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Stinkende Dollar

Frankreich | Italien, 1967

  • Originaltitel: Le due facce del dollaro
  • Alternativtitel:

    As Duas Faces do Dolar (BRA)

    Poker d'as pour Django (FRA)

    Two Faces of the Dollar (USA)

    Two Sides of the Dollar (USA)

    Adios Amigos

    Django - Sein Colt singt sechs Strophen

  • Deutsche Erstaufführung: 21. August 1970
  • Regisseur: Roberto Bianchi Montero
  • Kamera: Stelvio Massi
  • Musik: Giosy Capuano, Mario Capuano
  • Drehbuch: Alberto Silvestri, Franco Verucci
  • Inhalt:

    Der „Mathematiker“ ist als geistiger Tiefflieger verschrien. Ständig sucht er die örtliche Bank auf, um seine frisch geschürften Goldfunde einzureichen. Doch in seinen Leinensäcken ist nicht mehr als Sand. Niemand ahnt, dass das Schlitzohr einen Überfall vorbereitet und Informationen über die Goldvorräte von Fort Henderson sammelt. Natürlich kann ihm ein solcher Coup nicht allein gelingen, weshalb er zwei Männer und eine Frau rekrutiert, die ihn bei seinem Unternehmen unterstützen sollen. Über die genauen Einzelheiten des Plans wird keine der Personen informiert, einzig der gerissene „Mathematiker“ hält die Fäden in der Hand, doch man sollte seine Kollegen niemals unterschätzen!

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Stinkende Dollar“ ist einer der Italo-Western, die den Ruf für sich beanspruchen, das Genre nicht nur bereichert, sondern wirkungsvoll an dessen Weiterentwicklung „mitgeschraubt“ zu haben. Also kein „typischer“ IW, da seine Gestaltung von den Einflüssen des französischen Gangsterkinos infiltriert ist. So transportiert die Umsetzung eines Goldraubs eine Verfahrensweise, die mit den Prozederen eines Jean-Pierre Melville vergleichbar ist. Das minutiöse Vorgehen eines Uhrwerks, wie es beispielsweise die Planung des Coups in „Vier im roten Kreis“ suggeriert. Folglich spielt Roberto Bianchi Montero mit den Ingredienzien zweier Genres, welche er erfolgreich verknüpft und ein durchweg spannendes Gesamtkonstrukt offerieren kann.

     

    Das Raubkommando besteht aus vier Personen, die der „Mathematiker“ sorgfältig auswählte. Der Clou beim Coup: die Beteiligten bekommen sich während des Raubs nicht zu Gesicht, obwohl sie Hand in Hand arbeiten. Der „Mathematiker“ ist halt ein mit allen Wassern gewaschener Fuchs, der es faustdick hinter den Ohren hat. Sein Team: Der unehrenhaft aus der Armee entlassene Colonel Blackgrave, ein Gentleman und eiskalter Killer. Honey (Django), ein Draufgänger und Revolverheld, sowie Janet, eine Schlampe, die die Geilheit des diensthabenden Offiziers erwecken und diesen mit einem Schäferstündchen ablenken soll. Für den „Mathematiker“ ist die Uhr der Kompass seines Lebens und seine drei Kompagnons wirken als feine Rädchen (s)eines uhrwerkartig greifenden Plans. Soviel sei zum ersten Part des Films, der sich in zwei Hälften gliedert, verraten. Der zweite Part konzentriert sich auf die Komplikationen nach dem Raub. Hierbei wechselt die Machtposition (Janet ausgenommen) der Charaktere. Dieses stetige Chargieren kommt dem Zuschauer zugute, da er stets mit interessanten Wendungen konfrontiert wird und bis zuletzt nicht prognostizieren kann, wer am Ende der (un)lucky loser sein wird.

     

    Roberto Bianchi Montero, der für den sagenumwobenen „Tina räumt auf“ (1959) verantwortlich zeichnet, erzeugte innert „Stinkende Dollar“ eine düstere Atmosphäre zwischen Habgier und Gewalt. Die wenigen Stimmungsaufheller sind dem „Mathematiker“ sowie der deutschen Synchronisation (Klaus Kindler, Gerd Martienzen Heinz Petruo, Arnold Marquis und Co.) geschuldet. Das dazu (von Giosy und Mario Capuano) passend geschneiderte, akustische Gewand erinnert an die Kompositionen von Ennio Morricone, selbsterklärend mit den Instrumenten intensiviert, welche Morricones begnadete Tondichtungen zu ihrer globalen Popularität verhalfen.

     

    Bei der Kulissenwahl setzt der Regisseur auf kostengünstige, mit spartanischem Mobiliar ausgestattete Holzbaracken, was einen äußerst versifften Ausdruck vermittelt. Eine ärmliche Ausstattung in einem ansonsten reichen Film, der obendrein mit einigen interessanten Kameraperspektiven auffährt. Hinter der Kamera stand übrigens Stelvio Massi, der sich später als Regisseur von renommierten Polizeifilmen wie der "Mark il Poliziotto-Trilogie", „Kommissar Mariani - Zum Tode verurteilt“, „Killer der Apocalypse“ etc. einen Namen machte.      

     

    Der Film lief in den deutschen Lichtspielhäusern (sowie seiner VHS-Veröffentlichung und TV-Ausstrahlung) unter dem Titel „Stinkende Dollar“. Mit dem Konkurs des „Alpha-Verleih“, wanderten die Rechte zu „Nobis“, ein Unternehmen, dass dem Streifen unter dem Titel "Django - sein Colt singt sechs Strophen" zu einer Kinowiederaufführung verhalf. Zu diesem Zweck wurde der Film in (wenigstens) einer Passage neu synchronisiert. Dieses lässt sich anhand der Super 8-Fassung (die das Zitat: „Du wirst schon von ihm gehört haben. Ein gnadenloser Kerl - sie nennen ihn Django“ einbringt) belegen. Ungeachtet dieser Veröffentlichung lassen sich (bisher zumindest) keine Tondokumente zu einer möglicherweise umfangreicheren Alternativsynchronisation finden.   

     

    Fazit: Eine dreckige, spannende und intelligente Spaghetti-Bleioper, die mit einer guten Kameraarbeit und ebenso guten Schauspielern auffährt. Ein Italo-Western, der eine (ihm würdige!) digitale Veröffentlichung redlich verdient hat.

     

    PS: Gesonderter Dank gilt dem Compañero GunmanStan, der die Super 8-Fassung sichtete und uns an seinen gewonnenen Erkenntnissen hinsichtlich der deutschen Alternativsynchronisation teilhaben ließ.

  • Autor: Frank Faltin
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