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SS Camp: Women's Hell

Italien, 1977

  • Originaltitel: SS Lager 5: L'inferno delle donne
  • Alternativtitel:

    SS Lager 5: Infierno de mujeres (COL)

    Roses rouges pour le Führer (FRA)

    SS Camp 5: Women's Hell

    SS Lager 5: Women's Hell

  • Regisseur: Sergio Garrone
  • Kamera: Maurizio Centini
  • Musik: Vasili Kojucharov, Roberto Pregadio
  • Drehbuch: Sergio Garrone, Vinicio Marinucci, Tecla Romanelli
  • Inhalt:

    In einem Konzentrationslager werden strenge Selektierungen unter den weiblichen Gefangenen durchgeführt. Diejenigen die „Glück“ haben, werden zu Huren ausgebildet um anschließend den hohen Nazidienstgraden den faulen Saft aus den Eiern zu ziehen. Alle anderen stehen dem Labor als Versuchsobjekte zur Verfügung. Die einzige Rettung vor Folter, Erniedrigung und Tod ist die Flucht.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Naziploitation, Nazisploitation, Sadiconazista. Egal wie man den verkommenen Rotzlöffel auch nennen mag, er (war, ist und) bleibt ein geschmackloser Bastard. Ergo polarisiert dieses Subgenre die Filmfangemeinschaft wie kein anderes. Die Filme aufgrund ihrer Geschmacklosigkeit zu meiden ist vollkommen in Ordnung. Das Genre (jedoch) Kraft dieser Tatsache zu verurteilen - ist weniger akzeptabel. Denn im Prinzip wird auf diese Weise auch dessen (Film)historischer Hintergrund geleugnet.

     

    Die Visualisierung des Genozids ist seit jeher ein hochsensibles Thema, das gerade in Deutschland mit großer Empörung aufgefasst wird. Schauen wir auf die Anzahl der hiesigen Naziploitation-Veröffentlichungen, so können wir nur eine kleine Zahl (wie z.B. „Salon Kitty“, „Der Nachtportier“, „Eine Armee Gretchen“ und „Folterzug der geschändeten Frauen“) registrieren. Der „knallharte“ Italo-Sadiconazista-Kern wurde niemals angefasst, da man sich (scheinbar) nicht verbrennen wollte. „SS Camp: Women's Hell“ ist eines dieser „heißen Eisen“.

     

    “You are here for sience! And for the comfort of our heroic soldiers!”

     

    Die Story („SS Camp: Women's Hell“) ist Genretypisch. Artverwandtes wurde oftmals als Basis für derartige filmische Entgleisungen genommen. Bemitleidenswerte junge Frauen die, als Häftlinge im Konzentrationslager, den geisteskranken Faschisten ausgesetzt sind. Innerhalb solcher Konstellationen greifen zwei mögliche Maßnahmen. Einerseits kann man die Sache überspitzen, und das Ganze als Persiflage wirken lassen („The Beast in Heat“ und „Ilsa: She Wolf of the SS“). Andererseits kann man die Situation ernsthaft vermitteln, so dass dem größten Teil der Rezipienten das Essen aus dem Gesicht fällt. „SS Camp: Women's Hell“ ordnet sich der zweiten Maxime unter.

     

    Die ersten 60% des Films verlaufen „relativ“ gemäßigt, anschließend wird der cineastische Rüpel allerdings zum schwer verdaulichen Grobian. Leutnant Hans (eine brandgefährliche Mischung aus Feigheit und Hass) bittet in sein Folterbüro. Nach einem missglückten Ausbruchversuch lässt der kahlköpfige Kotzbrocken die undisziplinierten Gefangenen „stramm stehen“. Fingernägel werden mit der Zange gezogen, eine Zunge herausgerissen… „Meine Fresse“, sensible Menschen könnten (bei der Ansicht beschriebener Szenen) ernsthafte Probleme bekommen. Den hartgesottenen Genrefans wird dieses hingegen weniger imponieren, denn der Film käut quasi auch nur das wieder, was in anderen Naziploitern (dieser Güteklasse) bis zum Exzess ausgereizt wird.

     

    Gleiches gilt für die stereotypischen Charaktere des „Naziausbeuterfilms“. Leutnant Hans – ein typischer Antisemit der nur die Autorität respektiert - haben wir eben kennen gelernt. Dazu kommt ein weiblicher Kapo mit dem prägenden (und im „Faschofilm“ anbetungswürdigen) Namen: Greta. Giorgio Cerioni spielt (mit (s)einem radikal blondierten Haupthaar) Colonel Strasser, der sich in eine Insassin (die Jamaikanerin Alina, gespielt von Rita Manna) verliebt. Eine doppelt prekäre Situation, da auch Leutnant Hans auf die exotische Schönheit „scharf“ ist. Neben den arischen Forschern und Kriegern unter der Swastika, bietet der Film natürlich auch einige Hoffnungsträger. Dazu gehören (bereits erwähnte Alina), die Puffmutter Magda, sowie Dr. Abraham und seine Tochter Edith. Sie alle sind unverzichtbare Spielfiguren im Kampf gegen die Herrenmenschen.

     

    Eine solche Schlacht spielt sich (bei Sadiconazista) oftmals auf einem kleinen Feld, sprich in einem Konzentrationslager, ab. Die Situation steht Pate für den globalen Krieg. Der Sieg der Außenseiter ist gleichbedeutend mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Die „Brunhilden“ und „Siegfrieds“ sind Geschichte, aber die Einkehr in das Walhalla können sie sich „gepflegt knicken“. Ihre Opfer – jedenfalls die, die mit dem Leben davon kamen – schauen traumatisiert in die Zukunft, oder sie thronen triumphal (wie Wolfe bei „Ilsa: She Wolf of the SS“) über dem Geschehen. Eine heldenhafte Abrechnung mit der Historie? Am Arsch. Hier geht es um Abartigkeiten, Brutalität und Menschenverachtung. Nix für Mamas Kaffeeklatsch mit Silberbesteck. Das ist Schund! Übelster und abgrundtief böser Schund!

     

    Apropos Schund. Wisst ihr eigentlich, dass es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine Einrichtung gegen die filmische „Schmutzwelle von Schund“ gab? In Wanne (seit 1926 das weltbekannte Wanne-Eickel) gründete man 1912 ein Gemeindelichtspielhaus. Dort präsentierte man dem Publikum fortan moralisch einwandfreie Köstlichkeiten. Die erste Filmvorführung trug den Namen „Mütter, verzagt nicht.“ Na dann…

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    „SS Camp: Women's Hell“ wurde (auf europäischer Ebene einzig) in Dänemark und Schweden auf DVD veröffentlicht. Ich habe (nur) die dänische DVD, bin mir allerdings ziemlich sicher, dass der Datenträger mit der schwedischen DVD identisch ist. Die Bildqualität ist ordentlich. Es wird allerdings nur die englische (und nicht die italienische) Tonspur angeboten.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb

    IMDb

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