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Der steinerne Wald

Italien, 1965

  • Originaltitel: Il tesoro della foresta pietrificata
  • Alternativtitel:

    Die erbarmungslosen Bestien (AUT)

    La furia de las vikingas (ESP)

    Le trésor de la forêt noire (FRA)

    Treasure of the Petrified Forest (USA)

    Il tesoro

    The Stone Forest

    Der versteinerte Wald

    Wikinger - Das Schwert von Valhalla

  • Deutsche Erstaufführung: 01. Dezember 1967
  • Regisseur: Emimmo Salvi
  • Kamera: Mario Parapetti
  • Musik: Rolf Ferraro
  • Drehbuch: Emimmo Salvi, Luigi Tosi, Adriano Antonelli, Benito Ilforte
  • Inhalt:

    Der Wikingerfürst, Hunding, erfährt von einer Wahrsagerin, wo der Nibelungenschatz und das Walhallaschwert versteckt sind. Dieser Ort, der steinerne Wald, wird jedoch vom furchlosen Sigmund und der tapferen Walküre, Brunhilde, bewacht. Hunding und seine Krieger ziehen in den Kampf gegen die Nibelungen, die wiederum einige Verräter in ihren Reihen haben. Werden Bruni und Siggi die Wikingerhorden trotzdem stoppen oder ist die uneingeschränkte Macht des Walhallaschwerts bald in den Händen der Wikinger?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Seht, ein Volk zieht vom Nordland heran, ein großes Volk bricht auf von den Grenzen der Erde. Sie kommen mit Bogen und Sichelschwert, grausam sind sie und ohne Erbarmen.“  (Jeremia 6,8; Die Kriegsgefahr als Strafe)

     

    Nibelungenhelden gegen Nordmänner! Bei einer derartigen Karachokonstellation erwartet man zur Einstimmung eine Hymne, die die Bude buchstäblich wackeln lässt. Emimmo Salvi lässt sich diesbezüglich nicht zweimal bitten und posaunt ohne jegliches Schamgefühl (warum auch?) den „Walkürenritt“ raus. Diese Nummer zieht immer und lässt nahezu jede Stubenfliege strammstehen. Passend zum bombastischen Wagnersound, werden die Credits in altdeutscher Schrift (Fraktur) vorgestellt. Die Tafel ist demnach heroisch geschmückt und begrüßt seine Gäste mit Skål, Sal und Sig. Doch versprich´ dir nicht zu viel vom ausbeuterischen Vorgehen des Emimmo Salvi, denn wer die Helden der germanischen Sagenwelt gegen die furchtlosen Barbaren aus dem Norden antreten lässt, der muss nicht zwangsläufig in der Lage sein die Herzen der Trash-Liebhaber zu erobern. Wieso, weshalb und warum „Der steinerne Wald“ bestenfalls durchwachsen und gar wenig prunkvoll wirkt, beantwortet uns das beckenbauerische „Schau'n mer mal“.

     

    Emimmo Salvi stand für „Der steinerne Wald“ ein bescheidenes Budget zur Verfügung, was die Inszenierung in keiner Phase übertünchen kann. Der Großteil des Films wurde im Studio gedreht. Dabei erinnern Salvis Nachtbilder an die Konstruktion der Nachtaufnahmen, welche Mario Bava in einer seiner drei Westernregiearbeiten, „Ritt nach Alamo“, praktiziert. Bava arbeitete bei „La strada per Fort Alamo“ mit ähnlichen Stilmitteln und konnte – wie Salvi – zwar keine revolutionären, aber interessante Bilder der Dunkelheit transportieren. Die wenigen Außenaufnahmen wurden in kargen Landschaften gedreht und versprühen eine deutliche IW-Färbung. Im „Herzen“ von Staub und vertrockneten Sträuchern lernen wir unsere beiden Hauptfiguren, die sich von Anfang an nicht grün sind, Sigmund (Ivica Pajer) und Hunding (Gordon Mitchell) kennen. Nebst dieser Erstkonfrontation, dürfen sich unsere Augen auch gleich am Blickfang Pamela Tudor (in der Rolle der Walküre Brunhilde) erfreuen.

     

    „Weißt du denn nicht was es heißt gegen die Befehle der Götter von Valhal zu handeln?“ (Sigmund)

     

    Sicher weiß sie das, aber sie ist halt eine Heldin. Und wie alle echten Heldinnen und Helden, die nur den Triumph des Guten vor Augen haben, glänzt Brunhilde mit Selbstlosigkeit. Pamela Tudor gibt alles um den Schatz der Nibelungen zu schützen und um den großmäuligen Sigmund aus der „Scheiße zu boxen“. Dieses macht sie allerdings mit der Ausdruckskraft einer Marionette, denn ihre Gesichtszüge scheinen eingemeißelt. Die große (unbeabsichtigte) Stärke des Films ist, dass selbst die dämlichsten Situationen von den strengen Mimiken seiner Protagonisten begleitet werden. Die Konstellationen können also noch so bescheuert sein, „Der steinerne Wald“ lässt sich davon nicht beeindrucken und nimmt sich „auf Deibel komm raus“ ernst. Wer z. B. die Schwertkämpfe mit geschärftem Blick inspiziert, der wird feststellen, dass diese nicht nur schlecht choreographiert, sondern auch extrem unbeholfen wirken. Anstatt den Stahl zumindest halbwegs Wikinger- und Nibelungenwürdig zu schwingen, hinterlassen die Statisten und Komparsen den Eindruck als werfen sie mit Wattebäuschchen.

     

    Um die Geschichte erfolgreich voranzutreiben und für den Zuschauer interessant zu machen, setzt Emimmo Salvi bei der Auswahl seiner Charaktere auf die klassischen Eckpfeiler:

     

    - der Gute (Sigmund)

    - die Geliebte des Guten (Siglinde)

    - der Böse (Hunding)

    - die „rechte Hand“ des Bösen (Fredrik)

    - die Eifersüchtige, die zwischen dem Guten und dem Bösen pendelt (Erika)

    - die selbstlose Kriegerin (Brunhilde)

    - der Verräter (Otto)

    - der Narr (Knut)

     

    Wie in vielen Filmen (ähnlicher und genreunabhängiger Prägung) avanciert der Part des Narren zu einem wichtigen Bestandteil für die erfolgreiche Vorgangsweise der, mit dem üblichen Identifikationspotential ausgestatteten, guten Seite der Macht. Auch wenn Knut vornehmlich im Sinne eines Hofnarren agiert, so ist er in den brenzligen Situationen zur Stelle um seinen Herrn (Sigmund) aus der Bredouille zu retten. An der Seite des kleinwüchsigen Knut, steht natürlich ein unerschütterlicher Krieger (Erik), der den Zwerg (wenn es sein muss) auch mal energisch zur Ordnung ruft. Die dazu benötigte Eigenschaft einer Respektsperson, kann der „Nibelungenchef“, Sigmund, allerdings nicht vorweisen. Viel zu sehr handelt er mit Hektik und Unreife, sodass der Kurzhaarwikinger, Hunding, und seine Schergen meist im Vorteil sind. Somit wären wir auch schon bei Gordon Mitchell, der sich mit zahlreichen Auftritten in Peplum-Vehikeln und Western zu einem geschätzten Bösewicht innerhalb des italienischen Kinos entwickelte. Mit seinem Auftritt im „Steinernen Wald“ kann er zwar „keine Bäume ausreißen“, aber Gordon ist (allein wegen seiner sympathischen Charakterfresse) ein Highlight des Films. Und ja, er ist glatt rasiert, was zu der Frage führt:

     

    Trugen alle Wikinger lange Haare, Bärte und Helme mit Hörnern?

     

    Der bekannteste Filmnordmann ohne Gesichtbehaarung ist zweifelsohne Kirk Douglas als Einar in Richard Fleischers „Die Wikinger“. Ob es einen ähnlichen Typen in der Geschichte der Wikinger gegeben hat oder ob alle Nordmänner ungepflegte Bärte und Helme mit langen Hörnern trugen, verrät uns Régis Boyer in seinem Buch „Die Piraten des Nordens“.

     

    „Im Allgemeinen trug der Wikinger einen Vollbart, aber das war kein Zwang. Er scheute sich auch nicht, diesen Bart zu Zöpfen zu flechten; ebenso verwandte er viel Sorgfalt auf sein Haupthaar. […] Kein Wikinger hat jemals einen Helm mit Hörnern getragen! Es handelt sich dabei um ein möglicherweise rituelles Attribut das auf den Beginn unserer Zeitrechnung zurückgeht, als ungefähr 800 Jahre vor dem Erscheinen des ersten Wikingers.“

     

    Ein weiteres Statement zum Wikingerhelm findet man in dem Buch „Die Wikinger“ herausgegeben vom Historischen Museum der Pfalz Speyer, dort schreibt Hendrik Mäkerler:

     

    „Die hörnerbewährten Helme, die man aus Bildern des 20. Jahrhunderts und Filmen über Wikingern kennt, waren den Wikingern des 8. bis 10. Jahrhunderts weder bekannt, noch wurden sie von ihnen getragen. So sie überhaupt Helme trugen begnügten sich die wikingischen Krieger in der Regel mit spitzen Sturmhauben.“

     

    Doch wie kam es eigentlich zu den Gerüchten um den sagenumwobenen Hörnerhelm?

     

    Der „Schuldige“ ist Richard Wagner, da er seine Protagonisten beim „Ring des Nibelungen“ mit Hörnerhelmen agieren ließ. Auf diese Weise sollten die Figuren furchteinflößender und kriegerischer wirken. Der „wahre“ Helm der Wikinger war nicht mit Hörnern ausgestattet und besaß eine Art Visier mit einem Nasenschutz. Man spricht gern vom Vendel- bzw. dem Brillenhelm. Schaut euch mal das deutsche Kinoplakat zu „Die Normannen kommen“ (das mit der roten Umrandung) an, der dort gezeichnete Helm kommt den historischen Wikingerhelmen nahe.

     

    Salvi verzichtet übrigens darauf „seine“ Nordmänner mit  Wikingerhelmen auszustatten und setzt bei den Kopfbedeckungen auf versiffte Langhaarperücken. Zwei Ausnahmen sind Gordon Mitchell als Hunding, und Attilio Severini als Fredrik. Gordon würde selbst mit einer Schlumpfmütze diabolisch wirken, aber Attilio Severini wirkt in seiner Optik absolut deplatziert. Mit kurzem, leicht lockigem Haar und einem roten Stirnband kommt der Charakter, Frederik, einer Mischung aus John Rambo und dem Hauptdarsteller (Robert Iannucci) aus dem Film „The Executor - Der Vollstrecker“ nahe. Ansonsten kann man (gerade in Anbetracht des kleinen Budgets) mit den Kostümen und Haartrachten der Hauptdarsteller, Komparsen und Statisten zufrieden sein. Weniger genügsam bin ich jedoch mit dem Spannungsablauf des Films. Salvi gelingt es nicht den entscheidenden Funken auf sein Publikum überspringen zu lassen. Ungeachtet dessen muss man dem Film jedoch (s)eine interessante Atmosphäre zugute halten, denn die im Studio gedrehten Nachtaufnahmen machen mich irgendwie an.  

     

    Fazit: Wenn die Wikinger zu den Nibelungen kommen, dann wollen wir Met saufen und rohes Fleisch fressen, doch Emimmo Salvi serviert uns (leider) nur halbgare Würstchen vom Billigdiscounter. Somit wird das Potential für eine kleine Trash-Granate verschleudert und „Der steinerne Wald“ verkümmert als durchschnittliche Hausmannskost. Die Freunde des italienischen Genrekinos sollten trotzdem reinschauen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Die DVD aus dem Hause Filmjuwelen bietet ein ordentliches Bild, bei dem auch für ausreichend Körnung gesorgt ist. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Bild in einigen Sequenzen etwas unscharf ist. Als Extras bietet die Veröffentlichung den Trailer zu „Der steinerne Wald“, sowie ein Booklet mit Bildmaterial und einem Text von Roland Mörchen. Obwohl der Autor ein Gros der Wikingerfilme nennt, finden der grandiose „Valhalla rising“ von Nicolas Winding Refn und Mario Bavas „Eine Handvoll blanker Messer“ leider keine Erwähnung. Obendrein wäre mehr Text zur Entwicklung des Wikingerfilms (Unterschiede zwischen skandinavischen, italienischen und amerikanischen Produktionen), sowie Infos zu den unterschiedlichen Schnittversionen (die deutsche Version ist stark geschnitten) willkommen gewesen. Dessen ungeachtet: ein informatives und sorgfältig recherchiertes Begleitheft.

  • Autor: Frank Faltin
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