaßen auf ein spezielles Publikum angewiesen ist, welches eine ausreichende Qualifikation besitzt, um diesem Mumpitz standhalten zu können. Wer dazu fähig ist, der / die wird (s)eine helle Freude an diesem „1978er Batzella“ entdecken.  

     

    Kennwort? Die Wüste brennt?

     

    Wie bereits in der Inhaltsangabe umrissen reist ein Spezialteam nach Libyen, um die dortigen Ölfelder zu bombardieren. Was sich banal anhört, entpuppt sich als ein haarsträubendes Wüsten-Event, denn nachdem das fünfköpfige Team per Ruderboot im Krisengebiet eingetroffen ist, wird das weibliche Mitglied, Lorna, beauftragt dieses zu ergründen. Freudestrahlend entledigt sich das Blondchen ihres knappen Kleidchens (sowie ihrer letzten Gehirnzellen) und hoppelt wild winkend durch die Gegend. Dieser, von Florence Cayrol verkörperte Charakter, nutzt wirklich jede Gelegenheit, um sich durch Nacktheit in den Mittelpunkt zu manövrieren. Dabei erinnert sie ein wenig an die Marilyn Monroe des Pornofilms, Olinka Hardiman, die innert ihrer Rollen ebenfalls blöd grinsend durch die Betten hüpft und simultan von der deutschen Synchronisation mit unfassbaren Dialogkreationen gefüttert wurde. Wie Olinka liefert auch Florence Cayrol Sexszenen (zwei an der Zahl), welche zwar nicht am HC kratzen, aber das sleazige Flair der 1980er HC-Inszenierungen eines Michel Lemoine vorleben.

     

    In solchen Fällen darf natürlich der potente Playboy Marke: Richard Harrison, nicht fehlen, der sage und schreibe fünf seiner Hemdsknöpfe geöffnet hat, um seine behaarte Brust besonders eindrucksvoll zur Schau zu stellen. Wer jetzt von Panikattacken befallen wird, den kann ich beruhigen, denn der Anteil der Sexmomente liegt bei maximal 10%, ansonsten regiert König Schwachsinn, der ganz fleißig sein Zepter schwingt, um die Protagonisten von einem Debakel ins nächste zu befördern. Diese desaströsen Situationen werden - wie der gesamte Film - von einem inszenatorischen Dilettantismus begleitet, der sich u. a. in einer seltsamen Auswahl des Archivmaterials, wie z. B. die Sprengung eines ruinierten Baukomplexes, der als Nobelhotel suggeriert wird, wieder spiegelt. Dazu gesellen sich miserabel inszenierte Actionszenen, ultrabekloppte Araber und zwei vollkommen deplatzierte Geheimdienstler.

     

    „Unser Auto ist schneller wie jedes Kamel!“ (Lorna)
    „Wisst ihr was ich vermute, dass sie motorisiert sind, die sind auf ihre Kamele gar nicht angewiesen.“ (Benson)
    „Möglich wär's.“ (Lorna)

     

    Wer in Stresssituationen derartige Dialoge führen kann, der stibitzt selbst des Teufels Frühstück und knotet dessen Schwanz am Tischbein fest. Das Kommando Libyen sorgt stets für Überraschungen und wenn wirklich gar nichts mehr funktioniert, dann ist schließlich noch Lorna da, die sich prompt auszieht und die Kameralinse mit diversen Grinsattacken malträtiert.

     

    Kennwort? Die Wüste brennt!

     

    Fazit: Saublöde Exploitation, die in keiner Sekunde ernst genommen werden darf. Wer diese Anweisung akzeptiert, über den wird Göttin Laetitia ihr Füllhorn entleeren und ihn mit zahlreichen Glückshormonen versorgen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

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    IMDb

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