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Sie nannten ihn Plattfuss

Frankreich | Italien, 1973

  • Originaltitel: Piedone lo sbirro
  • Alternativtitel:

    El súper 'poli' (ESP)

    Un flic hors-la-loi (FRA)

    O Inspector Martelada (POR)

    The Knock Out Cop (USA)

    Flatfoot

    Buddy fängt nur große Fische

  • Deutsche Erstaufführung: 14. Februar 1974
  • Regisseur: Steno
  • Kamera: Silvano Ippoliti
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Nicola Badalucco, Lucio De Caro, Luciano Vincenzoni
  • Inhalt:

    Commissario Rizzo ist in den Straßen von Neapel ein alter Fuchs. Er weiß genau, dass die kleinen Ganoven genauso zu Neapel gehören wie der Vesuv und die Camorra, und dass sie mit ihren harmlosen Gaunereien meistens nur gegen die Armut ankämpfen. Die großen Gangster, die mit den Anzügen und den teuren Autos, die bekämpft Rizzo erbittert. Wobei er prinzipiell unbewaffnet arbeitet, seine zwei großen Fäuste sind ihm Waffe genug.

     

    Doch jetzt versuchen die Männer aus Marseille die Stadt mit Rauschgift aufzurollen, und dafür werden zuerst einmal an den Schulen Gratisproben verteilt. Gleichzeitig bekommt Rizzo einen neuen Vorgesetzten, der ihn von diesen Vorgängen versucht fernzuhalten oder vollkommen desinteressiert ist. Rizzo wird misstrauisch, und da die Polizei ihn im Stich lässt verbündet er sich mit den alteingesessenen Camorristi, um die neuen Gangster mit ihren rüden Methoden aus Neapel herauszuhalten. Denn rüde Methoden, das kann Rizzo auch. Und sogar ganz ohne Waffen …

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Dies soll keine normale Filmbesprechung sein, die sich mit Inhalten und Schauspielern des genannten Films beschäftigt. Denn während ich dies schreibe ist die Meldung von Bud Spencers Tod gerade mal ein paar Stunden alt, und auch wenn ich den Film schon vor einiger Zeit gesehen habe, so entsteht mit dieser Meldung doch eine ganz eigene Verbindung, die sich aber zugegeben sehr wehmütig anfühlt. Und ein paar Gedanken über den sympathischen Neapolitaner ergibt …

     

    Bud Spencer kennt man ja in erster Linie als prügelnden Clown und dicken Partner Terence Hills. So wird er in Erinnerung bleiben, und ich bin sicher dass er das so auch gewollt hat, feierte er seine größten Erfolge doch mit ebendiesem Part und hat die Jugend mindestens einer Generation Filmfans wesentlich mitgeprägt. Der dicke Hau-drauf-August mit dem gemütlichen Gesichtsausdruck und dem großen Herzen, das war seine Paraderolle.

     

    Aber Bud Spencer hat auch andere Filme gedreht. Als Charakterdarsteller war er in einigen Western unterwegs, in Tonino Cervis erstklassigem HEUTE ICH … MORGEN DU etwa oder in Tonino Valeriis SIE VERKAUFEN DEN TOD an der Seite von James Coburn und Telly Savalas, wo er sich neben den damals „Großen“ der Filmwelt mühelos behaupten und eigene Akzente setzen konnte. In Dario Argentos 4 FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT spielte er Gott(fried), im Original Dio(genes), einen Lebenskünstler der am Fluss lebt und sich vom Fischen ernährt (Frage: „Wo ist Gott?“ Antwort: „Angeln.“), und mit der Rolle ist er einer der Höhepunkte dieses sowieso schon hervorragenden Films. Und last but not least gab er in Carlo Lizzanis DER SIZILIANER eine erstklassige Performance eines unschuldig verurteilten und verzweifelten Normalbürgers.

     

    Gerade diese normalen Menschen, die konnte er richtig gut. Die kleinen und nicht wirklich mächtigen 08/15-Typen, die ein wenig umfangreicher gewachsen sind und sich mit ihrem großem Herzen und noch größeren Fäusten durchs Leben schlagen. Diese Mischung aus überlebensgroß und stinknormal, kombiniert mit einem Herz für Kinder und Jugendliche, die machte ihn einzigartig. Der Fischer Bulldozer aus Michele Lupos SIE NANNTEN IHN MÜCKE, seinem wahrscheinlich besten Solofilm, ist so einer, und Kommissar Rizzo aus SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS ebenfalls. Ein waschechter Neapolitaner, der genau unterscheiden kann zwischen den kleinen Gaunern die aus der Not heraus stehlen, und den großen Halunken welche nur die Not der kleinen Leute und ihren eigenen Reichtum vergrößern wollen und nichts anderes sind als miese Schweine. Ein gemütlicher Mensch ist Rizzo, der keine Waffen benötigt um in seinem Revier für Ordnung zu sorgen, sondern mit Menschenverstand und Augenmaß agiert. Wenn Plattfuss durchs Revier schlendert ist das italienische Lebensart in Reinkultur: Sonne, Pasta, Gemütlichkeit, ein wenig krumme Geschäfte, die alte Verkäuferin von zollfreien Zigaretten wird vor den nachrückenden Kollegen gewarnt, und ansonsten bloß nicht übertreiben mit der Hektik.

     

    Na ja, OK, ganz so ist es auch nicht. PLATTFUSS passt sehr wohl in das Schema der gängigen Poliziotteschi. Was bedeutet dass der Kommissar von seinen Vorgesetzten ausgebremst wird, die Gangster die besseren Anwälte haben, und die Gewalt regiert. Es hat jede Menge (nicht lustiger) Schlägereien, flotter Verfolgungsjagden und sogar den ein oder anderen Toten. Es gibt diese eindrückliche und fast ein wenig verstörende Szene, wenn Rizzo durch die Straßen läuft und nicht mehr sein geliebtes Neapel sieht, sondern eine von auswärtigen Gangstern beherrschte Drogenhölle, die überhaupt nicht mehr vergleichbar ist mit dem sonnigen und liebevoll gezeichneten Neapel der Anfangsszenen.

     

    Und da merkt man dann plötzlich, dass Bud Spencer eben mehr war als der dicke Sidekick von Terence Hill, sondern dass er ein guter und fein beobachtender Charakterdarsteller war, der mühelos und vor allem glaubwürdig zwischen einer Prügelei und einem tiefgehendem Gefühlsleben wechseln konnte. Eigentlich schade, dass er den weitaus größten Teil seiner Karriere auf die „Der Dicke“-Rolle festgelegt wurde, aber wie schon erwähnt hatte er damit Erfolg und hat sich ja wahrscheinlich damit auch wohlgefühlt. Aber die Charakterrollen, und das wird meist übersehen, die konnte er halt auch ganz hervorragend.

     

    Und wenn man ihm dann noch solche Partner zur Verfügung gestellt hat wie hier, dann konnte eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Enzo Cannavale als Inspektor Caputo ist für die kleinen Lacher und die schrägen Momente zuständig, und irgendwie hatte ich beim Zusehen ein paar Mal das Gefühl, dass das Gespann Cannavale/Spencer sich in Bezug auf die Komik und das Zusammenspiel an Laurel und Hardy orientiert hat. Köstlich, wie die Kommunikation nur mit Blicken funktioniert. Adalberto Maria Merli als Vorgesetzter Tabassi ist das genau Gegenbild der beiden: Jung, modern, leistungsorientiert, zackig, gesetzestreu. Wer nicht so will wie er, der wird eben suspendiert. Ein Karrieremensch mit undurchsichtigen Ambitionen, und das Zusammenspiel zwischen Spencer als dem Leben zugeneigten Rizzo und Merli als dem Leistungsmenschen Tabassi passt perfekt. Die Schurkenriege ist dann unter anderem mit Angelo Infanti und Mario Pilar ebenfalls erstklassig besetzt. Schmierige Typen, die wiederum als Gegensatz zu Rizzo funktionieren und Spencer so ausreichend Platz zur Entfaltung geben. Da kommt seine warmherzige und hemdsärmelige Art erst richtig zur Geltung.

     

    SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS ist zwar ein hervorragender Poliziottescho, aber es ist eben auch ein typischer Bud Spencer-Film dieser Zeit, was beileibe nicht negativ gemeint ist. Buddy schaut gemütlich, lässt ein paar Mal die Fäuste rotieren, und kümmert sich darum dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird, wobei der letzte Punkt in diesem ersten Film der Reihe angenehm unkomisch ist und sehr ernsthaft betrieben wird. Er bekämpft das Gesindel, ist dabei aber nicht so verbissen wie zum Beispiel Maurizio Merli, sondern lockerer. Unverkrampfter. Italienischer … Und damit bot er (und bietet auch heute noch) eine Projektionsfläche für alle denen Ungerechtigkeit widerfahren ist, und die sich nicht wehren können. Und für alle, die die Schnauze voll haben von der Verbissenheit die unsere Welt heute regiert.

     

    Bud, wir werden Dich nicht vermissen, denn Du wirst immer in unseren Herzen bleiben. Aber die Generationen, die nicht mit Deinen Filmen aufwachsen werden, denen wird definitiv ein Stückchen Glück im Leben fehlen …

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS gibt es in Deutschland aktuell in verschiedenen geschnittenen und ungeschnittenen Versionen. Gesehen wurde die (ungeschnittene) Blu-ray aus der Plattfuss-Komplettbox von Universum. Das Bild ist sehr gut, der Ton ebenfalls. Enthalten sind hier die deutsche Kinofassung und die um 4 Minuten längere italienische Originalfassung. Angeblich sind fehlende deutsche Stellen deutsch untertitelt, aufgefallen ist mir allerdings nichts dergleichen. Der untenstehende Link zu Schnittbereichte.com macht dann klar, dass es sich bei den Schnitten in erster Linie um Gewaltszenen handelt, sind diese doch unter anderem dafür zuständig aus einer Bud Spencer-Prügelklamotte einen recht ernsthaften Poliziottescho zu machen.

     

    Als Extras gibt es einen ganzen Schwung an Bud Spencer-Trailern, unter anderem zu allen folgenden Plattfuss-Filmen.

  • Autor: Maulwurf
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