Spiel mit dem Tod

Italien, 1989

  • Originaltitel: Gioco al massacro
  • Alternativtitel:

    Un retrato humano (ARG)

    The Wounded King

    Massacre Play

  • Regisseur: Damiano Damiani
  • Kamera: Gianfranco Transunto
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Damiano Damiani, Raffaele La Capria
  • Inhalt:

    Die beiden Filmregisseure Clem Da Silva (Tomas Milian) und Theo Steiner (Elliott Gould) waren einst sehr gute Freunde, haben zusammen gearbeitet und sich gegenseitig inspiriert. Als Theo Steiner aber seinen ersten Oscar mit einem Film gewann, dessen Idee er von Clem gestohlen hat, scheint die Freundschaft beendet. Zudem stahl Theo seinem Freund obendrein die schöne Bella (Nathalie Baye).

     

    10 Jahre später steht Clem aber plötzlich vor Theos Villa auf Capri, unentschlossen, ob er Theo überhaupt sehen will. Doch der hat ihn bereits bemerkt und lädt ihn ein, das Wochenende über zu bleiben.

     

    Die zwei Charaktere prallen nun mit ihren aufgestauten Emotionen aufeinander, Theo dominant, erfolgreich und manipulativ, Clem ausgenutzt, neidisch und von Produzenten missachtet.

     

    Mehrmals steht Clem kurz davor, wieder unvermittelt die Villa zu verlassen, doch es kommt zu verschiedenen Ereignissen, die ihn dazu bringen, noch zu bleiben. Erst ein Schäferstündchen mit Bella, dann die Aussicht, einen Film über die Transsexuelle Rosita (Eva Robins) finanziert zu bekommen, und schließlich der wahre Grund, der Clem nach Capri geführt hat: Theo soll todkrank sein und nur noch wenige Monate zu leben zu haben.

     

    Die Beiden beschließen, sich in ihren jeweils nächsten Filmen gegenseitig zu porträtieren. Um aber den jeweils anderen und dessen Motive zu ergründen, greift Theo zu ungewöhnlichen und demütigenden Mitteln. Und schließlich – ist Theo wirklich todkrank oder gehört auch das zu seinen grausamen, kleinen Manipulationen?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Damiano Damiani – der Altmeister des Mafia-Thrillers – inszenierte hier einen der ungewöhnlichsten Filme seines Schaffens. Und der dürfte nicht für jeden allzu leicht verdaulich sein. Anhand der Inhaltsangabe sollte bereits zu erkennen sein, dass es sich um eine sehr dialoglastige Story handelt. Grundsätzlich ist das Ganze für Filmfans aber schon interessant, denn Damiani widmet sich hier der Macht und der manipulativen Fähigkeiten von Filmregisseuren mit humorvollem Zynismus.

     

    Der Hauptfokus liegt auf den beiden Hauptcharakteren, und so ist „Spiel mit dem Tod“ ein Kräftemessen zwischen Elliott Gould und Tomas Milian, die hier schauspielerische Meisterleistungen vollbringen, denn die Figuren der beiden sind vielschichtig. Die einstigen Freunde fühlen sich innerlich noch immer sehr verbunden, doch gerade Clem schleppt eine Menge Aggressionen und Wut auf Theo mit sich herum, was natürlich sehr differenzierte Emotionen erfordert. Der etwas in die Jahre gekommene Milian (Halbglatze und Schmerbauch) dürfte für die damaligen Zuschauer erst mal schwer zu verdauen gewesen sein, aber gerade dieses Aussehen passt vorzüglich zu seiner Rolle.

     

    Elliott Gould wiederum hat seine darstellerischen Höhepunkte in den Momenten, wo er andere Menschen manipuliert. Man weiß nie, was er wirklich empfindet oder ob er wieder mal nur allen etwas vormacht, um zu bekommen was er will. Und dabei geht er mit einer sehenswerten gedankenlosen Grausamkeit vor.

     

    Ein weiteres Highlight bietet die Transsexuelle Eva Robins (Tenebre – Der kalte Hauch des Todes/Eva Man), die hier die wohl beste Gelegenheit ihrer Karriere hatte, ihr Talent zu beweisen. Und tatsächlich gehört die Szene, in der der Clem mit Bella ein Probeshooting drehen soll, zu den stärksten und bewegendsten Szenen des Films. Herrlich, wie sie ihn erst zur Verzweiflung treibt, um ihn dann mit ihrer emotionalen Tiefe zu beeindrucken. Provokant, wie Milian ihr angesichts ihres anfänglichen Ungehorsams erklärt, der Regisseur sei Gott und wenn Gott sagt, man soll den Fußboden lecken, dann hat ein Schauspieler das zu machen. Eva wirft sich daraufhin demütig zu Boden, leckt denselben und entschuldigt sich dann bei ihm. Etwas verheizt dagegen wirkt die Mini-Rolle von John Steiner.

     

    Wenig bekannt ist mir über die Produktionsumstände des Films, es scheint aber von vornherein eine Kinofassung und eine TV-Fassung gegeben zu haben. Im Vorspann der längeren 106-minütigen Version taucht auch der Titel „A Human Portrait“ auf, ein wesentlich passenderer Titel als „Gioco al massacro“ (Massacre Play), der falsche Erwartungen weckt. Gleiches gilt für den deutschen Titel „Spiel mit dem Tod“, der zwar inhaltlich passt aber doch irgendwie ein Krimiszenario suggeriert, dass es eben nicht gibt. Bei der deutschen TV-Fassung handelt es sich um die kürzere 97 Minuten-Version. Über die Art der Schnitte ist mir nichts bekannt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

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