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Der stärkste Mann der Welt

Frankreich | Italien, 1964

  • Originaltitel: Il trionfo di Ercole
  • Alternativtitel:

    O Triunfo de Hécules (BRA)

    Il triunfo di Ercole (ESP)

    Le triomphe d'Hercule (FRA)

    Hercules vs. the Giant Warriors (USA)

    Der Triumph des Herkules

    Herkules, der stärkste Mann der Welt

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Juni 1965
  • Regisseur: Alberto De Martino
  • Kamera: Pier Ludovico Pavoni
  • Musik: Francesco De Masi
  • Drehbuch: Alberto De Martino, Roberto Gianviti
  • Inhalt:

    Schon mehrmals sind die brandschatzenden und mordenden Eigenmächtigkeiten von Prinz Milo (Pierre Cressoy) und seinem Kumpan Gordio (Howard Ross) dem König von Mykene auf den Magen geschlagen. Dieses Mal, beim Zerstören eines Dorfes, hat der König genug und will den Prinzen aus Mykene verbannen. Der ist damit nicht einverstanden, und Gordio streckt den König mit einem Speerwurf nieder. Die Dorfbewohner Euristeo (Piero Lulli) und Reto (Enzo Fiermonte) werden Zeuge des Ganzen, doch ihnen gelingt die Flucht, und Reto will Freund Herkules (Dan Vadis) zu Hilfe rufen. Prinz Milo, der (woher auch immer) von Retos Freundschaft mit Herkules weiß, sucht sich ebenfalls Hilfe. Seine Mutter, die Hexe Pasiphae (Moira Orfei) - Schwester von Hera, wohnhaft in einer Höhle mit grünem Graffiti - soll ihm helfen, sich rechtzeitig gegen Herkules zu wappnen, um schließlich den ersehnten Thron besteigen zu können. Pasiphae gibt ihm einen goldenen Dolch (auch wenn einer der Protagonisten in der deutschen Synchro an einer Stelle irgendwie völlig sinnlos raushaut, der wäre aus Holz), der es in sich hat. Zieht man diesen Dolch aus der Scheide, erscheinen 8 unbesiegbare, goldene Glatzköpfe aus der Unterwelt – später jedenfalls.

     

    Als Reto Herkules erreicht, baut dieser gerade (ganz allein natürlich) einen Tempel zu Ehren der Göttin Hera oder Athene (auch hier war die Synchro unentschlossen). Die Hexe Pasiphae versucht, Reto durch einen herbeigezauberten Sumpf aufzuhalten, doch Herkules rettet den Freund in letzter Sekunde. Denn gottseidank kann die Hexe zwar einen Sumpf aus dem Nichts entstehen lassen, aber ein Seil mit ihren magischen Kräften durchtrennen, das kann sie offenbar nicht. Doch nun wird es richtig knifflig. Prinz Milo will König werden, doch das Volk mag ihn nicht, wohl weil er immer auf ihnen rumknüppelt. Prinz Milo, der das weiß, ersinnt einen Plan, der mit folgendem Subplot zu tun hat: noch zu Lebzeiten hat der bisherige König verfügt, dass seine Tochter Prinzessin Ate (Marilù Tolo) den jeweiligen Sieger eines Kampfes in der Arena heiraten soll, 10 Prinzen aus anderen Ländern werden antreten. Prinz Milo will nun Gordio ins Rennen schicken, Gordio soll den Kampf gewinnen, und dann beim Siegeszug auf dem Streitwagen zusammen mit der Prinzessin soll ein herabfallendes, mit Eisenspitzen bewehrtes Tor die Beiden - rein zufällig natürlich – erschlagen. Sorry, Milo, aber der Plan ist richtig scheiße. Lücken ohne Ende, und was ändert das an Milos fehlendet Beliebtheit? Egal.

     

    Der Tag der Arenakämpfe ist gekommen, Herkules sitzt unter den Zuschauern, und so ist Milos (dämlicher) Plan natürlich zum Scheitern verurteilt. Doch es kommt noch dicker. Während alle den Kämpfen beiwohnen, steigen zwei Diebe in den Palast ein, rauben allerlei Goldkrempel, dabei kommt auch Milos magischer Dolch abhanden. Allerdings nicht durch die Diebe sondern durch einen domestizierten Hausaffen, der irgendwann später auch den Dolch aus dem Futteral zieht und so die Goldglatzen auf die Palastwachen entfesselt. Doch Herkules hat natürlich keinerlei Probleme mit unbesiegbaren Unterweltlern und in Ate verliebt hat er sich auch noch.

     

    Milo glaubt sich schon fast als Verlierer der ganzen Situation als er durch seine Hexenmutter von Herkules Achillesferse erfährt. Wenn Herkules einen Unschuldigen tötet, nimmt Zeus ihm seine Kräfte, und so ersinnt Milo einen neuen Plan. Milo lässt Ate entführen, als einen der angeblichen Täter lässt er Herkules Freund Reto tot zurück und lenkt so den Verdacht auf die Dorfbewohner. Und da Herkules zwar sehr stark aber bekanntlich ein wenig dämlich ist, funktioniert Milos zweiter, blöder Plan sogar. Herkules erschlägt Euristeo im Zorn, und Zeus raubt ihm seine Kräfte. Milo wiederum ist seine Beliebtheit beim Volk nun endgültig schnuppe und er will Ate und Herkules in der Arena töten lassen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Dieser Sumpf ist doch vorher nicht hier gewesen. Den hätte ich doch sonst bemerken müssen.“

     

    Da würde ich bei diesem Herkules aber nicht drauf wetten. Aber nicht nur Dan Vadis` Mimik ist in Alberto De Martinos „Der Triumph des Herkules“ für unfreiwillige Komik zuständig sondern auch eine kleine Stuben- bzw. Studiofliege. Die sitzt während der Arenakämpfe zunächst auf Marilù Tolos nackter Schulter. Das kitzelt natürlich, Tolo schaut zunächst auch irritiert herunter, erhält dann aber offenbar die Anweisung, in ihrer Rolle zu bleiben, und so schaut sie stur geradeaus, während die Fliege flink weiter herunter krabbelt, um dann von der Seite in Tolos Dekolleté zu verschwinden. Für zusätzliche unfreiwillige Erheiterung sorgen natürlich ebenfalls die unbesiegbaren Goldglatzen.

     

    Und auch hier, in „Der Thriumph des Herkules“ dieser unglaubliche Wust an Handlungen, Nebenhandlungen und Intrigen, wie es für das Muskelmannn-Genre so typisch scheint, reingequetscht in 74 Minuten, wobei diese deutsche Version natürlich um eine knappe Viertelstunde gekürzt ist. So ist es aber gerade diese Vielfalt, die diesen weniger gelungenen Film mit seiner Kurzweiligkeit rettet. Die spannendste Szene ist wohl der Kampf in der Arena zwischen Gordio und dem Perser, Gordio auf einem Streitwagen mit Klingen an den Rädern, der Perser auf einem Pferd, bewaffnet mit einer Eisenkugel mit Spitzen, eigentlich eher eine Waffe des Mittelalters.

     

    Natürlich darf die Ende letzten Jahres leider verstorbene Moira Orfei als böse Widersacherin nicht fehlen, und irgendwie war sie bis jetzt in jedem dieser Herkules- oder Ursus-Filme dabei, die ich bisher gesehen habe. Bin gespannt, wann mir der Erste ohne Moira Orfei begegnet – obwohl ich sie dann sicher vermissen würde.

     

    Man merkt diesem Film an, dass sich die Ära Herkules seinem Ende zuneigte. Trotz ganz guter Besetzung ist das Budget offensichtlich sehr begrenzt gewesen, viel Pappmaché und gemalte Kulisse, lediglich das Dorf von Herkules Freunden befindet sich tatsächlich unter freiem Himmel und am Ende – auch nur teilweise – die Felsen. Beim Tod des Schurken Milo dagegen nichts als Pappe. Sorry fürs Spoilern aber in diesem Genre überleben die Schurken eh nie, sollte also keine große Überraschung sein.

     

    Was den Originaltitel und den ursprünglichen deutschen Kinotitel „Der Triumph des Herkules“ betrifft, bin ich mir nicht so ganz sicher, was das zu bedeuten hat – dass Herkules am Ende siegt? Fand ich nun auch nicht sooo überraschend. Trotzdem – nette, kurzweilige Unterhaltung von Alberto De Martino, keines seiner herausragenderen Werke aber durchaus sehenswert.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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