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Sonjas Exzesse

Italien, 1993

  • Originaltitel: Graffiante Desiderio
  • Alternativtitel:

    Craving Desire

  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Natale Massara
  • Drehbuch: Sergio Martino
  • Inhalt:

    Luigi ist smart, jung, erfolgreich. Er besitzt ein schmuckes Haus, hat Geld und auf der beruflichen Karriereleiter steht er kurz vor dem Sprung nach ganz oben. Privat sollen bald die Hochzeitsglocken läuten  und bei so einem Glückspilz wie Luigi ist die Verlobte natürlich eine Tochter aus reichem Hause. Doch dann steht plötzlich Luigis jüngere und mittlerweile zur verführerischen Frau herangewachsene Cousine Sonia vor der Tür und bittet um vorübergehenden Unterschlupf. Den gewährt der nette Vetter zu gerne; nichtsahnend, dass er sich eine waschechte Psychopathin ins Haus geholt hat...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    CRAVING DESIRE atmet mit seinem Cover, seinem 4:3 Bildformat, dem minimalen Bekanntheitsgrad, seiner ganzen Machart und den vielen Verrissen im Gepäck ganz den Spirit schmuddelig-schäbigen Nachtprogramms. Wer sich schon immer gefragt hat, wo zum Teufel der Großmeister des Siebzigerjahre-Giallo Sergio Martino nach dem Niedergang seines Parade-Genres und einem kurzen Abstecher in den filmischen Kannibalen-Dschungel Neuguineas (siehe DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN) abgeblieben ist, dem sei gesagt, dass er zuletzt irgendwo in der Nähe des Obenbeschriebenen gesichtet worden ist.

     

    In den Neunzigern wurden seine Filme nicht mehr in einem Kinosaal voller Connaisseure auf der großen Leinwand gezeigt, sondern sind irgendwo zwischen Telefonsexwerbespots im Mitternachtssendegrab eines windigen italienischen Kabelfernsehsenders gestrandet - und vergessen worden. Doch bevor wir nun kollektiv in Mitleidstränen ausbrechen: Das amerikanische Label Mya hat es sich vor ein paar Jahren zur Aufgabe gemacht, diese verlorenen Filmchen aus der Versenkung zu bergen und auf Silberling zu brennen. Leider hat man dies nicht immer im optimalsten technischen Qualitätsbewusstsein getan – um es mal freundlich auszudrücken. Doch meckern wir nicht und sind froh, dass diese Filme überhaupt wieder dem geneigten Publikum zugänglich gemacht wurden.

     

    Im Gegensatz zu einem unter ähnlich bescheidenen Produktionsbedingungen entstandenen Triefer wie CRIME OF PASSION entpuppt sich Martinos CRAVING DESIRE aus dem Jahre 1993  bisweilen als herrlich- hinterfotziges, sexy-spannendes Miststück von einem schäbigen Filmchen.

     

    Selbst Ron Nummis wenig überzeugender Auftritt kann den bösen Spaß kaum schmälern. Als Luigi wirkt Nummi über weite Strecken wie ein naiver, farbloser Schnösel. Was eventuell daran liegt, dass er eben einen naiven, farblosen Schnösel spielen muss. Diese Rolle meistert er aber so, als wäre sie ihm auf den Leib geschrieben worden. Was mir wiederum zu denken geben würde, wenn ich Ron Nummi hieße. Egal. Da ist ja noch Vittoria Belvedere – Ach was! – VITTORIA BELVEDERE! Als kleine, durchtriebene, mächtig geile, sardonisch berechnende Flittchencousine straight from Hell or Asylum macht sie unserem Nummi die erstere ziemlich heiß. Nach dem Motto „Inzest – ist das was zum Essen?“ zerrt sie zunächst den eigenen Cousin ins Bett, entsaftet ihn derart, dass er seine Verlobung platzen lässt und kurz darauf –nachdem in der Werktagsnacht zuvor noch einem Dreier mit der bisexuellen Discoaufgabelung gefrönt wurde – mit dem noch feuchten Cousinenschlüpper vor der Firmenstrebervisage gar einen Juwelier überfällt. Dann wird Cousine Sonia eifersüchtig. Und wenn Frauen mit einer psychotischen Ader und schizophrenen Stimmungsschwankungen in einem Erotik-Thriller eifersüchtig werden, dann raucht’s. Folgerichtig wird Luigi in den letzten 50 Filmminuten nach allen Regeln der weiblichen Demütigungskunst systematisch demontiert, erniedrigt und zerstört.

     

    Natürlich hat CRAVING DESIRE nicht mehr viel bis gar nichts mit stil( -und style)prägenden Göttergaben wie DER KILLER VON WIEN oder ALL THE COLORS OF THE DARK aus Martinos Giallo-Heydays gemein. Natürlich kann sich CRAVING DESIRE nicht im Ansatz mit berüchtigten Sexploitation-Thrillern wie etwa D’Amatos FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT aus den Siebzigern messen. Und dennoch bietet CRAVING DESIRE weit mehr (schmierige) Unterhaltung als Frank Trebbins Totalverriss in Die Angst sitzt neben dir erahnen lässt. Was nämlich als billiger Erotikflick beginnt, schwenkt irgendwann in Beziehungsterror um und endet in bös psychotischen Gewässern. Somit schmeckt Sergio Martinos preiswerter Sexthriller-Cocktail im Abgang besser als gedacht.

  • Autor: Christian Ade
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