Stetson - Drei Halunken erster Klasse

Frankreich | Italien | Spanien, 1975

  • Originaltitel: Il bianco, il giallo, il nero
  • Alternativtitel:

    O Último Samurai do Oeste (BRA)

    El blanco, el amarillo y el negro (ESP)

    Le blanc, le jaune et le noir (FRA)

    Dispara Primeiro... Pergunta Depois (POR)

    Ring Around the Horse's Tail (USA)

    Shoot First... Ask Questions Later (USA)

    Drei Halunken erster Klasse

    Samurai

    The White, the Yellow, and the Black

  • Deutsche Erstaufführung: 27. Februar 1975
  • Regisseur: Sergio Corbucci
  • Kamera: Luis Cuadrado
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Antonio Troiso, Marcello Coscia, Sergio Spina, Mario Amendola, Sergio Corbucci, Santiago Moncada, Renée Asseo, Luis G. de Blain
  • Inhalt:

    Im Wilden Westen gab es nicht nur eine Menge Schlitzohren, sondern auch Schlitzaugen. Zur ersteren Sorte gehört ganz klar Stetson der Schweizer, der sich vorzugsweise am Geld anderer delektiert. Bei der anderen Kategorie ist Sakura zu finden, seines Zeichens angemeldet gewesen in der Samurai-Schule in Tokio, und nun Hüter des heiligen Ponys Chi-Me (oder wie auch immer – Meinetwegen auch Chi Mai). Und dazwischen Sheriff Gideon, der auf der Flucht vor seiner heimischen Xanthippe durch den Westen zieht und das Gesetz vertritt. Ehrensache, dass er dem japanischen Konsul hilft das Pony wiederzufinden, das von bösen Indianern für ein Lösegeld geraubt wurde. Und ebenfalls Ehrensache, dass er so ganz nebenbei versucht, Stetson hinter Gittern zu bekommen. Nun, Schweizer sind ein freiheitsliebendes Volk, Japaner können ganz schön nerven, und heilige Ponys furzen ganz entsetzlich. Und dass der Bankier, der das Lösegeld verwaltet, ein doppeltes Spiel spielt, und dem Trio die Halsabschneider des früheren Generals Donovan hinterherjagt, das macht die Sache nicht einfacher …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Wenn man sich bei Fans umhört stellt man schnell fest, dass STETSON ziemlich polarisiert. Die einen lachen Tränen über den Streifen, die andern wenden sich mit Grausen ab. Pech gehabt, geschätzter Leser, ich gehöre zur ersteren Kategorie, weswegen der Film jetzt eine positive Besprechung bekommt!

     

    Am Besten fange ich vorne an: Runde 20 Italo-Western-Titel im Maschinengewehrtempo, die einem von der Gattin Sheriff Gideons um die Ohren gehauen werden: “Einen Haufen Kinder, das kannst Du, aber selbst dabei denkst Du nur an Dich. Mein Name ist doch Nobody. Sich von Angesicht zu Angesicht der Pflicht stellen? Oh Cangaciero, Du kommst mir vor wie Mercenario der Geflüchtete! Seht ihn euch an Kinder. Er ist Ringo, er ist Django, ist er nicht zum Kotzen, euer Papi?“

     

    Dann die Musik, die mich nun schon seit Tagen verfolgt. Die De Angelis-Brüder haben hier einen ihrer ohrwurmträchtigsten Tracks überhaupt komponiert: “My dog ist white, whiter than cream. Dubbu-dub-duu-duu-dub Dubbu-dub-duu-duu-dub My girl is yellow ‘cause of her skin Dubbu-dub-duu-duu-dub Dubbu-dub-duu-duu-dub“ Oder so ähnlich, richtig verständlich ist der Text zugegeben nicht. Die Brüder firmieren hier als Dilly-Dilly und liefern eine Granate ab, die in einer Reihe steht mit den  “großen“ Soundtracks wie FLYING THROUGH THE AIR oder SANDOKAN. Und so ganz nebenbei besteht der Soundtrack noch aus einem weiteren Track. Nämlich immer dann wenn Indianer- oder Südstaatenhorden ins Bild kommen, ertönt ein schmetteriges Batmaaan, gefolgt von groovigen Trommeln und Uba-Lega-Ula-La. Noch Fragen?

     

    Na ja, und in dem Stil geht es dann auch weiter. Wallach als Gideon trifft auf Gemma als den Schweizer, und es passt einfach, genauso wie die deutsche (Erst-) Synchro: “Mein Name ist Stetson, der Schweizer. Geboren in Lugano. Halb Schwiizer, halb Italiano. Ich will’s Dir mit einem Bilde verdeutlichen: Ich bin so eine Mischung aus Kuhglocke und Mandoline.“ Die Brandt’sche Synchro schlägt Volten dass es nur so kracht, und bleibt dabei ohne zu übertreiben sehr zielgerichtet und alltagstauglich: “Sowas wie Du gehört mit Pferdeäpfeln erschlagen.“

     

    OK, ich gebe zu, wenn Tomas Milian als Sakura die Bühne betritt wird es … anstrengend. Das Geziehe in der Sprache ist schwierig und mühsam (Die Erstsynchro ist von Heinz Drache!!!), und Milians Mimik manchmal etwas nervig. Aber es passt, es passt erstklassig, und Milian macht beileibe nicht den Fehler die Sau rauszulassen wie später als Nico Giraldi. Nein, er spielt genau auf den Punkt, und er kann auch ruhig. Etwa wenn er von seiner Mutter erzählt, einer Japanure. Da schaut er dann so traurig, dass man ihn am Liebsten in den Arm nehmen möchte.

     

    Oder die Szene, in der Gemma den in den Resten des Beiwagens sitzenden Wallach über die Prärie zieht, und Milian seelenruhig hinterherläuft und dabei eine kleine Pirouette dreht. An solchen Momenten merkt man, wie viel Spaß die Darsteller bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen, was sich dann natürlich auf die Chemie auswirkt und darauf, dass einfach alles richtig gut zusammen passt. Beim Auftritt der Damen im Saloon etwa hat am Set bestimmt eine erstklassige Stimmung vorgeherrscht, könnte ich mir vorstellen. Und diese Stimmung überträgt sich halt auch auf den fertigen Film. STETSON mag niemals zu Sergio Corbuccis Meisterwerken gezählt werden, und unter dem Begriff Western-Komödien fallen einem mit Sicherheit zuerst andere Sachen ein. Umso mehr zählt es, dass der Film zwar irre komisch ist, dabei aber nicht in den Klamauk eines zum Beispiel EIN HOSIANNA FÜR ZWEI HALUNKEN verfällt, sondern seine ganz eigene Linie verfolgt. Und diese Linie heißt Turbulenz, Situationskomik, irrsinnige Charaktere, und eine durchaus gradlinige Handlung. Die zwar aus gefühlt hunderten von Italo-Western bekannt ist, aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um den Spaß an der Sache, und der ist reichlich geboten: Giuliano Gemma der einen Sarg durch die Wüste zieht. Die Kiste mit dem Geld, die mit drei Schlössern gesichert ist (ein schwarzes, ein gelbes und ein weißes), von denen zwei mit Sprengstoff versehen sind. Tomas Milian, der an den Ohren aus einem Sandloch gezogen wird und hinterher ausschaut wie Dumbo der Elefant. Herrlich anzusehende Stunts wie Eli Wallach, der von einer Brücke direktemang in den Beiwagen des Motorrads fällt. Und natürlich der erste Motorraddiebstahl der Geschichte …

     

    Also: Nicht so abgedreht wie PROVIDENZA, nicht so albern wie DICKE LUFT IN SACRAMENTO, mit einer wunderbaren Blödel-Synchro versehen, erstklassig aufgelegte Schauspieler und einer der ohrwurmigsten De Angelis-Soundtracks ever. Zuschauen, entspannen, ablachen …

  • Autor: Maulwurf
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